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Unsere starken Frauen im Ausland
Von Bayern nach Bangalore

Autorin/Autor: Judith Weinberger-Singh

Judith Weinberger-Singh ist als Projektleiterin Indien für ein neunköpfiges Team und zwei Büros in Neu Delhi und Bangalore verantwortlich. Seit 2019 gibt es am Standort Bangalore im Staat Karnataka, einem Partnerstaat des Freistaats Bayern, ein zweites Indienbüro der HSS. Gemeinsam mit lokalen Partnern setzt das Team Projekte zu Föderalismus, Sicherheit und Klimaschutz um und trägt zur Stärkung des regionalen Dialogs bei.

©HSS; ©Irmak Kalac

HSS: Warum haben Sie sich für Indien als HSS-Projektland entschieden?

Judith Weinberger-Singh: Indien kenne ich bereits gut aus meiner früheren Tätigkeit in Neu-Delhi, in der ich als Projektleiterin an der Konzipierung und Umsetzung von EU-finanzierten Partnerschaftsprojekten mitgearbeitet habe. Daher fiel mir die Entscheidung nicht schwer. Gleichzeitig war es für mich reizvoll, nach drei Jahren beruflicher Tätigkeit in Bayern als Leiterin der Kreisentwicklung des Landkreises Regen wieder in ein Land zurückzukehren, das sich derzeit in vielerlei Hinsicht im Aufbruch befindet und zudem geopolitisch zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Ist es schwierig, sich in einer männerdominierten Welt durchzuboxen?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass in einer Leistungsgesellschaft – und dazu zähle ich sowohl Deutschland als auch Indien – immer gilt: Wer sich nicht anstrengt, kommt nicht weiter. Das gilt für jede und jeden. Aber ja: Frauen sind in so vielen Bereichen in der Arbeitswelt durch strukturelle Benachteiligungen leider immer noch zahlenmäßig stark unterrepräsentiert. Auf übergeordneter, gesellschaftlicher Ebene muss hier noch viel passieren, um das zu ändern. Um auf dieses Problem in aller Deutlichkeit hinzuweisen, ist der Begriff der „männerdominierten Welt“ sicherlich dienlich und richtig. Ich verwende den Begriff darüberhinausgehend aber eher ungern. Denn eigentlich geht es doch darum, sich generell und damit auch in der täglichen Zusammenarbeit als Individuen mit bestimmten Fähigkeiten und Werten wahrzunehmen und sich so auch zu begegnen. Den Zusammenhang zwischen Individuum und übergeordneten Rahmenbedingungen zu sehen und konstruktiv mitzugestalten, ist dabei unser aller Aufgabe. Übrigens: Die häufigste Frage, die mir in Deutschland gestellt wird, lautet: „Wie ist es, als Frau in Indien zu leben und zu arbeiten?“

Partner-Workshop in Bangalore im Mai 2024 mit dem HSS Indien-Team, der Projektkoordinatorin Kerstin Grüner und Vertreterinnen und Vertretern der aktiven Partnerorganisationen für 2024

©HSS Indien

Was konnten Sie schon erreichen?

Seit Januar dieses Jahres arbeite ich für die Hanns-Seidel-Stiftung in Indien und wurde im April nach Indien entsandt. Gleich zu Beginn standen dringende Entscheidungen in Bezug auf Partner, Personal und auch unser Büro an. Im Februar bezogen wir ein neues Büro in Delhi und im Juli neue Räumlichkeiten in Bangalore. Diese Geschwindigkeit, mit der von Anfang an vor Ort gehandelt werden musste, hat uns als Team schnell zusammenwachsen lassen sowie beidseitiges Vertrauen und eine solide Basis für einen weiteren Meilenstein in diesem Jahr geschaffen: die Konzeption und Planung der nächsten, dreijährigen Projektphase ab 2025. Bewährtes zu erhalten und weiterzuentwickeln, aber gerade auch in Zeiten sinkender Budgets auch strategisch neue Wege zu gehen und innovative Impulse zu setzen – ich denke, das ist gut gelungen.

Erstes Team-Workshop in Mysore im März 2024.

©HSS Indien

Persönlicher Tipp für Frauen in der Arbeitswelt

Eine Frage, die sich angesichts der Vielgestaltigkeit des Lebens wohl nicht allgemein beantworten lässt. Ich persönlich bin immer gut damit gefahren, meine eigene Identität in der Arbeitswelt nicht über mein Geschlecht zu definieren und diesen Grundsatz auch im Umgang mit Kollegen oder Partnern anzuwenden. Es ist wichtig, ein klares Ziel vor Augen zu haben und sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren.

Erfahren Sie mehr über die Arbeit der Hanns-Seidel-Stiftung in Indien

In Kürze erscheint die neue Ausgabe unseres Magazins "politicus", in der Judith Weinberger-Singh über die aktuelle Lage in Indien spricht.

Zur Website des HSS-Büros in Indien

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