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Fachtagung der HSS
Wirtschaftswachstum durch Wagemut: Impulse für einen starken Standort Bayern

Autorin/Autor: Dr. Claudia Schlembach
, Antonia Disselkamp

Wie kann wirtschaftliches Wachstum unter den Bedingungen von geopolitischen Unsicherheiten, technologischem Wandel und zunehmender Regulierungsdichte gelingen? Dieser Frage ging nun eine Expertenrunde auf Einladung der HSS nach.

Es diskutierten (v.li.:): Johannes Schick, CEO der Linhardt GmbH, Matthias Dießl, Präsident des Sparkassenverbands Bayern, Prof. Dr. Diane Robers, Leiterin der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der HSS, Klaus Holetschek, MdL, Vorsitzender der CSU-Landtagsfraktion, Dr. Andreas Aufschnaiter, Vorstand der MS Industrie AG, und Rainer Ulrich, Geschäftsführer der SEViX GmbH.

Es diskutierten (v.li.:): Johannes Schick, CEO der Linhardt GmbH, Matthias Dießl, Präsident des Sparkassenverbands Bayern, Prof. Dr. Diane Robers, Leiterin der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der HSS, Klaus Holetschek, MdL, Vorsitzender der CSU-Landtagsfraktion, Dr. Andreas Aufschnaiter, Vorstand der MS Industrie AG, und Rainer Ulrich, Geschäftsführer der SEViX GmbH.

© HSS

Die Frage wie wirtschaftliches Wachstum gelingen kann, stellt sich nicht nur für Unternehmen, sondern gleichermaßen für Politik, Verwaltung und Gesellschaft. Der Begriff des Wagemuts verweist in diesem Zusammenhang auf mehr als unternehmerische Risikobereitschaft: Er beschreibt die Fähigkeit, unter unsicheren Bedingungen Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und Veränderung aktiv zu gestalten. Damit rückt zugleich die Frage nach den politischen, institutionellen und kulturellen Voraussetzungen eines zukunftsfähigen Wirtschaftsstandorts in den Mittelpunkt.

Wagemut statt Übermut: Impulse für die Zukunft Bayerns

In einer Zeit, die von globalen Unsicherheiten und technologischen Umbrüchen geprägt ist, verdeutlichte die gemeinsame Veranstaltung der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung in Kooperation mit dem Wirtschaftsbeirat Bayern, dass wirtschaftliche Dynamik kein Naturgesetz ist. Unter dem Leitthema „Wirtschaftswachstum durch Wagemut“ diskutierten hochkarätige Vertreter aus Politik, Finanzwesen und Mittelstand über die notwendigen Weichenstellungen für die Zukunft des Freistaats. Die zentrale Erkenntnis der Runde war, dass Wachstum dort entsteht, wo Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Risiken einzugehen, um den Standort proaktiv zu gestalten.

Dabei wurde deutlich, dass es nicht allein um technologische Innovationen geht, sondern um eine neue Kultur des Vertrauens und eine Besinnung auf den „Faktor Mensch“ in der Transformation. Wachstum entsteht, so der Tenor der Veranstaltung, nicht durch Übermut, sondern durch Wagemut – eine Haltung, die sowohl unternehmerische Tugend als auch gesellschaftliches Fundament ist.

Am 13. März 2026 organisierte die Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung in Kooperation mit dem Wirtschaftsbeirat Bayern eine Fachtagung zum Thema „Wirtschaftswachstum durch Wagemut“

Die Referierenden waren:

Markus Ferber, MdEP, Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung 

Klaus Holetschek, MdL, Vorsitzender der CSU-Landtagsfraktion 

Matthias Dießl, Präsident des Sparkassenverbands Bayern 

Johannes Schick, CEO der Linhardt GmbH 

Dr. Andreas Aufschnaiter, Vorstand der MS Industrie AG 

Rainer Ulrich, Geschäftsführer der SEViX GmbH 

Die Moderation oblag Prof. Dr. Diane Robers, Leiterin der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung

Klaus Holetschek, MdL, Fraktionsvorsitzender der CSU, steht am Rednerpult im HSS-Konferenzzentrum.

Klaus Holetschek, MdL, Fraktionsvorsitzender der CSU, forderte eine radikale Staatsmodernisierung. Er kritisierte eine Politik, die sich zu oft in langwierigen Planungsverfahren verliere, und plädierte dafür, den Staat konsequent als "Ermöglicher" und Dienstleister zu begreifen.

© HSS

Gefragt: Politischer Gestaltungswille und Vertrauen

Der Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, Markus Ferber, MdEP, eröffnete die Tagung mit einem Plädoyer für Aktivität statt bloßem Abwarten. Er verwies auf die beeindruckende Stärke des bayerischen Mittelstands und konstatierte, dass Wachstum niemals durch Übermut, sondern ausschließlich durch Wagemut entstehe. In seinem abschließenden Resümee der Veranstaltung hob er hervor, dass dieser Mut jedoch einen verlässlichen Rahmen benötigt. Ferber mahnte, dass Märkte Regeln brauchen, die im Sinne Ludwig Erhards Freiheit und Regulatorik in ein gesundes Gleichgewicht bringen. Vertrauen sei dabei die entscheidende Währung: Während andere Systeme auf Vertrauen und nachträglicher Kontrolle basieren, ersticke das deutsche System Innovationen oft durch eine präventive Misstrauenskultur.

An diesen Gedanken knüpfte Klaus Holetschek, MdL, Fraktionsvorsitzender der CSU, in seinem Impulsvortrag an und forderte eine radikale Staatsmodernisierung. Der Vorsitzende der CSU-Landtagsfraktion kritisierte eine Politik, die sich zu oft in langwierigen Planungsverfahren verliere, und plädierte dafür, den Staat konsequent als „Ermöglicher“ und Dienstleister zu begreifen. Mit dem bayerischen Modellregionengesetz skizzierte er einen Weg, bürokratische Hürden aktiv abzubauen. Sein zentraler Appell richtete sich an die Verwaltung: Man solle den Bürgern nicht erklären, warum ein Vorhaben nicht möglich ist, sondern grundsätzlich darlegen, unter welchen Bedingungen es realisiert werden kann. Nur durch diesen Geist des „Einfach-mal-machens“ könne Vertrauen zurückgewonnen werden.

Markus Ferber, MdEP, Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung, steht am Rednerpult im Konferenzzentrum der Hanns-Seidel-Stiftung

HSS-Vorsitzender Markus Ferber, MdEP, mahnte, dass Märkte Regeln brauchen, die im Sinne Ludwig Erhards Freiheit und Regulatorik in ein gesundes Gleichgewicht bringen.

© HSS

Finanzielle Souveränität und wissenschaftliche Resilienz

Die finanzielle Dimension des Wagemuts beleuchtete Sparkassenpräsident Matthias Dießl. Er unterstrich die Bedeutung technologischer Unabhängigkeit für den Standort und nannte als Beispiel das europäische Zahlungssystem „Wero“, mit dem die Sparkassen aktiv an der digitalen Souveränität arbeiten. Dießl mahnte jedoch an, dass die enorme regulatorische Last mittlerweile produktive Kräfte lähme. Wenn rund 20 % der Belegschaft im Bankensektor ausschließlich damit beschäftigt sind, die Einhaltung der Rechtsnormen zu prüfen, fehle diese Kraft für die Finanzierung von Innovationen. Zudem verwies er auf den demografischen Wandel: Da die Institute in den kommenden Jahren massiv an Personal verlieren, müsse Technologie als Partner begriffen werden, um Menschen zu entlasten und Freiräume für unternehmerisches Handeln zu schaffen.

Neben der Moderation der Expertenrunde setzte Prof. Dr. Diane Robers, Leiterin der Akademie für Politik und Zeitgeschehen der HSS, einen wissenschaftlichen Impuls zum Umgang mit der „Dauerdisruption“. Sie analysierte, dass Disruptionen heute kein Ausnahmezustand mehr, sondern ein permanenter Begleiter seien. Unternehmen und Führungskräfte müssten daher lernen, Resilienz und Entscheidungsfreude wie einen Muskel aktiv zu trainieren. Robers plädierte für eine neue Gewinner-Mentalität, bei der Anstrengung und Leistung wieder positiv besetzt und als Quelle persönlicher Gestaltungskraft begriffen werden. Für sie ist der Wagemut einer Gesellschaft untrennbar damit verbunden, Arbeit wieder als einen sinnstiftenden und integralen Bestandteil des Lebens in den Köpfen zu verankern.

Matthias Dießl, Präsident des Sparkassenverbands Bayern, posiert für ein Handyfoto vor dem Eingang der Hanns-Seiddel-Stiftung

Matthias Dießl, Präsident des Sparkassenverbands Bayern (rechts) sagte, dass Technologie als Partner begriffen werden müsse, um Menschen zu entlasten und Freiräume für unternehmerisches Handeln zu schaffen.

© HSS

Unternehmerischer Pragmatismus und die Kultur der Führung

In der Diskussion forderte Johannes Schick eine Abkehr vom typisch deutschen Perfektionismus. Als CEO der Linhardt GmbH betonte er, dass in volatilen Zeiten das richtige Timing oft entscheidender sei als das Warten auf absolute Sicherheit; daher gelte für ihn die Devise: „80 % ist das neue 100 %“. Wagemut dürfe dabei jedoch keine exklusive Eigenschaft der Chefetage sein. Schick hob die Notwendigkeit hervor, Transparenz im Unternehmen zu schaffen und unternehmerisches Denken in der gesamten Belegschaft zu fördern. Nur wenn jeder Mitarbeiter verstehe, welchen Beitrag er zum Gesamterfolg leistet, könne ein Unternehmen agil und mutig auf Marktveränderungen reagieren.

Dr. Andreas Aufschnaiter ergänzte diese Perspektive durch die Forderung nach einer „Mutschärfe“ und der Bereitschaft, Risiken auch bei unvollständiger Informationslage einzugehen. Der Vorstand der MS Industrie AG mahnte an, dass Deutschland im globalen Wettbewerb attraktivere Anreize für Ansiedlungen und Gründungen schaffen müsse. Er regte an, erfolgreiche internationale Modelle wie zeitlich begrenzte steuerliche Entlastungen („Tax Holidays“) oder bürokratische Ruhephasen für Start-ups stärker in die politische Debatte einzubringen. Sein Ziel ist eine Kultur, in der Abhängigkeiten konsequent reduziert werden und das Prinzip „Versuch und Irrtum“ wieder als legitimer Weg zur Innovation anerkannt wird.

Den Fokus auf den Faktor Mensch vollendete Rainer Ulrich, Geschäftsführer der SEViX GmbH, der eine lebendige Führungskultur als entscheidendes Gut einforderte. Angesichts einer steigenden Zahl innerer Kündigungen plädierte er für einen transformationalen Führungsstil, der die persönliche Entwicklung der Mitarbeitenden als Priorität begreift. Für Ulrich wird exzellente Führung dadurch definiert, Menschen wirklich bewegt zu haben. Das höchste Prädikat für eine Führungskraft sei es, wenn Mitarbeitende rückblickend sagen können, dass sie sich unter einer speziellen Führungskraft nicht nur fachlich, sondern vor allem menschlich enorm weiterentwickelt haben. Werte und Leistungsbereitschaft müssten dabei bereits in der Familie als Keimzelle der Gesellschaft vorgelebt werden.

Fazit: Vertrauen als Fundament der Zukunft

Die Veranstaltung machte deutlich, dass es für die wirtschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit keine einfachen Lösungen gibt, aber ein Kurswechsel im Denken notwendig ist. Zum Abschluss führte Prof. Dr. Diane Robers die Perspektiven zusammen und plädierte für eine neue Gewinner-Mentalität, bei der Arbeit wieder als integraler und sinnstiftender Bestandteil des Lebens begriffen wird. Wenn es gelinge, Anstrengung und Leistung als Quelle von Fortschritt positiv zu besetzen, könne Bayern als „Land der Möglichkeiten“ weiter ausgebaut werden.

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