Münchner Sicherheitskonferenz 2026
Afrika zwischen Boom und Brandherd
Im Rahmen des MSC-Side-Events "Afrikas Sicherheit" diskutieren wir mit internationalen Experten, wie Konflikte, geopolitischer Wettbewerb und neue Sicherheitskooperationen die Zukunft des Kontinents prägen. Die Debatte zeigt, warum Afrikas Stabilität auch für Europa von zentraler Bedeutung ist.
© Marin Studio/AdobeStock
Heute ist Afrika mit seinen 54 Ländern weltweit der Kontinent mit der größten Zahl an Konflikten, geschürt durch schwache Staatlichkeit, ethnische Spannungen, islamistischen Terrorismus und lokale Konflikte um Ressourcen. Rund 2,5 Milliarden Menschen werden bis 2050 in Afrika leben, das ist jeder vierte Mensch. Bei einem Side-Event auf der Münchner Sicherheitskonferenz diskutieren wir in Kooperation mit dem Institute for Security Studies (ISS) aus Pretoria/Südafrika Fragen rund um die Zukunft der Sicherheit in Afrika.
Die Bedeutung des Themas für Bayern, Deutschland und Europa verdeutlicht Markus Ferber, MdEP, Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung: „Während der Kontinent einerseits in einigen Regionen von Instabilität und Krieg geprägt ist, finden sich auf der anderen Seite dynamische Wachstumsregionen, in denen wir unsere Lieferketten diversifizieren, unsere Rohstoffversorgung absichern und neue Märkte erschließen können. Für Europa und Deutschland wird Afrika immer wichtiger, um Abhängigkeiten von China und den USA zu verringern. Europa hat ein eigenes wirtschaftliches und sicherheitspolitisches Interesse daran, Sicherheitskooperationen und die Förderung des Rechtsstaats in Afrika neu zu denken.“
Das Friedensforschungsinstitut Oslo stellt fest, dass sich die Zahl der Konflikte weltweit im vergangenen Jahrzehnt fast verdoppelt hat, auch wenn sie nur wenige Länder betreffen. Selbst in Ländern, in denen keine militärische Konflikte stattfinden, tragen Kriminalität, Korruption und schwache Strafverfolgungsbehörden häufig zur Erosion der Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit bei. Diese Instabilität beeinflusst das Vertrauen der Investoren, untergräbt die Regierungsführung und verlangsamt die Entwicklung ganzer Regionen.
Wer schützt Afrika?
Dr. Jakkie Cilliers, Vorsitzender des Institute for Security Studies, weist auf eine Herausforderung hin, mit der sich afrikanische Staaten zunehmend konfrontiert sehen: „Seit vielen Jahren folgt die Reaktion der Weltöffentlichkeit auf Konflikte in Afrika einem vertrauten Muster: UN- oder afrikanisch geführte Friedensmissionen, politisch und finanziell unterstützt von den Vereinigten Staaten und Europa, mit Truppenbeiträgen aus afrikanischen und asiatischen Ländern, versuchen nationale Armeen zu unterstützen, um den Zusammenbruch der Staatlichkeit in den Konfliktländern zu vermeiden. Dieses Modell zeigt Risse. Die Bereitschaft zur Friedenssicherung ist gering, die Budgets internationaler Partner umso knapper.”
Gleichzeitig treten immer mehr Akteure als Partner für Sicherheitskooperationen mit afrikanischen Staaten auf. Neben westlichen Ländern gewinnen auch neue Akteure aus dem Nahen Osten und Russland an Einfluss. Private und staatliche Söldnertruppen wie die russische Wagner-Gruppe – früher undenkbar – spielen in einigen afrikanischen Ländern eine problematische Rolle. Nirgendwo sonst zeigt sich der internationale Systemwettbewerb so deutlich. Über strategische Autonomie in einer Welt wachsender globaler Rivalitäten zu diskutieren, ist leichter, als sie umzusetzen. Was für Europa gilt, gilt in diesem Zusammenhang auch für Afrika. Sicherheitskooperationen sind oft mit unterschiedlichen Interessen und Werten verbunden. Umso wichtiger ist die Frage, welche Partner Afrikas Entwicklung unterstützen – und welche das Land zum Schauplatz geopolitischer Konflikte machen.
Die Diskussion über die afrikanische Sicherheit auf der MSC wird eine unbequeme Frage aufwerfen: Muss Afrika seine Sicherheit künftig weitgehend selbst gewährleisten, wenn die externe Unterstützung abnimmt? Wie investieren afrikanische Regierungen in das Militär und die professionelle Strafverfolgung, wenn die Bürger Schulen, Arbeitsplätze und Gesundheitsversorgung fordern? „Ein Umdenken im Bereich der Sicherheitskooperationen könnte helfen, die eigentlichen Ursachen von Unsicherheit anzugehen: schwache Regierungsführung, organisierte Kriminalität sowie politisierte Polizei- und Justizsysteme“, sagt der Sicherheitsexperte Dr. Jakkie Cilliers. Die Diskussion drehte sich nicht nur darum, Konflikte zu reduzieren, sondern dies auch auf eine Weise zu tun, die eine solide Regierungsführung stärkt, Demokratie schützt und Entwicklung entfaltet: ehrlich, pragmatisch und gemeinsam.
Side-Event der Hanns-Seidel-Stiftung und des Institute for Security Studies bei der MSC am 15. 02. 2026
O-Töne aus der Podiumsdiskussion
Videostatement des Vorsitzenden der Hanns-Seidel-Stiftung, Markus Ferber, MdEP
Fazit der Diskussion: Afrikanische Sicherheitsstrukturen stärken - Neue Partnerschaften und lokale Kapazitäten im Fokus
Die internationale Bereitschaft und Finanzierung für Friedensmissionen in Afrika nehmen ab, was ein erhebliches Risiko birgt. Keine andere Region ist stärker von Konflikten betroffen – mit Auswirkungen bis nach Europa. Daher müssen Sicherheitspartnerschaften mit afrikanischen Ländern neu gedacht werden.
Künftig sollte der Aufbau afrikanischer Kapazitäten zur Konfliktlösung im Mittelpunkt stehen. Dazu gehört insbesondere die Aus- und Fortbildung von Strafverfolgungsbehörden und Militärs. Nur mit professionellen Institutionen können organisierte Kriminalität wirksamer bekämpft, Grenzen gesichert und demokratische Entwicklungen geschützt werden. Auch in Ländern ohne offene Konflikte ist der Rechtsstaat oft gefährdet. Für die 54 afrikanischen Staaten gilt es, Sicherheitsstrukturen zu stärken, ohne die Demokratie zu schwächen.
Impressionen der Veranstaltung
Zum Beitrag Indiens Balanceakt im weltweiten Machtgefüge Zum Beitrag Von Kobalt bis Silizium: der Kampf um kritische RohstoffeZum Beitrag Weltordnung im Stresstest Zum Beitrag Zeitenwende unter DruckZum Themenportal Außen– und SicherheitspolitikUnsere Veranstaltungen zum Thema SicherheitspolitikUnser Engagement im internationalen Umfeld
Kontakt