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Kommunalwahlen in Bayern 2026
Stichwahlen: Die politische Mitte behauptet sich

Autorin/Autor: Dr. Gerhard Hirscher

Es war die finale Bewährungsprobe bei den Kommunalwahlen in Bayern: Am 22. März wurde bei den Stichwahlen zwischen zwei Kandidaten darüber abgestimmt, wer das Amt des (Ober-)Bürgermeisters oder Landrats übernimmt. Auch wenn Stichwahlen wie kaum wie ein anderer Urnengang von Persönlichkeiten geprägt sind, lohnt sich ein genauer Blick auf die Frage, welche Bedeutung die parteipolitische Verankerung für die Wahlentscheidung tatsächlich hatte. Unser Wahlexperte Dr. Gerhard Hirscher ordnet die politische Situation ein.

 

Zum vollständigen Beitrag: Die Kommunalwahlen in Bayern zeigen: In den Stichwahlen setzen sich Kandidaten der demokratischen Mitte durch. Eine Analyse unseres Wahlexperten Dr. Gerhard Hirscher.

Markus König, CSU, (Plakat Mitte), hat die Stichwahl bei den bayerischen Kommunalwahlen mit 55,5% der Stimmen gewonnen und bleibt damit Oberbürgermeister von Nürnberg.

© Ardan Fuessmann/Imago

Kommunalwahlen 2026 - die bisherigen Ergebnisse: Die CSU bleibt vorn

Aus der ersten Runde der Kommunalwahlen in Bayern am 8. März ging die CSU erneut als stärkste Partei hervor. Bei einer für Kommunalwahlen sehr hohen Wahlbeteiligung von 63,4% (2020 waren es 58,7%) lag die CSU bei den Gremienwahlen insgesamt deutlich vorn: Listen der CSU und CSU mit anderen kamen auf 32,5 % der Stimmen, Listen der Freien Wähler und andere auf 12,1 %, AfD und andere auf 12,2 %, Grüne und andere auf 13,6 % sowie SPD und andere auf 12,3 %. Sonstige und gemeinsame Wahlvorschläge erhielten 9,1%, andere Wählergruppen 8,2%. Damit setzte sich einerseits ein Trend fort, der schon bei der vergangenen Kommunalwahl zu erkennen war: Die CSU bleibt bei leichten Verlusten klar stärkste Partei, die SPD verliert erneut und wird wieder von den Grünen überholt, die allerdings starke Verluste zu verzeichnen haben. Die gemeinsamen Wahlvorschläge, die 2020 stark zugelegt hatten, hielten etwa ihr Niveau, konnten sich aber ebenso wenig steigern wie die Freien Wähler. Bemerkenswert war das Abschneiden der separaten JU-Listen, die bayernweit auf 1,3% kamen. Damit konnte die JU (neben den CSU-Mandaten) ihren Anteil an Sitzen in den Kreistagen fast verdoppeln und den Gemeinderäten fast verdreifachen. Die CSU erhielt in 91 Landkreisen die Stimmenmehrheit, die SPD in drei und die Grünen in zwei Landkreisen.

Andererseits konnte sich – wie bei allen Wahlen derzeit – der Populismus von Rechtsaußen auch bei dieser Wahl Luft verschaffen: Der größte Profiteur der aktuellen politischen Stimmung ist die AfD, die ihre Stimmen mehr als verdoppeln konnte. Damit konnte sie ihren Anteil an Sitzen in den kommunalen Parlamenten deutlich steigern, aber sie werden dort keine führende Rolle spielen können. Noch auffälliger ist, dass es die AfD in keine Stichwahl geschafft hat. Dies unterstreicht, dass sie immer noch weitgehend eine Protestpartei ist, der es an überzeugendem Führungspersonal mangelt.

Stichwahlen: Großstädtische Wechselbereitschaft

Am 22. März kam es in etwa 400 Städten und Gemeinden in Bayern zu Stichwahlen. Auf großes mediales Interesse stieß das Abschneiden in den Großstädten.

In der Landeshauptstadt München trat der amtierende Oberbürgermeister Dieter Reiter, der lange als sicherer Favorit gegolten hatte, aber im ersten Wahlgang nur auf 35,6% der Stimmen gekommen war, in die Stichwahl gegen den Kandidaten der Grünen, Dominik Krause (29,5%) an. Die Münchner CSU, deren Kandidat Clemens Baumgärtner nur auf 21,3% gekommen war, sprach sich für die Wahl Reiters aus. Dennoch erreichte der Amtsinhaber nur 43,6%, während Krause auf 56,4% der Stimmen kam und nun erster grüner Oberbürgermeister Münchens wird.

In Nürnberg – lange Jahre eine SPD-Hochburg – hat Markus König von der CSU die Stichwahl mit 55,5% der Stimmen gewonnen und bleibt damit Oberbürgermeister von Nürnberg. Er hatte 2020 sein Amt in einer Stichwahl gegen den SPD-Kandidaten gewonnen und mit 46,3% im ersten Wahlgang beinahe die absolute Mehrheit erreicht. Nun musste er in die Stichwahl gegen den Kandidaten der SPD, Dr. Ahmed Nasser, der auf 24,3% gekommen war und sich in der Stichwahl auf 44,5% verbesserte

In Augsburg wollte Eva Weber von der CSU das Amt der Oberbürgermeisterin verteidigen, das sie 2020 gegen den SPD-Kandidaten gewonnen hatte. Sie kam auf 34% und musste in die Stichwahl gegen den Kandidaten der SPD, Dr. Florian Freund (19,9%). Dieser kam dort auf 56,6% der Stimmen und überholte Eva Weber, die nur auf 43,4% der Stimmen kam. Damit hat Augsburg zum ersten Mal seit 18 Jahren wieder einen SPD-Oberbürgermeister.

In Regensburg trat Dr. Astrid Freudenstein von der CSU an. Sie kam auf 37,5% der Stimmen und musste in die Stichwahl gegen den Kandidaten der SPD, Dr. Thomas Burger (19,1%). Regensburg blieb in der Hand der SPD (deren OB nicht mehr angetreten war): Dieser erreichte 53,2% gegenüber 46,8% der Stimmen für Astrid Freudenstein.

Insgesamt war die Wahlbeteiligung bei den Stichwahlen in Bayern niedriger – 44,1% gegenüber 53,6% in den entsprechenden Wahlgebieten am 8. März, was den Persönlichkeitsfaktor noch einmal verstärkt haben dürfte. In den insgesamt 71 Landkreisen in Bayern kam es allein in 29 zu einer Stichwahl; im ersten Wahlgang konnte die CSU schon 25 direkt gewinnen, fünf gingen an die Freien Wähler und einer an die SPD. Anders als in den Großstädten kamen dort die Freien Wähler in vielen Kreisen in den zweiten Wahlgang. Insgesamt konnte die CSU neun Stichwahlen in Landkreisen gewinnen. Eine Überraschung war das Ergebnis der Landratswahl in Landsberg am Lech, wo sich Daniela Groß von den Grünen gegen den Amtsinhaber Thomas Eichinger von der CSU durchsetzen konnte. In 20 dieser Stichwahlen traf ein Kandidat der CSU auf einen Kandidaten von den Freien Wählern. In diesen ländlichen Regionen setzten sich die Freien Wähler 14 Mal durch. Daneben gewannen sie erstmals in Kempten und in Amberg den Posten des Oberbürgermeisters. In Erlangen konnte sich dagegen der CSU-Herausforderer Jörg Volleth gegen den Amtsinhaber Florian Jannik von der SPD durchsetzen.

Die zweite Runde als Belastungstest für die Amtsinhaber

Das Ergebnis der Kommunalwahlen in Bayern vom 8. und 22. März 2026 zeigt ein gemischtes Bild: Einerseits reiht sich das Gesamtergebnis der Gremienwahlen ein in den längerfristigen Trend des Wahlverhaltens in Bayern: Die CSU kann mit leichten Verlusten ihre führende Position halten, die Freien Wähler sowie andere freie Listen bleiben in etwa auf ihrem Niveau, die Grünen verlieren stärker als die SPD, die sich aber besser hält als im Landesdurchschnitt. Die AfD gewinnt an Prozenten und Mandaten hinzu, bliebt aber weit davon entfernt, eine relevante Rolle in der Kommunalpolitik einzunehmen – sie erreichten keine Stichwahl und stellen keinen einzigen (Ober)Bürgermeister.

Auf der anderen Seite zeigen sich kommunale Besonderheiten, die vor allem in den Stichwahlen deutlich werden. Dort gab es Überraschungen, wo sich Amtsinhaber nicht durchsetzen konnten und Herausforderer überraschend gewonnen haben. Anscheinend ist ein Amtsbonus allein heute nicht mehr ausreichend für einen klaren Wahlsieg. Davon haben CSU und SPD, aber diesmal auch Grüne und vor allem in den Landkreisen die Freien Wähler profitiert. Dies bedeutet auch, dass die Wählerschaften der jeweils unterlegenen Kandidaten und Listen flexibel auf die jeweiligen Angebote reagiert haben mussten – eine Stammwählerschaft, die sich ausschließlich an der Parteiidentifikation orientiert, spielt hier noch weniger eine Rolle als bei Landtags- oder Bundestagswahlen. Ein deutliches Signal ist aber auch: Es haben sich überall Kandidaten der demokratischen Mitte durchgesetzt. Dies ist möglicherweise das wichtigste Signal für die Landes- und Bundespolitik.

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Leitung: Dr. Gerhard Hirscher
Grundlagen der Demokratie, Parteienentwicklung, Wahlforschung
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