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Altstipendiaten in Westafrika
Wie Bildungsförderung Wirkung entfaltet – eine Reise nach Togo

Autorin/Autor: Dr. Jutta Möhringer

Togo blickt auf eine lange Zusammenarbeit mit der Hanns-Seidel-Stiftung und eine erfolgreiche Tradition der Begabtenförderung zurück. Seit den frühen 1980er Jahren wurden zahlreiche Stipendiatinnen und Stipendiaten gefördert, viele von ihnen prägen heute das öffentliche Leben des Landes. Eine Reise nach Togo zeigt eindrucksvoll, wie nachhaltig diese Förderung wirkt.

 

Altstipendiaten der Hanns-Seidel-Stiftung im afrikanischen Togo.

Die Altstipendiaten der Stiftung (Bild) haben in Togo bemerkenswerte berufliche Laufbahnen eingeschlagen. Besonders stark vertreten ist der Bereich der Germanistik: Viele von ihnen sind als Deutschlehrkräfte tätig oder engagieren sich in Forschung und Lehre an Universitäten.

Copyright: HSS

Altstipendiaten in Togo: ein Netzwerk mit Wirkung

Die Altstipendiatinnen und Altstipendiaten der Stiftung haben in Togo vorbildliche Karrierewege eingeschlagen. Ein besonders starker Bereich ist die Germanistik: Viele arbeiten als Deutschlehrkräfte oder sind in Forschung und Lehre an Universitäten tätig. Andere wiederum haben politische oder mediale Laufbahnen verfolgt bis hin zu Ministerämtern oder diplomatischen Spitzenpositionen, etwa als Botschafter Togos in Deutschland. Diese Vielfalt des Alumni-Netzwerks zeigt: Bildungsförderung wirkt und sie wirkt langfristig.

Dr. Jutta Möhringer (Zweite von links) hält einen Vortrag an der Universität von Lomé.

Dr. Jutta Möhringer (Zweite von links) hält einen Vortrag an der Universität von Lomé.

Copyright: HSS

Germanistik im Wandel mit Künstlicher Intelligenz

Ein Höhepunkt der Reise war eine Tagung des Germanistenverbands „GAS“ (Germanisten Afrika Subsahara), unter dem Vorsitz von Professor Akila Ahouli, selbst Altstipendiat, ein wichtiges Forum für Germanistik in Togo und Germanistik in Afrika. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Ländern wie Südafrika, Benin, Kamerun, der Elfenbeinküste und Togo kamen zusammen, um über die Auswirkungen von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz auf die Sprach- und Literaturwissenschaften zu diskutieren. Die Unterstützung dieser Konferenz durch die Hanns-Seidel-Stiftung unterstreicht die strategische Bedeutung des Themas: Gerade in den Geisteswissenschaften verändert KI bereits heute die Methoden des Forschens, Lehrens und Lernens grundlegend. Abgerundet wurde der Kongress durch einen Empfang in der deutschen Botschaft in Lomé. Der deutsche Botschafter Dr. Claudius Fischbach würdigte dabei die Bedeutung der Germanistik und des kulturellen Austauschs für die deutsch-togolesischen Beziehungen.

Gesellschaftliches Engagement über das Studium hinaus

Bei der Versammlung der Altstipendiaten der Hanns-Seidel-Stiftung in Togo unter dem Vorsitz von Frau Masalo Bougo wurde deutlich, dass das Netzwerk weit über den akademischen Austausch hinausgeht und sich aktiv für das Gemeinwohl einsetzt. Neben regelmäßigen Treffen steht vor allem das soziale Engagement im Vordergrund: Gemeinsam werden Projekte entwickelt, die einen konkreten Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung Togos leisten sollen. Hier zeigt sich ein zentrales Prinzip der Begabtenförderung: Verantwortung endet nicht mit dem Stipendium, sie beginnt oft erst danach.

Dr. Jutta Möhriger, umringt von Frauen aus einem Projekt zur Frauenförderung in Togo.

Dr. Jutta Möhringer (Mitte) mit Frauen aus einem Projekt zur Frauenförderung.

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Politische Teilhabe von Frauen stärken

Neben akademischen Impulsen standen auch konkrete Entwicklungsprojekte zur Frauenförderung im Mittelpunkt. Das Auslandsbüro der Stiftung in Togo unter der Leitung von Götz Heinecke unterstützt gemeinsam mit der „Groupe de réflexion et d'action Femme, Démocratie et Développement Helpline“ (NGO GF2D) Frauen dabei, sich politisch zu engagieren. In Workshops und Trainings werden Frauen ermutigt, Führungsrollen zu übernehmen, ein wichtiger Schritt in einem politischen Umfeld, in dem sie bislang stark unterrepräsentiert sind. Das Engagement zeigt: Demokratieförderung und demokratische Teilhabe beginnen oft mit gezielter Förderung.

Dr. Jutta Möhringer, Leiterin des Instituts für Begabtenförderung (links), beim Kokosnusstrinken mit Altstipendiat Dr. Benjamin Afanvi.

Dr. Jutta Möhringer, Leiterin des Instituts für Begabtenförderung (links), nutzt die Mittagspause zum Kokosnusstrinken mit Altstipendiat Dr. Benjamin Afanvi.

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Deutsche Kolonialzeit in Togo: Ein Rundgang durch Lomé

Ein besonderer Moment der Reise war die Führung durch Lomé mit dem Altstipendiaten Dr. Benjamin Afanvi. Als Experte für deutsches Kolonialrecht eröffnete er einen differenzierten Blick auf die deutsche Kolonialzeit (1884–1914). Noch heute prägt diese Epoche das Stadtbild: Straßenzüge und zentrale Gebäude gehen auf diese Zeit zurück, darunter ein ehemaliger Gouverneurspalast, der heute als Museum genutzt wird – sorgfältig restauriert und ein Ort historischer Reflexion.

Togo: Ein Land der Gastfreundschaft und Zuversicht

Die Reise hinterließ vor allem einen bleibenden Eindruck von Offenheit und Herzlichkeit. Trotz politischer Herausforderungen begegnen einem die Menschen mit großer Gastfreundschaft und bemerkenswerter Zuversicht. Besonders auffällig ist das positive Deutschlandbild in Togo: Viele junge Menschen lernen Deutsch mit großem Engagement, verbunden mit dem Wunsch, eines Tages in Deutschland zu studieren oder zu arbeiten. Dieser Einsatz ist oft mit erheblichen persönlichen Anstrengungen verbunden.

 

Fazit: Die Reise nach Togo zeigt eindrucksvoll, wie nachhaltige Bildungsförderung, internationale Vernetzung und lokales Engagement ineinandergreifen. Die Altstipendiatinnen und Altstipendiaten der Hanns-Seidel-Stiftung sind dabei nicht nur ein Netzwerk, sie sind Multiplikatoren für gesellschaftlichen Fortschritt.

Kontakt

: Dr. Jutta Möhringer
Leiterin
Institut für Begabtenförderung