Bärbel Bas, Bundesministerin für Arbeit und Soziales:
„Wer in Not gerät, muss sich auf den Sozialstaat verlassen können, ohne Wenn und Aber."
Bärbel Bas, Bundesministerin für Arbeit und Soziales:
„Wer in Not gerät, muss sich auf den Sozialstaat verlassen können, ohne Wenn und Aber."
Job Center in Berlin - Agentur für Arbeit.
nmann77/AdobeStock
Hat Bärbel Bas nach der „Bullshit“– Debatte bei Ludwig Erhard nachgelesen? Man könnte es meinen, zumindest ist diese Aussage das einigende Band, das alle Parteien mittragen und das in der Gesellschaft unumstritten ist. Menschen in Not wird geholfen. Punkt. Allerdings ist das für die einen die Minimalkonfiguration staatlicher Unterstützung, andere sehen darin die Essenz des Sozialstaates. Die Soziale Marktwirtschaft ist aber ein Konzept, das darauf abzielt, die Vorteile einer freien Marktwirtschaft mit sozialer Gerechtigkeit zu kombinieren.
Die politischen und gesellschaftlichen Diskussionen über den Sozialstaat laufen zwischen diesen Polen ab. Bei der Analyse fokussiert die eine Seite eine (systembedingte) Ungerechtigkeit in der Verteilung von Einkommen und (vererbtem) Vermögen, der andere Pol argumentiert, dass die Ansprüche an den Staat zu hoch und vor allem im dritten Rezessionsjahr nicht finanzierbar sind. „Das ist Bullshit“, sagt Bärbel Bas zu Letzterem.
Populäre Parteien fokussieren die Mitte. Sie sprechen über das, was dort ankommt: Von einem Euro am Ende des Tages 47 Cent. 32 Cent sind Sozialabgaben, 20,9 Cent Steuern. Das ist Platz zwei nach Belgien bei der Abgabenlast in den 38 OECD-Mitgliedsländern. Wären Autobahnbrücken, Breitband, die Deutsche Bahn, die Schulen vorbildlich und über den Kernhaushalt finanziert, hätte man Erklärungsansätze für diese Staatsquote. Tatsächlich werden diese Positionen nun weitgehend über Sondervermögen – vulgo: Schulden - finanziert.
Bleiben wir beim Sozialstaat, beim Bürger- bzw. Arbeitslosengeld und den damit verbundenen Kosten. Hätte Bärbel Bas Ludwig Erhard gelesen, wüsste sie, dass die soziale Kraft des Landes aus ihrer wirtschaftlichen Kraft kommt. Und sie wüsste, dass die krampfhafte Suche nach neuen Einnahmequellen für den Sozialstaat wie Steuererhöhungen und die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze nicht in Erhards „Wohlstand für alle“ zu finden ist. Bas erklärt weiter: „Dafür müssen wir kreativ sein, Neues denken …“ man wartet gespannt, es geht weiter mit „… zum Beispiel in der Frage, welche Berufsgruppen man an den Kosten beteiligen könnte“ Geübte Routine ist, nach neuen Finanziers zu suchen, statt zu sparen.
Dabei gibt es jenseits dieses Dauer-Reflexes, neue Geldquellen ausfindig zu machen, zahlreiche kostenintensive Missstände, die kreativ angegangen werden können und die zeigen: Es ist nicht immer Not, die finanziert wird und die zu massiven Belastungen führt. Die Hausaufgaben im Schnelldurchlauf:
Nun ist der soziale Wohnungsbau das Ressort von Verena Hubertz, aber in der Not sollte eine Zusammenarbeit möglich sein. Denn Fakt ist, dass der moralische Anspruch, Menschen in Not zu unterstützen durch unmoralische Handlungen und unprofessionelle Investitions-Entscheidungen bzw. Fehlallokationen ausgehöhlt wird.
Wenn man Not laut Duden versteht als: „schwierige Situation, die Hilfe erfordert“, möchte man Bärbel Bas fragen, ob sich der Sozialstaat auf sich selbst verlassen kann angesichts seiner offensichtlichen Not. Ohne Wenn und Aber und ohne Bullshit. Einfach mal die Effizienz der Prozesse und die wirklich Bedürftigen, die Menschen in Not, in den Blick zu nehmen.
Ein aktuelles Zitat aus prominentem Mund genau betrachten und auf seinen ökonomischen Gehalt prüfen: Das wollen wir mit unserer Reihe „Zu Ende gedacht?“ Wir analysieren regelmäßig, welche Botschaften Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft senden – und welche Schlussfolgerungen sich daraus ziehen lassen.
Zum Beitrag: „Eigentum unter Druck: Was bleibt von Erhards Versprechen?”
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