Unsere starken Frauen im Ausland
Von Bayern nach Bangalore
©HSS; ©Irmak Kalac
HSS: Warum haben Sie sich für Indien als HSS-Projektland entschieden?
Judith Weinberger-Singh: Indien kenne ich bereits gut aus meiner früheren Tätigkeit in Neu-Delhi, in der ich als Projektleiterin an der Konzipierung und Umsetzung von EU-finanzierten Partnerschaftsprojekten mitgearbeitet habe. Daher fiel mir die Entscheidung nicht schwer. Gleichzeitig war es für mich reizvoll, nach drei Jahren beruflicher Tätigkeit in Bayern als Leiterin der Kreisentwicklung des Landkreises Regen wieder in ein Land zurückzukehren, das sich derzeit in vielerlei Hinsicht im Aufbruch befindet und zudem geopolitisch zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Ist es schwierig, sich in einer männerdominierten Welt durchzuboxen?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass in einer Leistungsgesellschaft – und dazu zähle ich sowohl Deutschland als auch Indien – immer gilt: Wer sich nicht anstrengt, kommt nicht weiter. Das gilt für jede und jeden. Aber ja: Frauen sind in so vielen Bereichen in der Arbeitswelt durch strukturelle Benachteiligungen leider immer noch zahlenmäßig stark unterrepräsentiert. Auf übergeordneter, gesellschaftlicher Ebene muss hier noch viel passieren, um das zu ändern. Um auf dieses Problem in aller Deutlichkeit hinzuweisen, ist der Begriff der „männerdominierten Welt“ sicherlich dienlich und richtig. Ich verwende den Begriff darüberhinausgehend aber eher ungern. Denn eigentlich geht es doch darum, sich generell und damit auch in der täglichen Zusammenarbeit als Individuen mit bestimmten Fähigkeiten und Werten wahrzunehmen und sich so auch zu begegnen. Den Zusammenhang zwischen Individuum und übergeordneten Rahmenbedingungen zu sehen und konstruktiv mitzugestalten, ist dabei unser aller Aufgabe. Übrigens: Die häufigste Frage, die mir in Deutschland gestellt wird, lautet: „Wie ist es, als Frau in Indien zu leben und zu arbeiten?“
Partner-Workshop in Bangalore im Mai 2024 mit dem HSS Indien-Team, der Projektkoordinatorin Kerstin Grüner und Vertreterinnen und Vertretern der aktiven Partnerorganisationen für 2024
©HSS Indien
Was konnten Sie schon erreichen?
Seit Januar dieses Jahres arbeite ich für die Hanns-Seidel-Stiftung in Indien und wurde im April nach Indien entsandt. Gleich zu Beginn standen dringende Entscheidungen in Bezug auf Partner, Personal und auch unser Büro an. Im Februar bezogen wir ein neues Büro in Delhi und im Juli neue Räumlichkeiten in Bangalore. Diese Geschwindigkeit, mit der von Anfang an vor Ort gehandelt werden musste, hat uns als Team schnell zusammenwachsen lassen sowie beidseitiges Vertrauen und eine solide Basis für einen weiteren Meilenstein in diesem Jahr geschaffen: die Konzeption und Planung der nächsten, dreijährigen Projektphase ab 2025. Bewährtes zu erhalten und weiterzuentwickeln, aber gerade auch in Zeiten sinkender Budgets auch strategisch neue Wege zu gehen und innovative Impulse zu setzen – ich denke, das ist gut gelungen.
Erstes Team-Workshop in Mysore im März 2024.
©HSS Indien
Kontakt
Projektleitung