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„Religion Matters“ – die interreligiöse Interviewreihe mit Führungspersönlichkeiten der Weltreligionen
Teil V: Vom Wert des Lebens

Welche Antworten bietet der Glaube in schwierigen Zeiten? Im Interview mit hohen Religionsvertretern fragen wir, wie die verschiedenen Religionen und Konfessionen mit den Problemen der Gegenwart umgehen und was wir voneinander lernen können. Heute mit Efendi Mustafa Cerić, ehemaliger Großmufti und Präsident des Bosniakischen Weltkongresses.

Die Corona-Pandemie hat die globalen Lebensadern und ihre Gesellschaften an ihrer Achillesverse getroffen. Sie stellt Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Religion und Gesellschaft in einem ohnehin schon bestehenden Zeitalter wachsender Unsicherheiten vor ungeahnte Herausforderungen.

Die blaue Moschee in Istanbul vor bedrohlichem Wolkenhimmel

Die Vergangenheit verherrlichen, sich aber nicht um Gegenwart und Zukunft kümmern: diese muslimische Geisteshaltung muss sich ändern, fordert Efendi Mustafa Cerić.

MindStorm-inc; HSS; IStock

Wir brauchen dringend Antworten und Orientierung, vor allem aber Zuversicht, um gestärkt aus dieser Krise herauszukommen. Die interreligiöse Interviewreihe „Religion Matters“ der Hanns-Seidel Stiftung lässt religiöse Führungspersönlichkeiten der großen Weltreligionen zu Wort kommen, um ihre Perspektiven auf die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen herauszuarbeiten. So kann sich der Zuschauer selbst ein Bild machen, wie unterschiedliche Religionen und Konfessionen die schwierigen Fragen unserer Gegenwart angehen. Über diese Interviewreihe will die Hanns-Seidel-Stiftung außerdem diese religiösen Führungspersönlichkeiten indirekt in ein Gepräch miteinander bringen, von dem der interreligiöse Dialog weltweit profitieren soll.

Im Mittelpunkt der einzelnen Interviews steht die Frage, inwieweit Glauben und Religion in Zeiten wachsender Komplexitäten und Unsicherheiten Antworten geben können. Wie kann religiöse Kompetenz die Politik aktuell in der Krisenbewältigung ergänzen? Wie steht es um die Religionsfreiheit weltweit und den interreligiösen Dialog? Welche Strategien braucht es, um die Polarisierung der Gesellschaft zu überwinden und Extremismus und Terrorismus zu bekämpfen?

Für „Religion Matters“  haben wir mit dem Sicherheitsexperten Oliver Rolofs die Erzbischöfin der Schwedischen Kirche, Antje Jackelén, interviewt, außerdem Sheikh Eşref Efendi vom ehrenwerten Sufi-Orden „Naqshbandiyya“, den Präsidenten der Konferenz der Europäischen Rabbiner, Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt, den Bischof von Arabien Paul Hinder, den Präsidenten des Bosniakischen Weltkongresses und ehemaligen Großmufti von Bosnien und Herzegowina, Efendi Mustafa Cerić, den koptisch-orthodoxen Bischof Anba Damian und den Patriarchen der Syrisch-Orthodoxen Kirche, Moran Mor Ignatius Afrem II.

Mann im Anzug, freundlich lächelnd

Oliver Rolofs

Oliver Rolofs ist Mitgründer und Managing Partner der Münchner Kommunikations- und Strategieberatung connecting trust. Er berät Wirtschaftsführer, politische Entscheidungsträger sowie religiöse Führer aus aller Welt in Fragen der strategischen Kommunikation, Public Affairs, Resilienz und Sicherheit sowie dem interreligiösen Dialog. Der ehemalige Kommunikationschef der Münchner Sicherheitskonferenz ist studierter Politikwissenschaftler, Völkerrechtler und Soziologe.

Streng blickender älterer Herr mit Turban

Der Islamgelehrte Efendi Mustafa Cerić war der Großmufti von Bosnien-Herzegowina. Heute steht er als Präsident dem Bosniakischen Weltkongress vor.

Efendi Mustafa Cerić

Interview mit Efendi Mustafa Cerić

Wie ist die Perspektive der Sunniten, der größten Glaubensgruppe im Islam, auf die Herausforderungen unserer Zeit? Was ist die Antwort sunnitischer Religionsführer auf die jüngste islamistisch motivierte Terrorwelle in Europa? Wie kann Religion vor gefährlichen Einflüssen und Missbrauch besser geschützt werden und warum sollte sich Europa wieder mehr mit Bosnien-Herzegowina und der dortigen Ausprägung des Islams beschäftigen? Wir haben für Sie Efendi Mustafa Cerić befragt, den Präsident des Bosniakischen Weltkongresses und ehemaligen Großmufti von Bosnien und Herzegowina.

Dabei verurteilt er scharf die jüngsten islamistischen Terroranschläge in verschiedenen europäischen Städten: „Kein aufrichtiger Muslim würde jemals im Namen Allahs Unschuldige auf der Straße erschießen.“ In diesem Zusammenhang kritisiert er allerdings auch das erneute Zeigen von Mohammed-Karikaturen als Ausdruck einer Krise des Laizismus. Cerić, der eine liberalere, europäische Ausprägung des Islams vertritt, fordert in dem Interview, dass sich die muslimische Denkweise, ihre Gewohnheiten und die historisch bedingte Obsession, die Vergangenheit zu verherrlichen und sich nicht um die Gegenwart und Zukunft zu sorgen, fundamental verändern müsse. Angesichts der Corona-Pandemie, die die Menschheit in Angst vereine, appelliert er zudem an die geistlichen Führer, sich jetzt zu zeigen und den Menschen den Sinn und Wert des Lebens zu verdeutlichen.

Efendi Dr. Mustafa Cerić wurde 1952 in Visoko (Bosnien-Herzegowina) geboren und ist ein bosnischer Islamgelehrter. Von 1993 bis 2012 war Cerić Großmufti von Bosnien und Herzegowina. Seit 2012 ist er Präsident des Bosniakischen Weltkongresses und Mitgründer der Bosniakischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Mustafa Cerić besuchte die Gazi-Husrev-Beg Medresa in Sarajevo und studierte von 1974 bis 1978 als Stipendiat an der Kairoer al-Azhar-Universität Theologie und Philosophie. Ab 1981 wirkte Cerić als Imam des Islamic Cultural Center in Northbrook (Illinois, USA) und wurde an der University of Chicago 1987 über die Theologie Abu Mansur al-Maturidis promoviert. Nach seiner Rückkehr nach Jugoslawien Ende der 1980er-Jahre war Cerić Imam in der Weißen Moschee in Gračanica sowie Imam in der Moschee von Zagreb. Ferner unterrichtete an der Fakultät Islamischer Wissenschaften in Sarajevo und lehrte von 1991 bis 1993 am International Institute of Islamic Thought and Civilization (ISTAC) der Islamischen Universität Malaysia in Kuala Lumpur. Cerić arbeitet und lebt in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo. 2003 war er Co-Preisträger des Félix-Houphouët-Boigny-Friedenpreises und 2008 wurde er in München mit dem Eugen-Biser-Preis geehrt.

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„Kein aufrichtiger Muslim würde jemals im Namen Allahs Unschuldige auf der Straße erschießen“, sagt der ehemalige Großmufti Efendi Mustafa Cerić im HSS-Interview. Wir sprechen über Islam, Sunniten und welche Antworten die Religion für uns alle bereithält.

HSS

Der große interreligiöse Kalender vom "Sonntagsblatt" – Die wichtigsten Fest- und Feiertage von Katholiken, Protestanten, Orthodoxen, Aleviten, Juden und Muslimen, Buddhisten und Hindus auf einen Blick.

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Leiter: Dr. Philipp W. Hildmann
L3: Kompetenzzentrum Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Interkultureller Dialog
Leiter:  Dr. Philipp W. Hildmann
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