Starke Frauen im Handwerk
Backen als Berufung
Die Konditormeisterin Lea Zapf hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Sie führt die Lea Zapf Marktpatisserie am Münchner Viktualienmarkt.
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Frau Zapf, Sie haben den Meisterbrief als Konditorin. Das ist eine Auszeichnung, die noch immer eher die Ausnahme bei Frauen ist. Wie kamen Sie dazu?
Nun ja, man könnte sagen, dass ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe, und möglichst viel darüber wissen wollte. Für viele gilt das ja als Traum und es ist auch schön. Aber vielleicht am Rande: Früher habe ich gebacken, wenn ich mich entspannen wollte. Das mache ich heute nicht mehr. . .
Auf jeden Fall stelle ich gerne Sachen her mit meinen Händen. Man sieht sofort das Ergebnis. Der Meistertitel ist die nächste Stufe nach der Gesellin. Man hat andere Verhandlungspositionen als Meisterin, natürlich auch beim Gehalt.
Ich konnte dadurch noch viel mehr Wissen aneignen. Theorie ist wichtig: Zu sehen, wie die Materialien miteinander agieren, was man zusammen mischen kann, die Zusammensetzung der Zutaten. Das ist eine Wissenschaft für sich. Das lernt man in der Meisterschule. Und man bekommt ein wenig Rüstzeug, was man tun muss, wenn man sich selbstständig machen will. In dem Fall ist es ohnehin so, dass man – Stichwort Meisterpflicht im Handwerk – einen Meister bzw. eine Meisterin einstellen muss, wenn man den Titel nicht selbst trägt.
Frau Zapf, Sie sind sozusagen „all-in“ gegangen. Haben nach dem Meistertitel den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Jetzt sitzen wir in diesem Café – in Ihrem Café. Wie ist das?
Es war schon sehr früh mein Plan, mich selbstständig zu machen. Die Freiheit, selbst bestimmen zu können, was ich meinen Kunden anbiete, wieviel Butter ich in das Brioche einarbeite, welche Qualität die Zutaten haben sollen, mit wem ich zusammenarbeite, all das entscheide ich selbst. Mir ist diese Unabhängigkeit wichtig. Die hat natürlich ihren Preis: Es gibt ständig das Risiko, dass das Vorhaben scheitern kann. Weil die Kunden die Produkte nicht annehmen, weil plötzlich eine Pandemie kommt. Es ist sicher nicht immer einfach, vor allem, wenn ich im unternehmerischen Bereich Entscheidungen treffen muss, deren Ausgang ungewiss ist. Und natürlich muss ich schauen, dass ich die Verantwortung für meine Arbeit, aber auch die für meine Familie unter einen Hut bekomme. Man muss da sicher Abstriche machen. Aber wissen Sie, ich verbringe viele Stunden meiner Arbeit mit sehr schönen Dingen. Und solange das so ist, ist es gut für mich.
"Es war schon sehr früh mein Plan, mich selbstständig zu machen. Die Freiheit, selbst bestimmen zu können, was ich meinen Kunden anbiete, wieviel Butter ich in das Brioche einarbeite, welche Qualität die Zutaten haben sollen, mit wem ich zusammenarbeite, all das entscheide ich selbst. Mir ist diese Unabhängigkeit wichtig", sagt Lea Zapf über ihre Selbstständigkeit.
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Braucht man als Frau diese Risikobereitschaft und diesen Willen nach Unabhängigkeit, um sich selbstständig zu machen?
Ich denke, es ist das Gesamtsetting. Sicher hilft es, dass Frauen heute selbstbewusster sind und sich unabhängig machen wollen. Trotzdem braucht man ein Netz, das einen zur Not auffängt. Es hat sehr viel mit einer realistischen Selbsteinschätzung zu tun: Bin ich jemand, der Sicherheit sucht, dann ist die Selbstständigkeit eher nicht zu empfehlen. Ein wenig Risikobereitschaft sollte man mitbringen. Mir war immer wichtig, dass ich mein eigenes Ding machen kann. Eigene Rezepte zu generieren, mit meinem Wissen als Meisterin, das macht großen Spaß.
Ein grundlegendes Thema für Frauen in die Selbstständigkeit zu gehen ist, ob sie eine Familie gründen wollen. Das ist für selbstständige Männer vielleicht anders als für Frauen, aber insgesamt schwierig.
Für Selbstständige gibt es keinerlei Unterstützung während der Schwangerschaft und auch nicht danach. Auch wenn sich die Partner die Pflegearbeit nach der Geburt aufteilen, so wie das bei mir der Fall war, bleibt doch der körperliche Aspekt. So eine Schwangerschaft kann schwierig verlaufen, es kann zu Komplikationen kommen. Gerade wenn man körperlich arbeitet, ist das ein Problem. Aber so oder so muss man jemand einstellen in der Zeit vor und nach der Geburt, der die Arbeit übernimmt, bzw. einen selbst ersetzt. Das kostet. Die Betreuung hinterher ist ein Thema. Die Schwangerschaft hat mein Unternehmen sehr viel Geld gekostet. Hier wäre eine Hilfestellung Seitens des Staates wünschenswert.
Andererseits kann ich heute sagen: Ich habe das alles überstanden, meine Familie ist intakt, meiner Tochter geht es gut und dem Geschäft auch. Jetzt bin ich wirklich stressresistent, flexibel, was soll jetzt noch kommen?
Die Konditormeisterin Lea Zapf betreibt ihr eigenes Café am Münchner Viktualienmarkt.
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Was würden Sie jungen Frauen, die vor der Wahl stehen, einen Handwerksberuf zu erlernen, mitgeben wollen?
Wenn man etwas gerne tut, einfach machen, sich qualifizieren und sich dann trauen, die nächsten Schritte zu gehen! Es ist ein Risiko, es war nicht immer einfach, es wird auch immer wieder Herausforderungen geben. In meinem Fall ist es so, dass ich orts- und zeitgebunden arbeite, nicht so flexibel bin wie andere, die auch mal ins Home-Office gehen. Aber ich habe hier nach meinen Überzeugzungen einen schönen Ort geschaffen. Für meine Kunden und für meine Mitarbeiter. Ich gebe meine Kuchen aus und sehe, wenn es den Menschen schmeckt. Das freut mich, es ist für mich Wertschätzung und die Kunden haben Freude. Das ist schön, das tut gut. Man bewirkt etwas, auch wenn es eher im Kleinen passiert. Man kann jeden Tag Neues denken, oder alles neu denken.
Und das sagen Sie so, während Sie ganz entspannt ihren geeisten Cappuccino trinken, sich die Zeit für das Interview nehmen – in Ihrem Café am Viktualienmarkt. Hut ab! Danke für das Gespräch.
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