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35 Jahre Deutsche Wiedervereinigung
Europa nach dem Mauerfall

Autorin/Autor: Katja Zirkel

Wie hat das vereinte Deutschland die Machtbalance in Europa verändert – und welche Verantwortung trägt es heute? Im Interview spricht Markus Ferber, MdEP, HSS-Vorsitzender, über neue Herausforderungen für die EU, die Folgen der Osterweiterung und die Lehren, die Europa aus der Wiedervereinigung ziehen kann.

 

Markus Ferber, MdEP, Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung

Markus Ferber, MdEP, Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung

© Sebastian Buff

HSS: Herr Ferber, wie hat die Wiedervereinigung Deutschlands die Machtbalance in Europa verändert?

Markus Ferber: Die Wiedervereinigung hat Deutschland als stärkste Volkswirtschaft Europas gefestigt. Das neue Gewicht Berlins führte zu einem Ausgleich der Kräfte zwischen Nord- und Südeuropa, aber auch zu einer stärkeren Rolle Deutschlands in Brüssel. Wichtig war, dass Deutschland gleichzeitig seine Einbindung in die EU vertiefte, um ein „deutsches Europa“ zu vermeiden und stattdessen ein „europäisches Deutschland“ zu schaffen.

Gab es durch die Wiedervereinigung auch neue Herausforderungen für die EU?

Ja, die EU musste sich auf ein vergrößertes Deutschland einstellen. Politisch gab es Sorgen über ein zu dominantes Deutschland. Gleichzeitig stiegen die Erwartungen, dass Deutschland mehr Verantwortung übernimmt – finanziell und außenpolitisch. Die EU-Erweiterung nach Osten war ein folgerichtiger Schritt, stellte Europa aber vor neue Herausforderungen: Die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen West und Ost mussten ausgeglichen und die politische Zusammenarbeit neu organisiert werden.

Welche Lehren kann Europa heute aus der Wiedervereinigung ziehen?

Die wichtigste Lehre ist, dass Einigung möglich ist, wenn politischer Wille und Vertrauen vorhanden sind. Die Wiedervereinigung war nicht nur ein deutsches, sondern ein europäisches Projekt. Heute sollten wir diese Erfahrung nutzen, um die Solidarität unter den Staaten zu stärken, gerade in Krisenzeiten, und um die EU handlungsfähiger zu machen.

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Redakteurin: Katja Zirkel
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