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Smalltalk und Menschen ansprechen - Sich erfolgreich vor Ort präsentieren


1. Grundsatzregeln der Wahlkampfrede gelten auch hier

Das heißt konkret, die Regeln der Seite "Die Erfolgreiche Wahlkampfrede", Nr. 1, 8. – 15. und die Bonustipps ​​​​​​​gelten in gleicher Weise. Manche Empfehlung möchte ich an dieser Stelle nur noch eindringlicher aussprechen, zum Beispiel die Empfehlungen für die Sprache. Halten Sie sich an die Umgangssprache. Die um die grammatischen Unsauberkeiten bereinigte Umgangssprache ist die Idealsprache. Das gilt vor allem auch für den Small Talk. Ansonsten geht es in diesem Kapitel nur um ergänzende Tipps für das „kleine Gespräch“, wie der Small Talk ja wortwörtlich übersetzt heißt.

 

2. Der erste Eindruck zählt noch mehr als bei der Rede

Sie erinnern sich an die Erkenntnis, dass wir nach wenigen Sekunden über Sym- und Antipathie entscheiden. Danach stecken wir beim Gegenüber sozusagen in einer Schublade, aus der es nur sehr schwer gelingt, wieder herauszukommen. Oder anders gesagt: Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Und der sollte gerade bei der persönlichen Begegnung mit Menschen wie beim Small Talk möglichst positiv sein.

 

3. Die Strategie zielt auf Sympathiewerbung ab

Der Small Talk am Rande einer Veranstaltung oder die Kontaktaufnahme mit einem fremden Menschen in der Fußgängerzone ist keine Podiumsdiskussion. Es geht nicht darum, mit harten und glasklaren Statements zu einer Fragestellung oder einer Hypothese zu glänzen. Der Small Talk hat ein Werben um Sympathie zum Ziel. Sie wollen einen oder mehrere Menschen für sich gewinnen. Wollen ein möglichst angenehmes und positives Bild von sich hinterlassen. Das ist legitim und hat nichts mit Schleimerei zu tun.

 

4. Die Small-Talk-Taktik braucht gute Fragen

Um mit fremden Menschen ins Gespräch zu kommen und vor allem auch im Gespräch zu bleiben, ist es ratsam, sich zunächst eher an einer Fragetaktik zu orientieren und sich weniger als eloquenter Plauderer zu erweisen. Fragen Sie Ihr Gegenüber lieber, wie er oder sie über einen Sachverhalt denkt als sofort Ihre Haltung kundzutun. Der Grund dafür ist einfach. Stellen Sie sich vor, Sie knüpfen an ein großes Rock-Open-Air-Konzert vom Vorabend in der betreffenden Stadt mit den Worten an: Da werden Sie hier aber wieder froh sein, dass der schreckliche Lärm vorbei ist. Und Ihr Gegenüber starrt Sie verständnislos an, weil er oder sie vom Konzert begeistert war. Das wird das weitere Gespräch nicht gerade beflügeln.

 

5. Understatement ist besser als Überheblichkeit

Wenn Sie sich zum Beispiel einen Ferrari F8 Tributo leisten können, dann ist das schön für Sie. Zu einer Veranstaltung als Wahlkämpfer würde ich nicht mit ihm vorfahren. Auf die Rolex am Handgelenk würde ich auch verzichten. Und nur, weil Sie Edmund Stoiber am Rande einer Veranstaltung die Hand geschüttelt haben, sind Sie noch nicht befreundet mit ihm. Will sagen: Sich etwas zurücknehmen wird von den Menschen hierzulande mehr goutiert als zu prahlen oder sich wichtig zu machen.

 

6. Die Knigge-Regeln sind gerade beim Smalltalk wichtig

„Über den Umgang mit Menschen“ heißt das Standard-Werk des Schriftstellers Adolph Freiherr Knigge aus dem Jahr 1788. Und es ist aktueller denn je. Zu diesen Benimmregeln gehören Pünktlichkeit, eine korrekte Begrüßung und gute Tischmanieren genauso wie die Wahrung der Distanzzone. Dabei gilt es, seine Proxemik (Raumverhalten) an die Situation anzupassen. Auch beim Small Talk sollte die persönliche Zone (circa eine Armlänge) nicht unterschritten werden. Auch wenn viele glauben, der Knigge sei verstaubt, so schätzen es doch auch gerade diejenigen, wenn eine Person beim Kontakt mit ihnen genau jene Gepflogenheiten einhält.

 

7. Auf Körpersprache, Stimme und Tonfall kommt es an

Grundsätzlich gilt alles, was hier geschrieben steht, auch für den Small Talk und die Kontaktaufnahme mit Menschen. Aber mehr noch als bei der Rede auf einer Bühne ist hier Fingerspitzengefühl nötig. Auf der Bühne sind Sie Solist, sie gehört Ihnen alleine. Im Gespräch teilen Sie den Raum mit anderen. Dabei ist neben der Wahrung der Distanzzone die körperliche Zuwendung zu Gesprächspartnern äußerst wichtig. Es reicht eben nicht, nur in Richtung eines Gesprächspartners zu blicken. Es geht um die Zuwendung mit dem ganzen Körper. Alles andere bezeichnet der Volksmund – zu Recht – vorwurfsvoll als „jemanden von der Seite anschauen“. Daneben gehören eine angepasste Sprechlautstärke, eine weich klingende Färbung der Stimme und ein freundlicher Tonfall zum Gesamtbild in dieser Situation.

 

8. Geeignete Themen für den Smalltalk

Die vermutlich häufigsten Fragen zum Einstieg in den Small Talk oder bei der Kontaktaufnahme sind die Frage nach dem Beruf oder der Herkunft. Sie können natürlich noch immer gestellt werden. Denken Sie aber daran, sie sind nicht sehr einfallsreich und unter Umständen auch unangenehm. Da kommt jemand aus einem kleinen Dorf und soll jetzt als Landei dastehen. Oder betrachtet den Job nicht als Lebensmittelpunkt, sondern nur als Gelderwerb. Schlecht! Und das Wetter sollte auch nur herhalten, wenn es außergewöhnlich ist. Besser sind spontane Ansätze wie ein Lob für die Location, die Umgebung etc. Ansonsten bieten sich gesellschaftliche Themen an wie z.B. Sport, Reisen und Urlaub, Literatur, Kunst, Film, Fernsehen, Nachrichten, Wirtschaft, Familie, Freizeit Hobbies, Essen und Trinken. Am besten ist natürlich, wenn Sie sich vorher über die Menschen informiert haben.

 

9. Tabuthemen sind Fallensteller

Die Politik und Ihr politisches Programm sind ein absolutes No-Go als Eisbrecher beim Small Talk oder Kennenlernen. Das käme einem Überfall gleich. Ebenso ungeeignet sind Themen wie z.B. Geld und Einkommen, Krankheiten, persönliche Bemerkungen wie beispielsweise „schlechtes“ Aussehen des Gegenübers, Vergleiche des Gesprächspartners mit Promis, auch wenn sie gut gemeint wären. Keine Lästereien über Bekannte, keine persönlichen Probleme. Der Small Talk ist vor allem keine Gelegenheit für kostenlose Beratungstermine. Der Steuerberater will nach einem anstrengenden Tag nicht auch noch Ihre Erklärung machen und der Kardiologe nicht Ihre Herzrhythmusprobleme behandeln.

 

10. Der Small Talk ist kein TV-Duell

Hier wird keine Redezeit gemessen, werden keine Punkte vergeben, Worte nicht auf die Goldwaage gelegt. Also bleiben sie locker, unaufgeregt und ganz natürlich. Sie selbst eben! Mal läuft ein Gespräch von ganz alleine, mal läuft es holpriger. Nehmen Sie es sportlich. Bewahren Sie vor allem Ihren Humor und stellen Sie vor allem nicht ausschließlich Fragen (siehe "Small-Talk-Taktik braucht gute Fragen, Nr. 4). Erzählen Sie eine Anekdote, eine Geschichte, einen guten Witz. Seien Sie einfach Mensch. Damit gewinnen Sie die Sympathien. Nicht mit einem Rollenspiel. Dass wir möglichst vielen Menschen gefallen wollen, das liegt tief in uns. Dass wir es aber nicht allen recht machen können, das ist eine Gesetzmäßigkeit.


Über den Experten Winfried Bürzle

Nina Angerer ; Winfrid-Bürzle.de

Winfried Bürzel ist Germanist, gelernter Schauspieler, Radioprofi, langjähriger Lehrbeauftragter und Coach für Politik, Wirtschaft und Medien. Er steht auch mit einer eigenen Rhetorikshow namens SPRECHSCHADEN auf der Bühne. Bis 2019 war er Chef vom Dienst des meist gehörten Radiosenders Bayerns, Bayern 1. Der 5 Sterne Redner ist Botschafter und Verfechter der „angewandten Rhetorik“ - und ein Showmaster per se. Als Edutainer versteht er es wie kein anderer, Menschen zu unterhalten und gleichzeitig zu bilden.