Best Paper Award
Über Käse, Kühlschränke und den Methanschlupf
Die zweit- und drittplatzierten des diesjährigen Best Paper Awards: Jan Priesmann, Nora Elhaus und Dr. Maximilian Blaschke (v.l.n.r.)
Jessica Dancs; HSS
Wissenschaftliche Höchstleistungen
Die Arbeiten befassen sich aus sozial- wie naturwissenschaftlicher Perspektive mit einer der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit: der Transformation des Energiesystems.
Nach dem Eingang zahlreicher internationaler Einsendungen und einer intensiven Begutachtung durch eine erstklassig besetzte Jury, konnten die Urkunden im Juli im Rahmen einer Abendveranstaltung mit Podiumsdiskussion an die Preisträgerinnen und Preisträger überreicht werden.
Die Jury-Mitglieder
- Dr. Patrick Abel, Lehrstuhlinhaber für Staats- und Verwaltungsrecht, Europarecht, Europäisches und Internationales Wirtschaftsrecht, Universität Passau
- Prof. Dr. Roland Pail, Professur für Astronomische und Physikalische Geodäsie, Technische Universität (TU) München
- Prof. Dr. Dieter Kranzlmüller, Leiter des Leibniz-Rechenzentrums und Professor für Informatik am Lehrstuhl für Kommunikationssysteme und Systemprogrammierung der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), München
- Univ.-Prof. i.R. Dr. Gerhard Sextl, ehem. Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung und ehem. Lehrstuhlinhaber für Chemische Technologie der Materialsynthese, Julius-Maximilians-Universität (JMU), Würzburg
Die Jury war sich hier einig: Die beste Arbeit reichte Carina Keller ein. Sie hat den ersten Platz unseres Best Paper Awards erhalten.
HSS; privat
Überzeugung durch Raffinität – Die Preisträger
Unter dem Titel "Neue Energien: Herausforderungen und Lösungsansätze der Transformation des Energiesystems" präsentierten Carina Keller von der EBS Universität für Wirtschaft und Recht (1. Platz), Dr. Maximilian Blaschke von der Technischen Universität München (2. Platz), Nora Elhaus von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (3. Platz) und Jan Priesmann von der Rheinisch-Westfälische Technischen Hochschule (RWTH) Aachen (3. Platz) ihre ausgezeichneten Arbeiten.
Dabei deckten die Preisträgerinnen und Preisträger eine große Bandbreite wissenschaftlicher Disziplinen und methodischer Ansätze zur Transformation des Energiesystems ab:
Die Wirtschaftswissenschaftlerin Carina Keller stellte unter dem Titel "Keine Panik? Unternehmerische Klimarisikowahrnehmung und -management im Energiesektor" Ergebnisse ihrer prämierten Studie vor, die der Ertrag einer langfristigen ethnographischen Untersuchung in einem deutschen Energieunternehmen sind. Am Beispiel von Pistolen und Käse verdeutlichte sie, wie entscheidend die kulturelle Prägung für die Wahrnehmung und das Management von Risiken sind. Während Pistolen in den USA ein selbstverständlicher Teil des Alltags sind, dem keine besondere Gefahr zugesprochen wird, und Rohmilchkäse eine zu regulierende Bedrohung darstellt, verhält es sich in Frankreich genau andersherum. Analog müsse man auch die Einschätzung von Klimarisiken in Unternehmen als kulturell abhängig und sozial geprägt verstehen, die sich nur durch eine konkrete negative Erwartung in Handlungen umsetzen lasse. Eine Kurzversion der Studie finden Sie hier.
Der Betriebswirtschaftswissenschaftler Dr. Maximilian Blaschke wurde für eine Arbeit zur Anreizsetzung für Nachfragesteuerung von Strom in Privathaushalten durch dynamische Stromtarife ausgezeichnet und widmete sich in seinem Vortrag den Möglichkeiten, die nicht nur intelligente Kühlschränke, sondern generell smarte Haushaltsgeräte für die Energiewende bieten. Anschaulich stellte er dar, wie durch eine Kombination von Automatisierung ausgewählter Haushaltsgeräte und eine Dynamisierung der Stromtarife der Stromverbrauch effizienter gestaltet werden könnte. Sein ausgezeichnetes Paper finden Sie hier.
Video-Statements der Gewinner
Die hohe Qualität der eingereichten Arbeiten, die auch Jurymitglied Prof. Dr. Gerhard Sextl in seiner Laudatio zu Beginn der Veranstaltung betonte, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass wir vier Preisträger gefunden haben: So wurde der dritte Preis zweimal vergeben, da die Jury sich über die gleichermaßen hohe Qualität der drittplatzierten Arbeiten einig war.
Als erste Preisträgerin des dritten Preises stellte die Chemieingenieurin Nora Elhaus dem Publikum den Methanschlupf vor. Was wie ein obskures Tier oder gar wie ein Fabelwesen klingt, stellte sich während des Vortrags "Ökologische Bewertung von Biogasanlagen mit biologischer Methanisierung als Power-to-Methan-Systems" als eines der größten Probleme in der Methanisierung und damit für die Transformation des Energiesystems selbst heraus. Durch den ungewollten Austritt von Methangasen in Biogasanlagen werde die ökologische Bilanz dieser Technologien deutlich gemindert. Den ausgezeichneten Aufsatz finden Sie hier.
Nora Elhaus teilt sich den dritten Platz mit dem Wirtschafts- und Maschinenbauingenieur Jan Priesmann. Dieser stellte im Rahmen seines Vortrags zum Thema "Auswirkungen der Förderungen erneuerbarer Energien auf Einkommensungleichheit und Energiearmut" zum Schluss die große Frage nach der Gerechtigkeit der Transformation des Energiesystems und aktuelle politische Ansätze damit zugleich in Frage. Warum er für eine hohe EEG-Umlage in Kombination mit Kompensationszahlungen für niedrige Einkommensklassen plädiert, erfahren Sie hier.
Ein Feuerwerk an Inspirationen und der steinige Weg der Transformation
Im Anschluss an die Vorträge diskutierte ein hochkarätig besetztes Panel die vorgestellten Ansätze und weiterführenden Aspekte der Transformation des Energiesystems. Unter der Moderation von Professorin Dr. Diane Robers, der Leiterin der Akademie für Politik und Zeitgeschehen, betonten
- Professor Dr. Dieter Kranzlmüller, Leiter des Leibniz-Rechenzentrums und Jurymitglied,
- Professorin Dr. Karin Kreutzer von der EBS Universität für Wirtschaft und Recht,
- Dr. Albrecht Schleich, Vorsitzender des Ausschusses für Energie- und Rohstoffpolitik des Wirtschaftsbeirats Bayern und
- Prof. Dr. Gregor Zöttl von der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg
die hohe Qualität der prämierten Arbeiten. Sie alle freuten sich über das "wahre Feuerwerk an Inspirationen" (Kreutzer und Schleich) und die "hohe Praxisnähe", die aus einem großen Gespür für wirkliche Problempunkte resultiere (Schleich).
Bilder des Abends
Um die vielversprechenden Ansätze nun in die Praxis umzusetzen, bedürfe es einer konsequenten Einbettung der Energiewende in eine internationale Wettbewerbsstrategie, die auch die Soziale und Ökonomische Nachhaltigkeit nicht links liegen lasse (Zöttl). Dafür sei die Politik aufgefordert, wissenschaftlich erarbeitete Lösungen in politische Machbarkeitssysteme einzuordnen und den künstlich aufgebauten Gegensatz zwischen Umwelt und Unternehmertum abzubauen.
Der Weg einer ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltigen Transformation wird, so waren sich die Diskutanten einig, ein steiniger und beginnt gerade erst. Das nun gezündete Feuerwerk an Inspirationen in der Hanns-Seidel-Stiftung ist damit als ein farbenfroher Startschuss zu verstehen.
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