Münchner Sicherheitskonferenz 2026
Demokratie auf dem Prüfstand
Zum Women's Breakfast luden die HSS und die Bayerische Staatskanzlei hochkarätige Frauen aus der internationalen Politik in die Münchner Residenz.
© Thomas Plettenberg
Globale Herausforderungen
Demokratien stehen weltweit unter Druck. Der Konflikt zwischen demokratischen und autoritären Systemen prägt zunehmend die internationale Politik. Immer mehr Menschen beteiligen sich an Wahlen, doch die Qualität demokratischer Systeme sinkt vielerorts. Seit 2025 gibt es sogar mehr Autokratien als Demokratien weltweit – ein deutliches Signal, wie fragil demokratische Ordnung heute ist.
Der Wandel geschieht selten durch Militärputsche oder offene Gewalt. Stattdessen beobachten Experten das Phänomen des democratic backsliding: Autoritäre Akteure nutzen demokratische Institutionen gezielt für ihren Machterhalt, während Rechtsstaatlichkeit, unabhängige Medien und Gewaltenteilung systematisch geschwächt werden. Auf globaler Ebene intensivieren autokratische Staaten ihre Zusammenarbeit, nutzen Ressourcen, Technologie, wirtschaftlichen Druck und hybride Mittel wie Desinformation oder Cyberangriffe, um ihre Interessen durchzusetzen.
Wehrhafte Demokratie als Schutzmechanismus
Auch innenpolitisch untergräbt dieses schleichende Zurückdrängen demokratischer Strukturen die zentrale Fähigkeit der Bürger, politische Macht wirksam zu kontrollieren. Hier wird das Konzept der wehrhaften Demokratie besonders wichtig. Eine Demokratie muss sich aktiv gegen ihre inneren und äußeren Feinde verteidigen, ohne ihre eigenen Werte zu gefährden. Wehrhaftigkeit bedeutet Schutz von Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Medienfreiheit und politischer Teilhabe – und sie lebt von engagierten, verantwortungsbewussten Bürgern.
Das Women’s Breakfast der HSS
Beim Women’s Breakfast im Max-Joseph-Saal der Münchner Residenz sprachen Vivian Motzfeldt, Außen- und Wissenschaftsministerin Grönlands, und Livia Leu, die Schweizer Botschafterin für Deutschland, wie Demokratien resilient bleiben und wie gesellschaftlicher Zusammenhalt, ziviles Engagement und gewaltfreier Widerstand die Grundlage für Freiheit und Stabilität bilden. Diese Perspektiven machen deutlich: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sie muss aktiv verteidigt und gestärkt werden.
Mut, Standhaftigkeit und gesellschaftliche Resilienz
Der Einsatz für demokratische Freiheit zeigt sich besonders dort, wo Menschen unter autoritären Bedingungen für Rechtsstaatlichkeit, freie Wahlen und politische Teilhabe eintreten. Die grönländische Ministerin Motzfeldt steht exemplarisch für den Mut, die Standhaftigkeit und das Vertrauen, die nötig sind, damit demokratische Rechte Bestand haben.
Frauen spielen in diesem Kontext eine zentrale Rolle. Sie bringen neue Perspektiven in politische Prozesse, erkennen früh subtile gesellschaftliche Veränderungen und tragen entscheidend zur Resilienz demokratischer Systeme bei. Gerade in hybriden Konflikten, in denen Desinformation, Cyberangriffe und gezielte Destabilisierung sozialer Strukturen eine Rolle spielen, ist diese Vielfalt ein strategischer Vorteil.
In einer zunehmend komplexen geopolitischen Lage ist es daher entscheidend, solche Erfahrungen sichtbar zu machen und den internationalen Austausch über Strategien zur Stärkung demokratischer Resilienz zu fördern. Wehrhafte Demokratie ist nicht nur ein normatives Ideal – sie ist ein praktisches Instrument moderner Sicherheits- und Ordnungspolitik.
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