Münchner Sicherheitskonferenz 2025
Die Rolle Afrikas in der Welt
Im Jahr 2050 wird jeder vierte Mensch auf dem afrikanischen Kontinent leben, insgesamt rund 2,5 Milliarden. Trotz des wirtschaftlichen Wachstums in vielen Regionen fehlt es in vielen der 54 afrikanischen Länder an Arbeitsplätzen. Die Einkommensschere zwischen dem Kontinent und dem Rest der Welt klafft immer weiter auseinander – was auch als Risiko für globale Stabilität gesehen werden muss. Eine Langzeitprognose des Institute for Security Studies (ISS), Afrikas führender interdisziplinärer „Think-and-Do-Tank“ für menschliche Sicherheit mit Sitz in Pretoria, der von der HSS unterstützt wurde, zeigt, dass Afrika in 25 Jahren nur 5 % zur globalen Wirtschaft beitragen würde, wenn sich der aktuelle Entwicklungspfad fortsetzt.
Afrikanische Szenarien im Zusammenhang mit vier globalen Szenarien: Geteilte Welt, Welt im Krieg, Wachstumswelt, Nachhaltige Welt
Jakkie Cilliers (2025), Africa in the World, publiziert auf futures.issafrica.org
Konventionelle Konzepte von Sicherheit und Entwicklung in Frage stellen
Es sei besonders wichtig, Afrikas Entwicklung schneller voranzutreiben. Das könne erreicht werden, wenn sich afrikanische Führungskräfte und internationale Partner darauf konzentrierten, Sicherheit, Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze zu schaffen, sagen die ISS-Wissenschaftler. Gleichzeitig fordern sie, angesichts der langsamen Entwicklung des Kontinents, konventionelle Konzepte von Sicherheit und Entwicklung zu überdenken.
Durch das schnelle Bevölkerungswachstum und die gleichzeitige Energieknappheit (2023 hatten nur 58 % der Menschen in Afrika Zugang zu Elektrizität) wird Afrika den größten Anstieg des Energiebedarfs weltweit erleben. Dieser Anstieg wird umso größer sein, je schneller sich Afrika entwickelt. Es gibt zwar bereits eine Bewegung hin zu erneuerbaren Energien, die dringend notwendig ist, aber dieser Wandel wird nur langsam erfolgen. Um den Energiebedarf zu decken und gleichzeitig die Ölproduktion zu verringern, werden in Zukunft auch Nuklearenergie und Gas stärker genutzt werden müssen, so die Ergebnisse der ISS-Studie.
Eine engere Zusammenarbeit der 54 afrikanischen Länder könnte Afrikas Entwicklung stark verbessern. Eine Umsetzung der afrikanischen Freihandelszone (African Continental Free Trade Area) würde nach Berechnungen der ISS-Wissenschaftler bis 2043 das BIP um etwa 10 % steigern und 32 Millionen Menschen aus der extremen Armut befreien.
Das schnelle Bevölkerungswachstum und die Knappheit von Energieressourcen stellt Afrika vor Herausforderungen.
Viktor; Adobe Stock
Politik-Empfehlungen im African Futures - Bericht „Africa in the World“
Jakkie Cilliers (2025), Africa in the World, publiziert auf futures.issafrica.org
Systemwettbewerb als Chance und Risiko
Afrika wurde historisch lange als globaler Akteur wenig beachtet. Während des Kalten Krieges wurde dem Kontinent zwar strategische Bedeutung zuerkannt und auch bei den Nachhaltigkeitszielen fand Afrika Beachtung. Doch mit einem Anteil von nur 3 % an der Weltwirtschaft hat Afrika international nur begrenzten Einfluss.
In jüngster Zeit konkurrieren die westliche Welt, China und Russland verstärkt in Afrika – nirgendwo anders wird der Systemwettbewerb so vehement ausgetragen. Die Bedeutung des Kontinents wird angesichts der großen Zahl afrikanischer Staaten, die UN-Abstimmungen entscheiden können, aufgrund seiner Rohstoffvorkommen und der Migrationsherausforderungen weiter zunehmen. Für Europa wird bei einer Reduzierung der Abhängigkeiten von China an Afrika kein Weg vorbeiführen. Gleichzeitig wird der Kontinent bei der Ausgestaltung der globalen Ordnung eine wichtige Rolle spielen.
Da die afrikanischen regionalen Organisationen und die Afrikanische Union keine supranationalen Befugnisse haben, spricht Afrika in internationalen Fragen nur selten mit einer Stimme. ISS-Experten raten afrikanischen Entscheidungsträgern daher, sich in ihrem Bemühen um gemeinsame Positionen auf Fragen zu konzentrieren, die für die Entwicklung und Stabilität auf dem Kontinent direkt relevant sind – nur so könne man auch den eigenen Einfluss global erhöhen und das Risiko, im Systemwettbewerb instrumentalisiert zu werden, reduzieren. Denn in den Langzeitvorhersagen des ISS zu „Africa in the World“ wird auch deutlich: Es sind vor allem die Entwicklungs- und Schwellenländer, die unter den wirtschaftlichen Auswirkungen der geopolitischen Spannungen leiden.
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