Jahreswechsel
Zwischen gestern und morgen
In den drei Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam wird der Jahreswechsel auf ganz unterschiedliche Weise gefeiert.
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Christliches Neujahr: Jahreswechsel zwischen Kirche und Alltag
Im Christentum beginnt das neue Jahr nach dem gregorianischen Kalender am 1. Januar. In vielen westlichen Ländern ist das ein offizieller Feiertag. Viele Christen feiern Neujahr ganz ähnlich wie andere Menschen: mit Familie, Freunden oder bei öffentlichen Feiern. Gleichzeitig gibt es auch kirchliche Traditionen zum Jahresbeginn:
- Gottesdienste an Silvester: In vielen Kirchen gibt es am Abend des 31. Dezember besondere Gottesdienste. Dort schauen die Menschen dankbar auf das alte Jahr zurück und bitten um Gottes Segen für das neue.
- Neujahrstag als kirchlicher Feiertag: Der 1. Januar hat in einigen Konfessionen eine besondere Bedeutung, zum Beispiel als Festtag in der katholischen Kirche.
- Vorsätze und Segen: Der Jahresanfang ist für viele Christen ein guter Moment, um sich neu auszurichten. Sie fassen Vorsätze und nehmen sich vor, Dinge besser zu machen, Frieden zu suchen oder Verantwortung zu übernehmen.
So ist das christliche Neujahr beides: ein normaler Jahreswechsel im Alltag und zugleich ein Zeitpunkt, um innezuhalten und mit Hoffnung in die Zukunft zu schaue
Jüdisches Neujahr: Rosch ha-Schana – Zeit der Besinnung und des „süßen“ Anfangs
Das jüdische Neujahr heißt Rosch ha-Schana („Haupt des Jahres“). Es wird nach dem jüdischen Kalender gefeiert und liegt meist im Frühherbst. Mit Rosch ha-Schana beginnen die Hohen Feiertage – eine besondere Zeit, die zehn Tage später mit Jom Kippur endet.
An Rosch ha-Schana geht es vor allem darum, auf das vergangene Jahr zu schauen und gut ins neue zu starten. Viele Menschen besuchen den Gottesdienst, denken über ihr Leben nach und bitten um einen guten Neubeginn. Typisch für das Fest sind:
- Schofarblasen: In der Synagoge wird ein Widderhorn geblasen. Der Klang soll wachrütteln und daran erinnern, das eigene Leben neu auszurichten.
- Besondere Speisen: Beim Festessen gibt es oft Apfel mit Honig. Das steht für den Wunsch nach einem „süßen“ und guten Jahr.
- Taschlich-Ritual: Manche gehen an einen Fluss oder Bach und werfen Brotkrumen ins Wasser. Das soll zeigen: Schwere Dinge aus dem alten Jahr dürfen wegfließen.
Rosch ha-Schana ist also ein festlicher, aber ruhiger Jahresbeginn – voller Hoffnung, aber auch mit dem Wunsch, Verantwortung zu übernehmen und besser ins neue Jahr zu gehen.
Muslimisches Neujahr: 1. Muharram – ein stiller Jahresbeginn
Das islamische Neujahr startet am 1. Muharram. Muharram ist der erste Monat im islamischen Kalender. Dieser Kalender richtet sich nach dem Mond, deshalb verschiebt sich das Datum jedes Jahr im normalen (gregorianischen) Kalender (2025 lag es z. B. Ende Juni).
Der Jahresbeginn wird im Islam meist ruhig und besinnlich gefeiert. Er erinnert an die Hidschra: die Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina im Jahr 622. Dieses Ereignis war ein wichtiger Neubeginn für die muslimische Gemeinschaft – deshalb beginnt mit ihm auch die islamische Zeitrechnung.
Wie Muslime den Tag begehen, kann je nach Land und Glaubensrichtung unterschiedlich sein:
· Gebet und Nachdenken: Viele danken für das vergangene Jahr, beten und machen sich gute Vorsätze für das neue.
· Erinnerung an Geschichte: Für viele Schiiten fällt der Jahresbeginn in eine Trauerzeit. Sie erinnern in diesen Tagen besonders an Imam Husain und sein Leiden in Kerbela.
· Keine festen Feiern überall: Es gibt keine einheitlichen Neujahrsrituale wie an den bloßen Festtagen. In manchen Ländern ist es ein Feiertag, in anderen wird es eher privat begangen.
Im Mittelpunkt steht die Frage: Was lasse ich hinter mir – und wie will ich im neuen Jahr leben?
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