Kommunalpolitik: Wer anpackt, bewegt.
Mut, Vision und Zusammenhalt
Von 1996 bis 2002 studierte sie Rechtswissenschaften in Augsburg und Bayreuth und absolvierte anschließend ihr Referendariat in Nürnberg. Nach beruflichen Stationen im Sparkassenverband München und der Industrie- und Handelskammer Schwaben in Augsburg wechselte Frau Weber 2009 ins Wirtschaftsreferat der Stadt Augsburg, wo sie 2011 zur Wirtschaftsreferentin gewählt wurde. Seit 2020 ist sie Oberbürgermeisterin der Stadt Augsburg.
Martin Augsburger
HSS: Was war bisher Ihr größter Erfolg in Ihrem Amt, auf den Sie stolz sind?
Eva Weber: Seit meinem Amtsantritt musste ich gemeinsam mit der Augsburger Stadtfamilie viele herausfordernde Themen und Zeiten bestehen: Pandemie, Krieg gegen die Ukraine, Energiekrise und die überall spürbare Verunsicherung unsere Demokratie betreffend. Gerade in Augsburg, wo 50 % der Menschen eine Zuwanderungsgeschichte haben, könnte man denken, dass das Zusammenleben fragil ist. Dem ist aber nicht so. Ich bin stolz darauf, dass wir in Augsburg, trotz der herausfordernden Zeiten, so friedlich und gut zusammenleben. Dies betrifft auch die politisch Verantwortlichen. Trotz unterschiedlicher Meinungen, die der Politik nun einmal immanent sind, arbeiten wir im Stadtrat gut zusammen und verabschieden die meisten unserer Beschlüsse einstimmig. Das ist wichtig, denn Kommunalpolitik ist nah an den Menschen dran und prägt die Erfahrung der Menschen mit Politik. Sie zahlt ganz wesentlich auf das Vertrauen der Menschen in Politik und Demokratie ein.
HSS: Was machen Frauen anders in ihrem Amt?
Eva Weber: Es ist ja eigentlich schon krass, dass eine solche Frage überhaupt gestellt wird in der heutigen Zeit, im Jahr 2025. Aber anscheinend ist es immer noch ein Thema. Im Jahr 2020, als ich gewählt wurde, war ich in Augsburg die erste Frau im Amt der Oberbürgermeisterin nach 2035 Jahren Stadtgeschichte. Und auch heute ist es so, dass nur neun Prozent der Rathäuser von Frauen geführt werden. Das sind im Übrigen weniger als Oberbürgermeister, die Thomas heißen. Also insofern zeigt sich schon, dass da wirklich noch viel Bedarf besteht.
Und ja, jeder Mensch führt natürlich anders und ich glaube gar nicht, dass das unbedingt damit zu tun hat, ob man ein Mann oder eine Frau ist. Es hat viel mehr damit zu tun, welche Erfahrungen man gemacht hat, welche Schwerpunkte man im Amt setzt und wie man auch einfach als Mensch ist. Deswegen: Nur Mut! Es gibt kein Rezept, wie man dieses Amt führen kann. Ich glaube, dass es vor allem wichtig ist, dass man authentisch ist, dass man bei sich ist und dass man eine Idee und eine Vision hat, was man in seiner Stadt, in seiner Kommune erreichen möchte.
Antwort als Video
HSS: Mussten Sie Ihrer Ansicht nach im Vergleich zu Männern mehr leisten, um politisch weiterzukommen?
Eva Weber: Ja, das würde ich schon sagen. Grundlegend müssen viele Frauen im Berufsleben gegen tiefverwurzelte Stereotype und Vorurteile ankämpfen. Insbesondere Führung wird Frauen oft nicht zugetraut, obwohl sie über die gleichen Qualifikationen wie männliche Kollegen verfügen. Frauen in der Politik müssen oft höhere Standards erfüllen als Männer. Sie gelten als weniger durchsetzungsfähig und ihnen werden verstärkt eher "weicher" konnotierte Themen zugeschrieben. Als ehemalige Wirtschafts- und Finanzreferentin war ich von Beginn meiner kommunalpolitischen Laufbahn an ein Gegenbeispiel. Und es ist leider nach wie vor so, dass man als Frau aktiv gegen diese Vorurteile arbeiten und sich beweisen muss - mehr als es ein Mann müsste. Auch in der medialen Darstellung gibt es Unterschiede: Hier erlebe ich oft, dass Frauen kritischer von Medien behandelt werden, bzw. dass äußerliche Merkmale und persönliches Leben mehr in den Fokus gerückt werden als bei meinen männlichen Kollegen.
HSS: Vielen Dank Frau Weber.
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Oberbürgermeisterin von Augsburg