Verantwortung für die Umwelt - Bekenntnisse
Ein Kurswechsel ist dringend erforderlich, um den Klimawandel abzumildern und die Umweltzerstörung zu stoppen. Politiker, Wissenschaftler, Vertreter aus Wirtschaft und Kirche beschreiben, wie sie Verantwortung übernehmen. Lesen Sie Auszüge aus dem im Lau-Verlag erschienenen Buch "Bekenntnisse zur Verantwortung für die Umwelt".
Markus Ferber
HSS-Vorsitzender Markus Ferber, MdEP
Verena Kienast; HSS
Balance zwischen Umweltschutz und Wachstum
Die richtige Balance zwischen Umweltschutz und Wachstum zu finden, ist ein schwieriger Aushandlungsprozess. Wichtig ist, beide Felder nicht gegeneinander auszuspielen. Dies gilt gerade auch jetzt in Zeiten der globalen Gesundheitskrise. Um die wirtschafts- und sozialpolitischen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie abzufedern, wurden staatliche Rettungspakete auf den Weg gebracht, deren Umfang wir uns zuvor nicht hatten vorstellen können. Die Investitionen, die wir jetzt einsetzen, müssen die Wirtschaft ankurbeln, aber sie müssen auch dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen. Nur dann ist das Aufbaupaket nachhaltig und zukunftsorientiert (S.10).
"Bekenntnisse zur Verantwortung für die Umwelt " erschienen im Lau-Verlag
Henning Kaul
MdL a.D., ehemaliger Vorsitzender des Umweltausschusses im Bayerische Landtag (2003-2008)
Henning Kaul
Die Erde als Lebensgrundlage für Menschen, Tiere und Pflanzen
Für die immer dichter aufeinanderfolgenden weltweiten Krisen wie die Börsen-Krise, die Banken-Krise, die Flüchtlings-Krise, die Klima-Krise und jetzt die Corona-Pandemie finden wir die Ursache im Fehlverhalten bei uns Menschen. Die Analysen der Krisen führen uns vor Augen, dass alles miteinander verbunden und voneinander abhängig ist und dass wir Menschen unter Leidensdruck besonders kreativ sind und aus Krisen lernen. Die Beiträge in diesem Buch zeigen in erfreulichem Maße (…) eine augenfällige Übereinstimmung in der Bewertung des Verhältnisses von uns Menschen zu unserem Planeten Erde. Nämlich: Dieser Planet ist unsere Lebensgrundlage und zugleich die Lebensgrundlage für Tiere und Pflanzen als unsere Mitgeschöpfe (S. 351).
"Bekenntnisse zur Verantwortung für die Umwelt " erschienen im Lau-Verlag
Kardinal Reinhard Marx
Erzbischof von München und Freising
Erzbischöfliches Ordinat München (EOM)/Lennart Preiss
Papst Franziskus` Sozialenzyklika und das Gemeinwohl
Die 2015 von Papst Franziskus veröffentlichte Sozialenzyklika Laudato si’ spricht eine Einladung an alle Menschen aus, die Schreie unserer Mitmenschen und Mitgeschöpfe wahrzunehmen, umzukehren und eine radikal andere Grundhaltung allem Leben gegenüber einzunehmen. Sie will uns anstiften und in die Pflicht nehmen, gemeinsam ganz konkrete Schritte in Richtung mehr Gemeinwohl zu gehen. (S. 29)
(…)
Papst Franziskus bietet damit in Laudato si’ und Fratelli Tutti eine Art Gegenentwurf an. Es ist dies (…) ein Entwurf, der ganz von den realen Erfahrungen der Mehrheit der Menschheitsfamilie ausgeht und danach fragt, was wäre, wenn nicht der pure Egoismus und nur persönliche und nationale Interessen unser Handeln prägten und wie diese Welt aussehen könnte. Papst Franziskus spricht eine Einladung aus, uns frei zu machen von unseren gängigen Modellen und Vorstellungswelten, einmal unser Imaginieren und Denken zu weiten, die Welt umfassend ganzheitlich wahrzunehmen, uns von dem so Wahrgenommenen anrühren zu lassen, also auch mitfühlend darauf zu reagieren, und dann, so seine tiefe Überzeugung, dann wird etwas mit uns geschehen. (S. 35)
"Bekenntnisse zur Verantwortung für die Umwelt " erschienen im Lau-Verlag
Susanne Breit-Keßler
Regionalbischöfin i.R., Vorsitzende Bayerischer Ethikrat und Stv. Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung
Susanne Breit-Keßler
Nachhaltigkeit im Privaten
Essen, Trinken, sich Kleiden: Alles ist engstens mit Fragen der Nachhaltigkeit verquickt genauso wie Wohnen und die Gestaltung des eigenen Heims. Was muss neu angeschafft werden? Braucht man wirklich einen neuen Teppich? Passen die Sofas noch? Die Gardinen? Die Lampen? Sachliche Entscheidungen kann man fällen, wenn man genau hinsieht und potenziell negative Folgen für die Umwelt zu vermeiden sucht. Es lässt sich viel tun, um den ökologischen Fußabdruck auch im Zuhause möglichst gering zu halten, selbst wenn einem von vielen Seiten vermeintliche „must haves“ vor Augen gehalten werden. (S. 48)
(…)
Ganz persönlich bin ich, immer voller Sehnsucht nach einem Eigenheim, interessiert an Tiny Houses. 15 Firmen bieten solche bezugsfertige Minihäuser ab ca. 30 000 Euro an. Reizvoll ist, dass man sehr reduzieren muss. Ganz im Sinne der Bergpredigt: „Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo Motten und Rost sie fressen und wo Diebe einbrechen und stehlen. […] Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ (Matthaus 6,19 ff.) Auf was kann man alles verzichten? Möbel, Flat-Screen, Bücher? (S. 49)
"Bekenntnisse zur Verantwortung für die Umwelt " erschienen im Lau-Verlag
Prof. Dr. Markus Vogt
Professor für Christliche Sozialethik, LMU München
LMU München
Resilienz und Nachhaltigkeit in der Corona-Krise
Die Gesellschaft wird nach und mit Corona eine andere sein. Es geht nicht darum, in den früheren Zustand zurückzukehren, sondern die Gesellschaft braucht eine innovative Zukunftsperspektive. Dabei sind jedoch vielschichtige Zielkonflikte zu bewältigen. Entscheidend ist, dass sich das Corona-Krisenmanagement nicht in defensiven Adhoc- Maßnahmen erschöpft, sondern Perspektiven aufzeigt, wohin sich die Gesellschaft entwickeln muss, um künftig bei multiplen Krisen robuster und resilienter zu sein. Dafür kann Nachhaltigkeit, also die systemische Integration sozialer, ökologischer und ökonomischer Entwicklungen, eine wegweisende Horizonterweiterung anbieten. (S. 56)
"Bekenntnisse zur Verantwortung für die Umwelt " erschienen im Lau-Verlag
Markus Blume
MdL, Generalsekretär der CSU
Steffen Böttcher; CSU
Klimawandel als Schicksalsfrage
Klimaschutz bedeutet eine Weiterentwicklung unserer Wirtschaftsordnung. Wir brauchen einen bayerischen Gesellschaftsvertrag, einen Umwelt- und Klimapakt der Bayerischen Staatsregierung mit der Wirtschaft und der Gesellschaft. Denn Klimaschutz bedeutet eine Weiterentwicklung unserer Wirtschaftsordnung. Unsere Soziale Marktwirtschaft müssen wir um die ökologische Dimension und damit um ein nachhaltiges Wirtschaften erweitern, das Fortschritt und Ressourcenschonung intelligent verbindet. Die ökosoziale Marktwirtschaft vereint soziale, ökonomische und ökologische Ziele gleichermaßen. Nur mit einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft sichern wir den Wohlstand von morgen. (S. 71)
"Bekenntnisse zur Verantwortung für die Umwelt " erschienen im Lau-Verlag
Dr. Gerd Müller
MdB, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Michael Gottschalk/Photothek.net
Die Menschheit als Verantwortungsgemeinschaft
Als Entwicklungsminister habe ich mehr als 50 Länder der Welt bereist, die wir gemeinhin als Entwicklungsländer bezeichnen. Ich weiß, wie die Herausforderungen dort aussehen: himmelschreiende Armut, Not und Elend, unsägliche Zerstörung von Umwelt und Natur, steinhart verdorrte Böden, versiegte Wasserquellen – desaströse Lebensgrundlagen für Menschen. Was vor kaum zwei Jahrzehnten noch als Herausforderungen für die Länder des globalen Südens galt, sind heute gemeinsame Herausforderungen in der ganzen Welt. Hunger und Armut, Klimawandel oder eben sich rasant ausbreitende Infektionskrankheiten wie Covid-19 – all diese Probleme lösen wir am besten gemeinsam. (S. 126)
Bekenntnisse zur Verantwortung für die Umwelt " erschienen im Lau-Verlag
Eva Weber
Oberbürgermeisterin der Stadt Augsburg
Martin Augsburger; Stadt Augsburg
Augsburg Blue City
„Blue City“ – das ist mehr als eine Kampagne oder ein Kommunikationsdach. Uns geht es dabei um das Mitnehmen der Augsburger Bürger, der Unternehmen und Institutionen hin zu mehr Klimaschutz in unserer Stadt. Wir wollen das Vorgehen gemeinsam entwickeln und tragen – die Verwaltungsteile, die Initiativen, die Unternehmen, der Stadtrat. Blue City soll konkret beinhalten, was bei uns läuft: Klimaschutz, Klimawandelanpassung, Klimakommunikation, verzahnt mit den Bereichen Finanzen, Wirtschaft, Bauen, Kultur, Soziale Gerechtigkeit, Stadtgesellschaft. Wir wollen ein neues, breites Bewusstsein schaffen und dabei verständlich bleiben – eine große Herausforderung. (S. 141)
Bekenntnisse zur Verantwortung für die Umwelt " erschienen im Lau-Verlag
Bernd Sibler
MdL, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst
© StMWK
Bildung und Nachhaltigkeit
Als Leitbild und langfristiger Orientierungsrahmen für unser Handeln kann und soll uns dabei die Maxime der Nachhaltigkeit dienen. Denn nachhaltige Entwicklung zielt darauf ab, die ökologischen, ökonomischen und sozialen Grundlagen zu erhalten und dabei die Chancen für heutige und künftige Generationen auf Lebensqualität und Wohlstand zu sichern. Bildung, Wissenschaft und Innovation sind maßgebliche Treiber einer solchen Entwicklung. (S. 332)
"Bekenntnisse zur Verantwortung für die Umwelt " erschienen im Lau-Verlag
Prof. Dr. Ottmar Edenhofer
Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenschätzung (PIK)
PIK
Die Pariser Klimaziele und der Weg dorthin
Durch das Klimaabkommen von Paris hat die internationale Staatengemeinschaft einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung unternommen. Um das Abkommen wirkungsvoller zu gestalten, sollte allerdings künftig über CO₂-Preise und konditionale Transferzahlungen anstatt über Mengenziele verhandelt werden.
"Bekenntnisse zur Verantwortung für die Umwelt " erschienen im Lau-Verlag
Dr. Siegfried Balleis
Honorarprofessor an der Universität Erlangen-Nürnberg und Oberbürgermeiser a.D. der Stadt Erlangen
copyright-glasow-6x9
Wasserstofftechnologie und deren Einsatz
Leider wurde, von wenigen Ausnahmen abgesehen, dem Einsatz der Wasserstofftechnologie zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Dabei könnte der Einsatz von Wasserstoff ein wichtiges Element der Sektorkopplung zwischen Energiewende einerseits und Verkehrswende andererseits darstellen. Viele sehen im Aufbau einer funktionsfähigen Wasserstoffwirtschaft sogar den Schlüssel zu einer Dekarbonisierung unserer Wirtschaft insgesamt. (S. 179 f.)
(…)
Mit der Veröffentlichung der bayerischen Wasserstoffstrategie durch die bayerische Staatsregierung am 29. Mai 2020 hat der Freistaat Bayern bereits im Frühsommer 2020 ein klares Bekenntnis zur Wasserstoffwirtschaft abgelegt. Der Freistaat Bayern ist damit seiner Pionierrolle im Bereich Umwelt treu geblieben, zumal Bayern bereits 1970, d. h. vor über 50 Jahren, weltweit das erste Umweltministerium installiert hat. Somit kann man mit Fug und Recht feststellen, dass der Freistaat Bayern zur umweltpolitischen Avantgarde zählt. Dies hat er u. a. auch dadurch bewiesen, dass er bereits im Spätsommer 2019 das Bayerische Wasserstoffzentrum in Nürnberg errichtet hat. (S. 188 f.)
Bekenntnisse zur Verantwortung für die Umwelt " erschienen im Lau-Verlag
Simone Neumann
Landesvorsitzende des Arbeitskreises Energiewende der CSU
CSU-Kreisverband Fürstenfeldbruck
Mobilität im Wandel
Eine der zentralen Säulen einer umfänglichen Mobilitätswende (…) ist die Verkehrsvermeidung. Diese wird oft gleichgesetzt mit Einschränkungen. Der Grundgedanke dahinter ist aber ein gänzlich anderer. Im Privatsektor kann weniger Verkehr vor allem durch Flexibilisierung im Beruflichen und die Stärkung von Versorgungsstrukturen des täglichen Bedarfs erreicht werden. Intelligent gesteuerter Verkehr kann Verkehrswege im Fernverkehr und im innerstädtischen Bereich deutlich entlasten. Dies kann durchaus auch dazu beitragen, individuelle Freiheiten und Lebensqualität zu steigern. (S. 210)
Bekenntnisse zur Verantwortung für die Umwelt " erschienen im Lau-Verlag
Stefan Köhler
Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbandes Unterfranken
BBV
Lebensmittelerzeugung und Umweltschutz
Gleichzeitig muss jedem von uns immer bewusst sein, dass jede Lebensmittelerzeugung einen Eingriff in die Natur bedeutet und niemals emissionsfrei sein kann. Die nachhaltige Balance ist in der Landwirtschaft stets anzustreben, Eingriffe sind möglichst gering zu halten. Andere menschliche Einflüsse auf Natur, Wasser und Klima sind meist stärker vermeidbar, unter anderem bei Reisen, Verkehr, Energiegewinnung und auch beim Flächenverbrauch durch Bebauung. Der Zukunft-Bauer erzeugt vorrangig Lebensmittel, die Mittel zum Leben bedeuten und die jeder Mensch täglich benötigt. (S. 245 f.)
"Bekenntnisse zur Verantwortung für die Umwelt " erschienen im Lau-Verlag
Philipp Freiherr von Guttenberg
ehemaliger Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (2010 bis 2019)
AGDW, photothek/Gaertner
Klimaresiliente Wälder
Gleichzeitig hat die gegenwärtige Krise wieder einmal offenbart, wie wertvoll und unverzichtbar die Leistungen des Waldes für unsere Gesellschaft sind. Selbstverständlich braucht der Wald dabei keine Hilfe, um aus dem CO₂ in der Atmosphäre, Sonnenlicht und Wasser Holz und Sauerstoff zu produzieren. Das gleiche gilt für die Reinigung der Luft oder die Speicherung von Wasser im Waldboden. Diese intrinsischen „Leistungen“ erbringt der Wald von selbst, also ohne unser Zutun. Es muss allerdings die Frage gestellt werden, ob der sich aufgrund des Klimawandels rasch verändernde Wald alle von der Gesellschaft benötigten Leistungen auch ohne die aktive Beeinflussung durch den Menschen in diesem Maße weiterhin erbringen kann. (S. 165 f.)
Bekenntnisse zur Verantwortung für die Umwelt " erschienen im Lau-Verlag
Prof. Dr. Jörg E. Drewes
Professor für Siedlungswasserwirtschaft, TU München
Technische Universität München
Klimawandel und Wasserverfügbarkeit
Die globale Erwärmung wird die Verfügbarkeit von Wasser nachhaltig beeinflussen, wobei einzelne Regionen davon unterschiedlich betroffen sein werden. Der Temperaturanstieg und die damit verbundenen Auswirkungen in Form lang anhaltender Trockenheiten, veränderter Niederschlagsverteilung und sinkendem Grundwasserspiegel sind in Deutschland schon heute spürbar. Mit lang anhaltenden Perioden von Niedrigwasser in unseren Flüssen ergeben sich auch zunehmend Herausforderungen für die Wasserqualität, sowohl unmittelbar für das aquatische Leben in diesen Gewässern wie auch für unsere öffentliche Trinkwasserversorgung. (…) Die Wasserwirtschaft steht hier vor enormen Herausforderungen. Rasche wie auch langfristige Anpassungs- und Wasserausgleichsmaßnahmen sind dringend erforderlich, um die Resilienz zu erhöhen und auch für zukünftige Generationen eine nachhaltige Bewirtschaftung zu gewährleisten. (S. 277)
Bekenntnisse zur Verantwortung für die Umwelt " erschienen im Lau-Verlag
Unser Vorsitzender Markus Ferber hat diesen Band zusammen mit Henning Kaul herausgegeben.
Sie sind neugierig auf mehr Impulse?
All diese Auszüge stammen aus dem Buch "Bekenntnisse zur Verantwortung für die Umwelt", erschienen im Lau-Verlag.
Hier können Sie die Publikation bestellen.
Silke Franke
Leiterin