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Festakt zum 125. Geburtstag von Hanns Seidel
Wurzeln gesetzt, auf denen Bayern gewachsen ist

Autorin/Autor: Andreas von Delhaes-Guenther

Mit einem Festakt hat die Hanns-Seidel-Stiftung den 125. Geburtstag ihres Namensgebers Hanns Seidel gefeiert. Der Stiftungsvorsitzende Prof. Klaus Holetschek, MdL, sieht sich „dem Vermächtnis Hanns Seidels verpflichtet“. Festredner war am Dienstagabend Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder, MdL.

 

Die HSS feiert den 125. Geburtstag ihres Namensgebers mit einem großen Festakt: v.li.: Die stv. HSS-Vorsitzende Kerstin Schreyer, MdL, HSS-Generalsekretär Dr. Stefan Ebner, MdL, der Bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Dr. Markus Söder, MdL, und HSS-Vorsitzender Prof. Klaus Holetschek, MdL

Die HSS feiert den 125. Geburtstag ihres Namensgebers mit einem großen Festakt: v.li.: Die stv. HSS-Vorsitzende Kerstin Schreyer, MdL, HSS-Generalsekretär Dr. Stefan Ebner, MdL, der Bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Dr. Markus Söder, MdL, und HSS-Vorsitzender Prof. Klaus Holetschek, MdL

© Plettenberg

HSS-Vorsitzender Prof. Klaus Holetschek, MdL

HSS-Vorsitzender Prof. Klaus Holetschek, MdL

© Plettenberg

Mehr als 300 Gäste waren zum Festakt der Hanns-Seidel-Stiftung zum 125. Geburtstag ihres Namensgebers ins Münchner Konferenzzentrum gekommen, darunter aktive und ehemalige Minister sowie viele Abgeordnete aus Bundestag, Landtag und dem Europaparlament, aber auch mehrere Mitglieder der Familie Seidel. „Man muss seine Wurzeln kennen, um die Zukunft zu gestalten. Hanns Seidel hat Wurzeln gesetzt, auf denen Bayern gewachsen ist", leitete der Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, Prof. Klaus Holetschek, MdL, seine Begrüßung ein.

Sicherheit und Wohlstand ermöglichen

Er erinnerte an das christliche Wertefundament und das politische Vermächtnis von Hanns Seidel: „Er hat am Schluss immer die Frage gestellt: Wie gestalten wir die Zukunft unseres Landes? Diese Frage ist aktueller denn je. Das geht nur, wenn wir mit einer Generation unterwegs sind, die ein Leben in Freiheit, Sicherheit und Wohlstand ermöglicht. Hanns Seidel hat darauf zu seiner Zeit Antworten gegeben und es liegt an uns, in unserer Zeit auch Antworten zu finden.“ Politische Verantwortung bedeute, „Lösungen zu finden, anzupacken, nicht die Dinge auszusitzen, sondern umzusetzen. Vertrauen zu schaffen, dass die Entscheidungen am Ende auch gut werden. Und wir brauchen politische Stärke und die Fähigkeit zur ständigen Erneuerung.“ Diese Einstellung Seidels werde auch mit Ministerpräsident Markus Söder in Bayern fortgesetzt. „Innovation und Identität, dass wir nicht stehenbleiben, sondern immer weitergehen. Und dass unsere Werte uns Überzeugung und Orientierung geben, Heimatverbundenheit. Das ist unsere Basis.“

„Wir können dankbar sein, dass Hanns Seidel dieses Bayern geprägt hat.“

Prof. Klaus Holetschek, MdL, HSS-Vorsitzender

Seidel habe in seiner Politik aber auch den Föderalismus, das Gemeinwohl und die Demokratie vorangestellt. Wenn man heute sehe, wie in Berlin wieder Antisemitismus und Judenhass dominant werde, wie die Ideen einer Enteignung Zuspruch finde und der Begriff Eigentum verschwimme, „dann fragt man sich, was könnte Hanns Seidel uns in diesen Tagen sagen“, betonte Holetschek. „Und er würde uns eine Botschaft geben: Demokratie braucht Haltung und Verantwortung, um die freiheitlichen Werte zu verteidigen und nicht wegzuschauen.“ Auch das sei das Vermächtnis von Hanns Seidel. „Wir können dankbar sein, dass Hanns Seidel dieses Bayern geprägt hat. Diesem Vermächtnis fühlen wir uns als Hanns-Seidel-Stiftung mehr als verpflichtet.“

Dr. Markus Söder, Bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender, MdL, referiert über das Leben des Politikers Hanns Seidel.

Dr. Markus Söder, Bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender, MdL, referiert über das Leben des Politikers Hanns Seidel.

© Plettenberg

Demokratie, Frieden und Entwicklung

Bereits 1956 hatte Seidel im Bayerischen Landtag gefordert, dass „unserer Bevölkerung jenes Wissen vermittelt wird, das zum Begreifen der Freiheit und zur Abwehr der gegen sie gerichteten Angriffe notwendig ist“. Wenige Jahre nach seinem Tod wurde die 1967 gegründete CSU-nahe politische Stiftung nach Hanns Seidel benannt.

„Die Hanns-Seidel-Stiftung vermittelt in Bayern, Deutschland und weltweit Wissen und Werte für Demokratie, Frieden und Entwicklung. Wir sehen uns unserem Namensgeber verpflichtet“, erklärte der Stiftungsvorsitzende Holetschek. Die große Herausforderung heute im Zeitalter von Social Media sah Holetschek darin, „in kurzen Sequenzen komplexe Themen zu transportieren“. 

„Überragende Persönlichkeit“

In seiner Festrede nannte Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder, MdL, seinen Vorgänger Hanns Seidel eine „überragende Persönlichkeit, die immer Verantwortung für die Gemeinschaft übernommen hat. Seidel war ein Pragmatiker in der Nachkriegszeit, der sich zuvor früh gegen den Nationalsozialismus stellte.“ Seidel habe früh Verantwortung übernommen, habe sich als Hauer im Steinkohlebau sein Jurastudium finanziert und als Wirtschaftsanwalt politische Zusammenhänge kennengelernt.

Nach der „Stunde Null“ 1945 habe er sich politisch in dem ökonomisch und moralisch am Boden liegenden Land engagiert. Als Wirtschaftsminister und später Ministerpräsident habe er gravierende Probleme wie die Integration von Millionen Flüchtlingen, den Wiederaufbau zerstörter Städte und Verkehrswege sowie die Schaffung neuer Arbeitsplätze angepackt und erfolgreich gelöst. Er habe den Weg Bayerns vom „bettelarmen Agrarland zum Industriestandort“ eingeleitet, der von seinen Nachfolgern zum Hightech-Land fortgeführt wurde. Diese „historische Leistung“ sei gelungen, obwohl sich Bayern durch die Blockbildung und den Mauerbau „in einer Randlage“ befunden habe. Die Produktion sei in Seidels Wirkzeit deutlich gestiegen, die Arbeitslosigkeit gesunken, das Einkommen habe sich verdoppelt und 1958 sei der Haushalt erstmals ausgeglichen gewesen.

Der papierne Hanns Seidel

Der papierne Hanns Seidel

© Plettenberg

Freiheit mit Leitplanken

Seidel sei ein Anhänger der Sozialen Marktwirtschaft gewesen – „wirtschaftliche Freiheit mit sozialen Leitplanken“ sowie „Leistungsbereitschaft als Stärke“. Darum habe er auch Forschung, Wissenschaft, Handwerk und Mittelstand entscheidend vorangebracht. „Hightech und Innovation sind unsere Impulse seit Hanns Seidel.“ Bei der Energieversorgung habe er durch die Raffinerie in Ingolstadt die Öl- und Gasversorgung sichergestellt. Er habe aber auf alle Versorgungsmöglichkeiten gesetzt, auf die Atomkraft und die Wasserkraft. Mit dieser günstigen Energieversorgung sei der Weg zu einem starken Land geebnet worden, das es als einziges ehemaliges Nehmerland im Länderfinanzausgleich zum Geberland ab 1988 geschafft habe. „Machen wir es wie Seidel: Jede Energieform nutzen, denn ohne Energie kein Wohlstand“, zog Markus Söder die Parallele zu heute. 

Aber auch Seidels Werteverständnis sei prägend für die Politik in Bayern und der CSU geworden. "Bis heute hat das Wort Christlich-Sozial eine besondere Bedeutung, aus der christlichen Soziallehre heraus. Für Seidel und die CSU war das S, das Soziale immer wichtig, auch für die kleinen Leute da zu sein. Wir sind nicht die Anwälte der oberen Zehntausend, wir haben immer auch den einfachen Menschen geholfen. Das ist auch das Motto der Zukunft: näher beim Menschen, näher beim Volk, christlich-sozial. Seidel war einer der Begründer davon." Markus Söder forderte, in den Schulen mehr bayerische Landesgeschichte zu vermitteln. „Wir sollten den jungen Menschen die Wurzeln dieses Landes lehren.“ Denn Hanns Seidel sei es gewesen, der „uns allen einen friedlichen und erfolgreichen Start ins Leben ermöglicht“ habe.

„Die Hanns-Seidel-Stiftung bleibt ein Juwel.“

Dr. Markus Söder, MdL, Bayerischer Ministerpräsident

„Die Hanns-Seidel-Stiftung bleibt ein Juwel“, lobte Söder. Sie sei die einzige Stiftung die für nur ein Bundesland wirke, „weltoffen, freundlich, nachdenklich und innovativ“. Mit rund 5000 Veranstaltungen im letzten Jahr mit mehr als 270.000 Teilnehmern, dazu 1300 Stipendien und mit 250 Mitarbeitern in 75 Ländern der Welt vertreten.

Auf dem Plenum: v.li.: Archivleiter und Moderator Christian Petrzik, Historiker Prof. Dr. Andreas Rödder, HSS-Vorsitzender Prof. Klaus Holetschek, MdL und Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult. Horst Möller.

Auf dem Plenum: v.li.: Archivleiter und Moderator Christian Petrzik, Historiker Prof. Dr. Andreas Rödder, HSS-Vorsitzender Prof. Klaus Holetschek, MdL und Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult. Horst Möller.

© Plettenberg

Pionier der Aufbaugeneration 

Der Leiter des Archivs für Christlich-soziale Politik, Dr. Christian Petrzik, moderierte im Anschluss eine Podiumsdiskussion mit Prof. Klaus Holetschek und den beiden Historikern Prof. em. Dr. Dr. h. c. mult. Horst Möller und Prof. Dr. Andreas Rödder. „Seidel wird viel zu wenig beachtet, er ist Gründungsfigur der CSU, die sich immer auf die historischen Wurzeln bezogen hat und schaute, was die Geschichte lehrte“, so Rödder. Hanns Seidel sei „Pionier der Aufbaugeneration“ gewesen, in einer Zeit, als Landräte „alles können mussten, von Wohnraum schaffen, Hunger bekämpfen bis Industrie ansiedeln“, erklärte Möller, der in Seidel einen „politisch und konzeptionell denkenden Kopf“ sah, der „durchsetzungsstark“ war. „An der Modernisierung Bayerns hat Hanns Seidel einen außerordentlichen Anteil und dadurch Wirkung bis heute“, fasste Möller zusammen.

Für den Stiftungsvorsitzenden Klaus Holetschek war Seidel ein Politiker und Staatsmann, der „Antworten gegeben hat, wie wir die Zukunft des Landes gestalten, wobei für Seidel das ‚C‘ im Parteinamen etwas Essentielles war“. Auf dieser Basis arbeite die Hanns-Seidel-Stiftung als CSU-nahe Einrichtung auch zukünftig in der Werteorientierung "bürgerlich, konservativ und liberal“.

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Redakteur: Andreas von Delhaes-Guenther
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