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Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern
AfD vor SPD – CDU verpasst Einzug ins Parlament

Autorin/Autor: Dr. Gerhard Hirscher

Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hat die AfD die SPD knapp überholt. Die regierende SPD rettete sich vor allem durch die Popularität von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig auf den zweiten Platz, während die CDU ein historisches Debakel erlebt und den Einzug in den Landtag verpasst.

 

v.re.: Tino Chrupalla, Bundessprecher der AfD und Co-Vorsitzender der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag, Alice Weidel, Bundessprecherin der AfD und Co-Vorsitzende der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag, Kristin Brinker, AfD-Spitzenkandidatin für Berlin, und Leif-Erik Holm, AfD- Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten in Mecklenburg-Vorpommern äußern sich zum Ergebnis der Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.

v.re.: Tino Chrupalla, Bundessprecher der AfD und Co-Vorsitzender der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag, Alice Weidel, Bundessprecherin der AfD und Co-Vorsitzende der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag, Kristin Brinker, AfD-Spitzenkandidatin für Berlin, und Leif-Erik Holm, AfD- Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten in Mecklenburg-Vorpommern äußern sich zum Ergebnis der Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.

© Andreas Gora/Imago

© infratest dimap

Landtagswahl 2026: Das Wahlergebnis

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis wurde die AfD mit 38,2% der Zweitstimmen stärkste Partei vor der SPD mit 35,5%. Die Linke kam auf 6,5% und die Grünen auf 5,7%. Die CDU verpasste mit 4,9% die 5%-Hürde und ist damit erstmals überhaupt nicht in einem Landesparlament vertreten. Auch das BSW verpasste mit 4,8% den Einzug ins Parlament. Beim Erststimmenergebnis lagen AfD, SPD, Linke über ihrem Wert bei den Zweitstimmen. Dies gelang auch der CDU, die auf 6,2% der Erststimmen kam, was das Gesamtbild aber nicht verbessern konnte. Die Wahlbeteiligung lag bei 78,1% und damit deutlich über dem Wert der letzten Landtagswahl von 70,8%. Von den 71 Mandaten entfallen auf die AfD 32, davon 22 Direktmandate und 10 Listenmandate. Die SPD kommt auf 29 Mandate (14 Direktmandate, 15 Liste), Linke und Grüne auf jeweils 5 Listenmandate. Eine Regierungsbildung unter Führung der SPD mit Linken und Grünen scheint daher wahrscheinlich.

Diese Zahlen spiegeln sich im Wahlergebnis nicht wider: Schon bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 war die AfD mit 35,0% der Zweitstimmen klar stärkste Partei geworden. Die CDU war auf 17,8% gekommen, die SPD auf 12,4% und die Linke auf 12,0%. Das BSW holte 10,6%, die Grünen 5,4% und die FDP 3,2%. In den Umfragen zur Landtagswahl stand die SPD deutlich besser da und konnte die AfD zuletzt sogar überholen.

© infratest dimap

Ausgangslage in Mecklenburg-Vorpommern

In diesem dünn besiedelten Flächenland waren rund 1,3 Millionen Bürger wahlberechtigt – das aktive Wahlalter betrug 16 Jahre für alle Bürger, die mindestens seit 37 Tagen ihren Wohnsitz im Land hatten. Die mindestens 71 Abgeordneten wurden in 36 Wahlkreisen mit zwei Stimmen gewählt. Insgesamt hat das Land 1,57 Millionen Einwohner – das entspricht knapp 1,9% der deutschen Gesamtbevölkerung.

Nach der letzten Landtagswahl 2021 lag die SPD mit ihrer Spitzenkandidatin Manuela Schwesig mit 36,9% weit vor den anderen Parteien. Die SPD konnte mit der Linken, die auf 9,9% gekommen war, problemlos eine Koalition bilden. Die AfD kam auf 16,7%, die CDU auf 13,3% und Grüne sowie FDP kamen mit 6,3% und 5,8% noch in den Landtag.

Die Ausgangslage hatte sich im Vorfeld der aktuellen Landtagswahl dramatisch verändert: Die CDU, die sich bis Frühjahr 2024 zum Teil deutlich über ihrem Wert bei der Landtagswahl 2021 gehalten hatte, sank in den Umfragen deutlich ab und erreichte ab Juni 2026 noch Werte bei oder unter 10%. In der letzten Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen wurde sie nur noch mit 6% gemessen. Aufgrund dieses Abwärtstrends war bereits zu diesem Zeitpunkt die Unterschreitung der 5%-Hürde möglich. 

Die regierende SPD war nach der Landtagswahl 2021 kontinuierlich abgesunken bis auf 19% im September 2025, konnte sich danach aber wieder verbessern auf Werte über 30% im September 2026. Zuletzt hatte sie sogar mit 37% in der Prognose die AfD überholt. Die AfD konnte sich auch hier regelmäßig steigern und wurde in den Umfragen vor der Wahl mit mindestens dem doppelten Wahlergebnis von 2021 und zuletzt mit 36% gehandelt. Auch die Linke konnte sich nach Rückschlägen wieder auf 11% verbessern (zuletzt 9%). Die Grünen landeten in den Umfragen bis zuletzt bei 5%, die FDP klar darunter. Auch das BSW wurde zumeist unter der 5%-Hürde gesehen, in der letzten Umfrage bei 4%.

Es schienen also mehrere Koalitionsmöglichkeiten unter Führung der SPD möglich, aber bei weiteren Zuwächsen von AfD und BSW durchaus ein Szenario wie in Sachsen-Anhalt denkbar. Diese Wahl konnte daher auch als Reaktion auf das Ergebnis in Sachsen-Anhalt gesehen werden: Bekam die AfD in diesem anderen ostdeutschen Flächenland zusätzlichen Auftrieb oder konnten die konkurrierenden Parteien als Gegenreaktion mehr Wähler mobilisieren  – vor allem die regierende SPD, die in den Umfragen zuletzt immer näher an die AfD-Werte kam? Oder bekam das BSW, das zuletzt von der Forschungsgruppe Wahlen am 17. September 2026 mit 4% gemessen wurde, Aufwind und konnte sich als Steigbügelhalter für eine AfD-Regierung präsentieren?

© infratest dimap

Vor der Wahl: Themen und Personen

Hinsichtlich der Spitzenkandidaten waren die Präferenzen ebenfalls deutlicher verteilt als bei der Wahl in Sachsen-Anhalt: Laut einer Umfrage von Infratest dimap vom 3. September 2026 bevorzugten 60% die amtierende Ministerpräsidentin Schwesig als neue Ministerpräsidentin, während einer der Spitzenkandidaten der AfD (offiziell „Ministerpräsident-Kandidat“), Leif-Erik Holm, nur auf 25% kam. Bei der gleichzeitig abgefragten Politikerzufriedenheit kam Frau Schwesig auf 57%, Simone Oldenburg, stellvertretende Ministerpräsidentin und Spitzenkandidatin der Linken, auf 27%, Enrico Schult, Fraktionsvorsitzender und offizieller Spitzenkandidat der AfD, auf 14%, und der CDU-Vorsitzende und Spitzenkandidat Daniel Peters auf 13% - dahinter lagen noch Claudia Müller von den Grünen mit 9% und Jacob Schirmer von der FDP mit 5%. Auch in der letzten Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen vom 17. September 2026 lag Manuela Schwesig bei der Frage nach der Ministerpräsidenten-Präferenz mit 61% deutlich vor Leif-Erik Holm mit 30%.

Laut einer Umfrage von Infratest dimap vom 3. September 2026 wurde das Thema Bildung/Schule/Ausbildung von 25% als wichtigstes Thema für die Wahl genannt. Es folgten Wirtschaft und Zuwanderung/Flucht mit jeweils 16%, Arbeitslosigkeit/Arbeitsmarkt mit 14%, Gesundheitswesen/medizinische Versorgung/Pflege sowie Rente/Alterssicherung mit jeweils 10%, soziale Ungerechtigkeit/Armut/Grundsicherung sowie Mobilität/Verkehr mit jeweils 8%, Wohnen/Mieten mit 7% und Lebenshaltungskosten mit 6%.

© infratest dimap

Eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen vom 11. September 2026 kam zu etwas anderen Schwerpunkten: Dort wurden Preise/Kosten von 21% als wichtigsten Thema genannt, Wirtschaftslage 18%, Schule/Bildung 17%, Infrastruktur 14% und Arbeitslosigkeit 12%. In all diesen Bereichen lag die SPD in der Kompetenzvermutung klar vorn; die AfD kam auf den zweiten Platz (beim Thema Flüchtlinge/Asyl lag sie vorn) und die CDU landete in allen abgefragten Bereichen abgeschlagen bei Werten zwischen 5% und 11%.

Auch bei den vermuteten allgemeinen Parteikompetenzen waren die Verhältnisse deutlich: Auf die Frage (Infratest dimap), welche Partei am ehesten die wichtigsten Aufgaben lösen könnte, sagten 26% keine Partei, jeweils 27% die SPD und die AfD, 8% die Linke und nur 6% die CDU. Die Aussichten für die CDU waren aufgrund dieser Daten nicht sehr günstig. Dies wurde noch unterstrichen durch die Tatsache, dass laut dieser Umfrage 86% der Befragten im Land mit der Bundesregierung unzufrieden waren. Für die CDU war daher höchstens die Rolle als kleiner Juniorpartner in einer Anti-AfD-Regierung realistisch, falls sie dafür überhaupt benötigt werden würde.

© infratest dimap

Wohin gingen die Wähler?

Der größte Gewinner der Wählerwanderung war die AfD: Laut Infratest dimap musste sie an keine andere Partei abgeben und gewann 66.000 Stimmen von den Nichtwählern, 48.000 Stimmen von der SPD und 32.000 von der CDU. Die SPD musste zwar an die AfD und das BSW abgeben, gewann aber 25.000 Stimmen von der CDU, 16.000 von Nichtwählern und 15.000 von der Linken. Die CDU konnte zwar 5.000 Stimmen von der FDP holen, verlor aber ansonsten in alle Richtungen, darunter 32.000 an die AfD, 25.000 an die SPD und noch jeweils 2.000 Stimmen an Linke und Grüne. Die Linke verlor an SPD, AfD und BSW, blieb aber im Parlament. Die Grünen verloren zwar 6.000 Stimmen an die SPD, konnten aber etwa genauso viel von Nichtwählern, CDU und FDP holen und damit im Parlament verbleiben. Die FDP verlor in alle Richtungen, während das BSW gewann, vor allem von SPD (12.000 Stimmen) und der Linken (8.000 Stimmen). 

Wie bei anderen Wahlen der vergangenen Jahre auch war eine hohe Mobilisierung aus dem Nichtwählerbereich zu erkennen, von dem vor allem die AfD, aber auch die SPD und das BSW profitierten. Der CDU ist es nicht einmal im Ansatz gelungen, von dieser zusätzlichen Mobilisierung zu profitieren.

Wer hat was gewählt?

Die  AfD hat bei den Männern wieder deutlich besser abgeschnitten als bei den Frauen (44% zu 33%), bei der SPD war die Verteilung umgekehrt: Bei den Frauen 40% und den Männern 30%. Die CDU hat laut Infratest dimap bei den Frauen mit 4% noch schwächer abgeschnitten als bei den Männern mit 5%. Auch BSW und Linke haben bei den Frauen besser abgeschnitten, bei den Grünen war die Verteilung ausgeglichen.

Auch bei der Bildung zeigten sich bekannte Muster: Die AfD schnitt deutlich besser bei den formal einfach oder mittel gebildeten Wählern ab (46% und 47%) als bei den formal hoch gebildeten mit 25%. Die SPD schnitt bei den höher Qualifizierten mit 37% am besten ab, holte in den Kategorien mittel und niedrig Gebildete immerhin 33% und 35%. Bei den formal hoch Gebildeten schnitt die CDU mit 6% am besten ab, ebenso wie die Grünen mit 12% und die Linke mit 9%.

Bei der Berufsstruktur zeigt sich ein klares Bild: Die AfD kam bei den Arbeitern auf 52%, die SPD auf 27%. Die Linke holte hier 6%, das BSW 4% und die CDU 2%. Bei den Rentnern lag die SPD mit 48% vor der AfD mit 31%; hier holte die CDU 6%. Bei den Angestellten lag die AfD mit 43% vor der SPD mit 29%, hier lagen Grüne und Linke mit 6% und 8% noch vor der CDU mit 4%. Bei den Selbständigen kam die CDU immerhin auf 11%, aber auch in dieser Gruppe lagen AfD und SPD vorn mit 47% und 19%; die Grünen kamen auf 10%.

Unter den Befragten, die laut Infratest dimap ihre finanzielle Lage als schlecht einschätzen, kam die AfD auf 60%, die SPD auf 18%, die Linke auf 7%, das BSW auf 6% und die CDU auf 2%. Bei denjenigen, die ihre Lage als gut einschätzten, lag die SPD mit 41% vor der AfD mit 31%. Die Grünen kamen hier auf 7%, CDU und Linke auf 6% und das BSW auf 5%.

Hintergründe und Motive der Wählerinnen und Wähler

Im Vorfeld der Wahl war eine Wechselstimmung zu verspüren: 43% der Befragten sagten laut Infratest dimap, sie wünschen sich einen grundlegenden Wandel für das Land. Gleichzeitig sagten 53%, die SPD solle die nächste Landesregierung führen und die Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, die einen stark auf ihre Person zugeschnittenen Wahlkampf geführt hat („Die Frau gegen Blau“), lag mit 62% deutlich vor ihrem Herausforderer Holm mit 26%. Mit der bisherigen Landesregierung aus SPD und Linken zeigten sich 51% zufrieden – ein vergleichsweise guter Wert.

Bei der Frage, welche Themen für die Wahlentscheidung insgesamt am wichtigsten seien, nannten am Wahltag laut Infratest dimap 28% soziale Sicherheit vor Frieden in Europa (16%), Wirtschaft (15%) sowie Bildung/Schule und Sicherheit und Ordnung mit jeweils 13%. Soziale Sicherheit wurde überdurchschnittlich von den Wählern von SPD und Linken als Wahlmotiv genannt (35% und 48%), Wirtschaft überdurchschnittlich von den CDU-Wählern (37%), Schule/Bildung von den Grünen-Wählern (26%) und Sicherheit und Ordnung von AfD-Wählern (19%). Das Thema Zuwanderung war mit 20% überdurchschnittlich für die AfD-Wähler wichtig, hat aber bei dieser Landtagswahl eine untergeordnete Rolle gespielt.

Das gute Ergebnis der SPD spiegelt sich in den Parteikompetenzen wider: In den Feldern Bildungspolitik und soziale Gerechtigkeit wurden der SPD von 35% der Befragten Kompetenzen zugebilligt, beim Thema Arbeitsplätze 34% und bei Wirtschaft sowie ostdeutsche Interessen 30%. Der AfD wurden am meisten Kompetenzen zugebilligt bei den Themen Kriminalitätsbekämpfung (35%), Asyl- und Flüchtlingspolitik (33%), ostdeutsche Interessen (28%) sowie soziale Gerechtigkeit (26%) und Wirtschaft (25%).

Die CDU lag in der Kompetenzvermutung deutlich zurück: Im Bereich Wirtschaft kam sie auf 13% – weit weniger als die Hälfte bei der letzten Landtagswahl. Bei Kriminalitätsbekämpfung lag sie bei 13%, Arbeitsplätzen bei 12%, aber insgesamt deutlich hinter den Kompetenzwerten von SPD und AfD. Selbst die Linke lag in den Feldern soziale Gerechtigkeit, ostdeutsche Interessen und Bildungspolitik vor der CDU. Auch BSW und FDP konnten hier keine nennenswerten Kompetenzvermutungen aufbauen, was deren Scheitern an der 5%-Hürde mit erklärt.

Die SPD wurde als Partei zwar insgesamt eher negativ beurteilt: Laut Infratest dimap sagten 64%, sie habe vor der Bundestagswahl viel versprochen und wenig gehalten und 62% gaben an, sie habe die Sorgen der einfachen Leute aus dem Blick verloren und stehe nicht mehr auf der Seite der Arbeitnehmer. Dies wurde aber überdeckt durch die Popularität der Regierungschefin, von der 73% sagten, sie finden es gut, dass sie sich offen gegen die Reformen der Bundesregierung stellt. Über die AfD sagten zwar 70%, sie würde ihre Versprechen nach einer Wahl nicht halten können, aber 59% gaben an, die AfD habe es besser als andere Parteien verstanden, dass sich die Menschen hier nicht mehr sicher fühlen und 55% fanden es gut, dass sie den Zuzug stärker begrenzen wolle als andere Parteien. Zur CDU dominierten die negativen Bewertungen: 89% sagten, sie habe vor der Bundestagswahl viel versprochen, aber wenig gehalten (auch 67% der CDU-Wähler). 87% meinten, sie habe in der Bundesregierung zu wenig für die Senkung von Steuern und Abgaben getan (auch 61% der CDU-Wähler), 86% sagten, sie habe kein Gespür für die einfachen Leute (50% der CDU-Wähler) und 81% sagten, man weiß nicht mehr, wofür sie eigentlich steht; das sagten auch 40% der CDU-Wähler.

Zusammenfassung und Perspektiven

1) Der Persönlichkeitsfaktor hat bei dieser Wahl eine entscheidende Rolle gespielt. Ohne die Popularität der Spitzenkandidatin Manuela Schwesig hätte die SPD angesichts der negativen Bewertung ihrer Rolle als Regierungspartei im Bund kaum dieses Ergebnis erzielt.

2) Die AfD profitierte jedoch nicht von diesem Effekt: Zwar konnte sie entgegen den letzten demoskopischen Ergebnissen die SPD überholen und nach Sachsen-Anhalt zum zweiten Mal stärkste Partei in einem Landesparlament werden. Aber die verwirrende Situation mit zwei Spitzenkandidaten (Leif-Erik Holm stand nicht auf der Landesliste und würde wieder sein Bundestagsmandat annehmen) hat der Ministerpräsidentin in die Hände gespielt.

3) Erneut wurden der AfD in vielen Politikfeldern beachtliche Kompetenzwerte zugeschrieben, obwohl sie keine Regierungserfahrung aufweisen konnte. Allerdings stand sie dabei in großer Konkurrenz zur SPD, die dabei einen Amtsbonus als langjährige Regierungspartei ausspielen konnte. Die fehlenden Kompetenzwerte in den wahlentscheidenden Themen wirkten sich auch auf das BSW und die CDU negativ aus.

4) Dramatisch ist das Ergebnis für die CDU, die erstmals überhaupt in Deutschland nach einer Landtagswahl nicht ins Parlament einzieht. Dafür war nicht nur der Gegenwind aus Berlin verantwortlich: Offensichtlich hat es die Landes-CDU nicht geschafft, feste Parteistrukturen aufzubauen und attraktive Kandidaten für die Landespolitik zu rekrutieren. Angesichts der grundsätzlichen Volatilität des Wahlverhaltens (in Ostdeutschland noch stärker als im Westen) kann sich das mittelfristig aber auch wieder ändern.

5) Für die künftigen Wahlen stellt sich die Frage nach der strategischen Orientierung: Manuela Schwesig hat von ihrem Amtsbonus profitiert, aber mindestens genauso deutlich von der Tatsache, dass sie sich im Vorfeld kritisch gegenüber der Bundesregierung und der Rolle der SPD positioniert hat. Durch die wahrscheinliche Bildung von linken Regierungen ohne die CDU in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wird die Position der SPD gestärkt. Ob dies die notwendige Durchführung der Reformen, die der Bundeskanzler am Wahlabend angekündigt hat, erleichtert, wird sich zeigen.

 

Kontakt

Leitung: Dr. Gerhard Hirscher
Grundlagen der Demokratie, Parteienentwicklung, Wahlforschung
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