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Starke Frauen im Handwerk
Mit Nagellack am Hochvoltkabel

Autorin/Autor: Dr. Claudia Schlembach

Als einzige Frau zwischen 42 Männern zeigt Magdalena Wagener, dass Handwerk und Hightech keine Männerdomäne bleiben müssen. Selbstbewusst, leidenschaftlich und mit einem Sinn fürs Anpacken beweist sie: Berufliche Ausbildung eröffnet Chancen weit über die Werkstatt hinaus.

Magdalena Wagener steht vor einem Auto in einer Werkstatt.

Magdalena Wagener absolviert als eine von wenigen Frauen eine Ausbildung zur Mechatronikerin für System- und Hochvolttechnik - der Bereich gilt noch immer als Männerdomäne.

Copyright: HSS

Das Handwerk wird weiblicher, auch in den Bereichen, die gerne als „Männerdomäne“ durchgehen. Ein spannender Trend, der über die reine Genderdebatte hinausgeht. Die Attraktivität des Handwerks gewinnt an Boden, die Frauen erkennen die Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten in dieser Branche. Sie sehen Sinn in ihrer Tätigkeit und wagen den Schritt in die Selbstständigkeit. Für unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft ist das eine absolute Bereicherung, die wir gerne unterstützen. Wir sprechen mit guten Vorbildern, mit Role-Models, die die Freude und Chancen an ihrer Arbeit zeigen und auf Verbesserungsmöglichkeiten aufmerksam machen. In einzelnen Interviews lassen wir Auszubildende, Gesellinnen, Meisterinnen und Unternehmerinnen zu Wort kommen. 
Wir haben mit Magdalena Wagener gesprochen, die gerade eine Ausbildung zur Mechatronikerin für System- und Hochvolttechnik bei VW macht.

Frau Wagener, Sie stehen kurz vor dem Eintritt in das dritte Ausbildungsjahr – als Mechatronikerin für System- und Hochvolttechnik. Das gilt noch immer als „Männerdomäne“. Tatsächlich sieht man hier in der Werkstatt nur Männer.

Ja, das stimmt wohl. Wir sind 27 Fachmänner, 15 männliche Azubis und ich. In der Berufsschule gibt es außer mir noch eine Frau in der Klasse. Aber es funktioniert wirklich gut. Ich werde von allen akzeptiert, viele Kunden zeigen sich positiv überrascht, dass eine Frau auf sie zukommt. Fairerweise möchte ich dazu sagen, dass ich mit drei Brüdern aufgewachsen bin und auch bei der Bundeswehr war. Da baut man schon Selbstbewusstsein auf und das schadet in der Werkstatt nicht. Manche Kollegen meinen auch manchmal so halb im Spaß, dass ich „die Jungs gut im Griff“ habe. (lacht) 

Magdalena Wagener arbeitet an einem Auto in einer Autowerkstatt.

Handwerkliches Geschick gefragt: Die HSS-Stipendiatin Magdalena Wagener will praktisch anpacken. Sie weiß, dass sie nach ihrer Berufsausbildung gut aufgestellt ist für die Zukunft.

Copyright: HSS

Sie haben Ihr Abitur mit einem Schnitt von 1,9 gemacht. Da stehen einem viele Studiengänge offen. Warum haben Sie sich dann für eine handwerkliche Ausbildung entschieden?

Zunächst habe ich die Bundeswehr angesteuert und danach mal in das Studium der Philosophie reingeschnuppert. Mein Vater wollte, dass ich Betriebswirtschaft studiere. Aber mir ist das alles zu theoretisch. Ich will anpacken und ich weiß, dass ich mit einem Berufsabschluss immer gut aufgestellt bin für die Zukunft. Das gibt mir Sicherheit. Außerdem kann ich mit dieser Ausbildung international überall arbeiten, das ist eine tolle Option. Was mir auffällt ist, dass ich das Wissen auch in vielen anderen Bereichen anwenden kann. Gestern ließ mich mein Chef, den Defekt an der elektronisch betriebenen Tür reparieren. Das verschafft einem ein Gefühl von Unabhängigkeit, von Autonomie. Und meine Familie ist mittlerweile sehr froh, dass ich dieses Wissen habe! 

Sie sitzen hier, dezent geschminkt, mit Nagellack, Piercings, Halsketten und sehr guter Laune. Kann man sagen, dass das Klischee vom Männerberuf wirklich aufgebrochen ist? Vielleicht durch neue Formen der Arbeit?

Ja und nein würde ich sagen. Mein Ausbilder hat mir schon im Bewerbungsgespräch gesagt: „Man macht sich hier die Hände schmutzig“ und das stimmt natürlich. Da darf man nicht allzu empfindlich sein. Kraft spielt auch eine Rolle, einige Arbeiten strengen an und gehen hauptsächlich auf den Rücken. Das ist bei meinen Kollegen aber teilweise auch so. Letztlich ist es aber nur ein kleiner Teil – und ich wollte ja anpacken. 

Was würden Sie jungen Frauen mitgeben, die vor der Berufswahl stehen?

Bewerbt Euch um Praktika in ungewöhnlichen Berufen, schnuppert rein und ihr werdet sehen, ob das was für Euch ist. Bitte habt keine Scheu, die meisten Männer haben sie auch nicht. Es gibt viele weibliche Vorbilder auf Instagram, die zeigen, wieviel Spaß eine solche Ausbildung machen kann. Je mehr Frauen insgesamt mitmachen, um so einfacher wird es für alle. 

 

Sie sind Stipendiatin bei der Hanns-Seidel-Stiftung im Programm „Berufliche Ausbildung“. Diese Form der Förderung ist neu und zielt u.a. darauf, den Stellenwert der beruflichen Bildung der akademischen gleichzustellen.

Ja, das ist eine sehr wertvolle Sache, die mich natürlich persönlich freut, die dem Handwerk zu neuem Ansehen in der Gesellschaft verhelfen wird. Es wäre auch wichtig, dass die Hinführung bereits in der Schule beginnt. Auch und gerade um Frauen zu begeistern. Die Girls Days sind gut dafür und es gibt auch Ausbildungsmessen. Die sollten besser begleitet werden von den Schulen, da steht man sonst etwas verloren rum. 

Vielen Dank für das Gespräch, das wir freundlicherweise bei VW führen durften. Danke auch an den Werkstattleiter für die Erlaubnis, Fotos zu machen.

Frauen im Handwerk

Das Handwerk leidet unter Fachkräftemangel – und Frauen können ein entscheidender Teil der Lösung sein. Derzeit sind nur rund 24 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen im Handwerk tätig. Wie lassen sich diese Potenziale besser ausschöpfen? Kann man im Jahr 2025 überhaupt noch sagen, Handwerk sei „Männersache“? Darüber möchten wir diskutieren – und dabei auch den Blick darauf richten, wie Frauen das Handwerk verändern und neue Möglichkeiten für kreative, sinnstiftende Arbeit schaffen können.

Die Diskussionsrunde findet am 4. September, um 16.30 Uhr im Konferenzzentrum der Hanns-Seidel-Stiftung statt.

Kontakt

Leiterin: Dr. Claudia Schlembach
Wirtschaft und Finanzen
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