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Münchner Sicherheitskonferenz 2025
Die Rolle Afrikas in der Welt

Autorin/Autor: Hanns Bühler

Der afrikanische Kontinent wird im Jahr 2050 rund 2,5 Milliarden Menschen beheimaten. Um die daraus entstehenden Herausforderungen zu meistern, müssen Sicherheit, Wirtschaftswachstum und regionale Integration stärker gefördert werden.

Im Jahr 2050 wird jeder vierte Mensch auf dem afrikanischen Kontinent leben, insgesamt rund 2,5 Milliarden. Trotz des wirtschaftlichen Wachstums in vielen Regionen fehlt es in vielen der 54 afrikanischen Länder an Arbeitsplätzen. Die Einkommensschere zwischen dem Kontinent und dem Rest der Welt klafft immer weiter auseinander – was auch als Risiko für globale Stabilität gesehen werden muss. Eine Langzeitprognose des Institute for Security Studies (ISS), Afrikas führender interdisziplinärer „Think-and-Do-Tank“ für menschliche Sicherheit mit Sitz in Pretoria, der von der HSS unterstützt wurde, zeigt, dass Afrika in 25 Jahren nur 5 % zur globalen Wirtschaft beitragen würde, wenn sich der aktuelle Entwicklungspfad fortsetzt.

Institute for Security Studies (ISS)

Das Institute for Security Studies (ISS) wurde von der Hanns-Seidel-Stiftung seit seiner Gründung 1991 unterstützt. Das ISS ist Afrikas führender interdisziplinärer „Think-and-Do-Tank“ für menschliche Sicherheit, der Forschung, Politikanalyse und technische Unterstützung kombiniert. Die Organisation hat ihren Hauptsitz in Pretoria in Südafrika, und unterhält Regionalbüros in Addis Abeba, Dakar, und Nairobi.

Afrikanische Szenarien im Zusammenhang mit vier globalen Szenarien: Geteilte Welt, Welt im Krieg, Wachstumswelt, Nachhaltige Welt

Jakkie Cilliers (2025), Africa in the World, publiziert auf futures.issafrica.org

Konventionelle Konzepte von Sicherheit und Entwicklung in Frage stellen

Es sei besonders wichtig, Afrikas Entwicklung schneller voranzutreiben. Das könne erreicht werden, wenn sich afrikanische Führungskräfte und internationale Partner darauf konzentrierten, Sicherheit, Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze zu schaffen, sagen die ISS-Wissenschaftler. Gleichzeitig fordern sie, angesichts der langsamen Entwicklung des Kontinents, konventionelle Konzepte von Sicherheit und Entwicklung zu überdenken.

Durch das schnelle Bevölkerungswachstum und die gleichzeitige Energieknappheit (2023 hatten nur 58 % der Menschen in Afrika Zugang zu Elektrizität) wird Afrika den größten Anstieg des Energiebedarfs weltweit erleben. Dieser Anstieg wird umso größer sein, je schneller sich Afrika entwickelt. Es gibt zwar bereits eine Bewegung hin zu erneuerbaren Energien, die dringend notwendig ist, aber dieser Wandel wird nur langsam erfolgen. Um den Energiebedarf zu decken und gleichzeitig die Ölproduktion zu verringern, werden in Zukunft auch Nuklearenergie und Gas stärker genutzt werden müssen, so die Ergebnisse der ISS-Studie.

Eine engere Zusammenarbeit der 54 afrikanischen Länder könnte Afrikas Entwicklung stark verbessern. Eine Umsetzung der afrikanischen Freihandelszone (African Continental Free Trade Area) würde nach Berechnungen der ISS-Wissenschaftler bis 2043 das BIP um etwa 10 % steigern und 32 Millionen Menschen aus der extremen Armut befreien. 

Das schnelle Bevölkerungswachstum und die Knappheit von Energieressourcen stellt Afrika vor Herausforderungen.

Das schnelle Bevölkerungswachstum und die Knappheit von Energieressourcen stellt Afrika vor Herausforderungen.

Viktor; Adobe Stock

Politik-Empfehlungen im African Futures - Bericht „Africa in the World“

Jakkie Cilliers (2025), Africa in the World, publiziert auf futures.issafrica.org

Systemwettbewerb als Chance und Risiko

Afrika wurde historisch lange als globaler Akteur wenig beachtet. Während des Kalten Krieges wurde dem Kontinent zwar strategische Bedeutung zuerkannt und auch bei den Nachhaltigkeitszielen fand Afrika Beachtung. Doch mit einem Anteil von nur 3 % an der Weltwirtschaft hat Afrika international nur begrenzten Einfluss.

In jüngster Zeit konkurrieren die westliche Welt, China und Russland verstärkt in Afrika – nirgendwo anders wird der Systemwettbewerb so vehement ausgetragen. Die Bedeutung des Kontinents wird angesichts der großen Zahl afrikanischer Staaten, die UN-Abstimmungen entscheiden können, aufgrund seiner Rohstoffvorkommen und der Migrationsherausforderungen weiter zunehmen. Für Europa wird bei einer Reduzierung der Abhängigkeiten von China an Afrika kein Weg vorbeiführen. Gleichzeitig wird der Kontinent bei der Ausgestaltung der globalen Ordnung eine wichtige Rolle spielen. 

Da die afrikanischen regionalen Organisationen und die Afrikanische Union keine supranationalen Befugnisse haben, spricht Afrika in internationalen Fragen nur selten mit einer Stimme. ISS-Experten raten afrikanischen Entscheidungsträgern daher, sich in ihrem Bemühen um gemeinsame Positionen auf Fragen zu konzentrieren, die für die Entwicklung und Stabilität auf dem Kontinent direkt relevant sind – nur so könne man auch den eigenen Einfluss global erhöhen und das Risiko, im Systemwettbewerb instrumentalisiert zu werden, reduzieren. Denn in den Langzeitvorhersagen des ISS zu „Africa in the World“ wird auch deutlich: Es sind vor allem die Entwicklungs- und Schwellenländer, die unter den wirtschaftlichen Auswirkungen der geopolitischen Spannungen leiden.

African Futures

African Futures“ ist eine Informationsplattform, die wichtige Daten und Einblicke zu Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in Afrika bietet. Sie wurde vom African Futures and Innovation Programm des Institute for Security Studies (ISS) entwickelt und wird von der HSS unterstützt. Die Plattform liefert detaillierte Analysen zu den Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten der 54 afrikanischen Länder sowie der regionalen Gemeinschaften. Mit über 4500 interaktiven Diagrammen und Analysen zu Themen wie Energie, Klima, Demografie, Bildung und Infrastruktur werden verschiedene Zukunftsszenarien für Afrika modelliert. Das Team verwendet dafür das Software-Modellierungssystem „International Futures“, das historische und aktuelle Daten zu 186 Ländern umfasst. Die Studien bieten konkrete Empfehlungen für politische Maßnahmen, die das Entwicklungspotenzial der afrikanischen Länder stärken können und finden international Beachtung, wie kürzlich im Economist-Sonderbericht zu Afrika.

Die MSC-Veranstaltung “Actor or Bystander? Rethinking Africa's Agency in a Globalized World”

Afrika liegt in vielen Entwicklungsindikatoren hinter anderen Schwellenregionen zurück, wird aber die Welt stärker prägen, als oft angenommen. Der Kontinent verzeichnet den größten Anstieg an Energienachfrage und könnte durch Energiearmut, fossile Abhängigkeit und Bevölkerungswachstum ein bedeutender Kohlenstoffemittent werden.

In 30 Jahren wird jeder vierte Mensch Afrikaner sein, mit der größten Erwerbsbevölkerung weltweit, aber mit nur einem Anteil von 5 % an der globalen Wirtschaft. Diese Dynamik erfordert ein Umdenken in Sicherheits- und Entwicklungsansätzen.

Die Diskussion war von folgenden Fragen geleitet:

  • Warum bringt die Demokratie in Regionen wie Afrika keine Entwicklungsfortschritte?
  • Da das UN-System zunehmend an den Rand gedrängt wird – wer oder was wird für Stabilität in Afrika sorgen?
  • Ist es realistisch zu glauben, dass Handel und privates Engagement Afrika entwickeln werden? Wie können wir Investitionen absichern?
  • Wie können wir die Regierungsführung in Afrika verbessern?

 

Die Gedanken der Teilnehmer:

 

“Die laufende Umstrukturierung der USAID und die rückläufigen Haushaltsmittel für die Entwicklungs- und Wirtschaftszusammenarbeit in vielen Ländern der Welt erfordern einen strategischeren Ansatz bei unseren Maßnahmen und, wie ich glaube, bei unserer Partnerschaft im Allgemeinen.”

Markus Ferber, HSS-Vorsitzender, MdEP
 


“Wir müssen die konventionellen Ansätze für Sicherheit und Entwicklung neu überdenken. Wie wir die Partnerschaften zwischen Afrika und den Ländern des globalen Nordens gemeinsam gestalten, wird über unseren Wohlstand und unsere Sicherheit entscheiden. Und es wird bestimmen, wie die künftige globale Ordnung gestaltet wird”.

Dr. Jakkie Cilliers, Vorsitzender des Institute for Security Studies
 

“Ich habe das Argument gehört, dass entwicklungsorientierte autokratische Führer besser für Stabilität und Wachstum sind. Das Problem mit diesem Argument ist, dass die meisten autokratischen Führer nicht entwicklungsorientiert sind - und selbst Stabilität scheint dann nur vorübergehend zu sein”.

Hanns Bühler, Leiter des HSS-Büros Südafrika

 

“Wir sehen mehrere ernsthafte Konflikte auf dem Kontinent - Sudan, DRC, von der Sahelzone bis zum Horn von Afrika. Alle diese Konflikte haben eine regionale Dimension. Die junge Bevölkerung birgt ein Risiko, aber auch ein riesiges Potenzial für den Aufbau einer entwicklungsorientierten Gesellschaft.”

Gilles Yabi, West Africa Citizen Think Tank

Kontakt

Projektleiter: Hanns Bühler
Südafrika
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