Kommunalwahlen in Bayern
Stimmungstest im Freistaat
Bei der Kommunalwahl kam Clemens Baumgärtner (rechts), CSU-Kandidat für die Münchner OB-Wahl, mit 21,3% der Stimmen auf den dritten Platz. Der amtierende Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), Mitte, kam auf 35,6% der Stimmen und muss nun in die Stichwahl gegen den Kandidaten der Grünen, Dominik Krause (29,5%), links.
Sven Simon/Imago
Die Kommunalpolitik entscheidet über zentrale Lebensbereiche – vor allem aber über die Lebenswirklichkeit des Einzelnen vor Ort: Wohnungsbau, Kinderbetreuung, Schulen, Verkehr, Energieversorgung, kommunale Finanzen, Digitalisierung der Verwaltung sowie über den Umgang mit dem demografischen Wandel. Hinzu kommen regionale Themen wie Flächenverbrauch, Hochwasserschutz, ärztliche Versorgung im ländlichen Raum oder die Entwicklung von Innenstädten.
Die Kommunalwahlen 2026 in Bayern – Trends und Tendenzen
Die Kommunalwahl reiht sich ein in den Trend zu einer wachsenden Bereitschaft zur Wahlbeteiligung. In einer Umfrage des BR (Bayerntrend) kurz vor der Wahl zeigten sich 72% der Wahlberechtigten interessiert an dieser Wahl – ein für Kommunalwahlen sehr hoher Wert. Dies ließ – wie bei allen Wahlen der vergangenen Jahre – eine starke Mobilisierung und höhere Wahlbeteiligung erwarten. Diese zusätzliche Mobilisierung kam einerseits der AfD zugute, der zwar nur von 9% der Wahlberechtigten Lösungskompetenz zugeschrieben wurde, was aber ebenfalls einen Anstieg bedeutete. Immerhin 26% der Wahlberechtigten wollten keiner Partei diese Lösungskompetenz zubilligen. Andererseits wurde mehrheitlich den angetretenen Parteien und Listen durchaus diese Kompetenz zugebilligt, darunter von 25% der CSU und von 13% lokalen Listen und 10% den Freien Wählern. Die anderen Parteien lagen darunter: SPD 9%, Grüne 5% und Linke 3%.
Die Ergebnisse – bayernweit und in den großen Städten
Die Wahlbeteiligung lag bei der Kommunalwahl 2020 insgesamt bei 58,8%. Die Steigerung auf 53,6% bei den OB-Wahlen in den kreisfreien Städten und 67,2% bei den Landräten liegt im Trend der überregionalen Wahlen in Deutschland in den letzten Jahren.
Neben dieser allgemeinen Stimmungslage stellt sich bei den Kommunalwahlen immer die Frage, ob ein Amtsinhaber wieder antritt und damit fast immer mit einem Amtsbonus rechnen kann. Dies trifft für die Landeshauptstadt München zu, wo der Oberbürgermeister Dieter Reiter, SPD wieder angetreten ist. In München blieben die Grünen stärkste Partei mit 25,6% vor der CDU mit 24,9%. Die SPD kam auf 19,1%. Mit großem Abstand folgte die Linke mit 6,5%, die AfD mit 5,9% und Volt mit 4,7%. Dies bedeutet 21 Sitze für die Grünen, 19 für die CSU und 15 für die SPD. Line und AfD erhalten jeweils 5 Sitze, Volt 4 Sitze. Damit wäre ein Zweierbündnis ohne Mehrheit.
Der amtierende Oberbürgermeister Reiter kam überraschend auf nur 35,6% der Stimmen und muss nun in die Stichwahl gegen den Kandidaten der Grünen, Dominik Krause (29,5%). Der Kandidat der CSU, Clemens Baumgärtner, kam mit 21,3% nur auf den dritten Platz; alle weiteren Kandidaten landeten weit abgeschlagen – der AfD-Kandidat Markus Walbrunn kam nur auf 4,4%.
In Nürnberg trat Markus König von der CSU wieder an, der 2020 sein Amt in einer Stichwahl gegen den SPD-Kandidaten gewonnen hatte. Hier ist die CSU mit 24 Sitzen (33,7% der Stimmen) die stärkste Fraktion, gefolgt von der SPD mit 13 Sitzen (18,3%) und den Grünen mit 10 (14,8%), die Linke erreichte 5 (6,6%) und die AfD 8 Sitze (11,3%). Das Bündnis aus CSU und SPD wurde Basis der Stadtregierung, die in zentralen Fragen mit den Grünen zusammengearbeitet haben. Markus König kam jetzt auf 46,3% und muss nun in die Stichwahl gegen den Kandidaten der SPD, Dr. Ahmed Nasser (24,3%). Britta Walthelm von den Grünen kam auf 10,2%, der AfD-Kandidat Roland-Alexander Hübscher auf 9,1%. Ein Zweierbündnis unter Führung der CSU wäre hier möglich.
In Augsburg wollte Eva Weber, CSU, das Amt der Oberbürgermeisterin verteidigen, das sie 2020 gegen den SPD-Kandidaten gewonnen hatte. In Augsburg wurde die CSU stärkste Partei mit 27,2%. Es folgt die AfD mit 17,4%, die Grünen mit 16,4%, die SPD mit 13,3% und die Linke mit 7,5%. Eva Weber kam bei der OB-Wahl auf 34% und muss in die Stichwahl gegen den Kandidaten der SPD, Dr. Florian Freund (19,9%). Die Kandidatin der Grünen und zweite Bürgermeisterin Martina Wild kam auf 16,4%, der AfD-Kandidat Andreas Jurca auf 12,4%.
In Regensburg trat Dr. Astrid Freudenstein von der CSU an, die bei der vergangenen Kommunalwahl in der Stichwahl knapp gegen die SPD-Kandidatin verloren hatte, die jedoch bei dieser Wahl nicht mehr angetreten war. Im Stadtrat wurde die CSU stärkste Partei mit 26,8% (13 Sitze) vor den Grünen mit 18,3% (9 Sitze) und der SPD mit 12,2% (6 Sitze). Eine Liste namens Brücke kam auf 7,3% (4 Sitze), die Freien Wähler auf 5,9% (3 Sitze) die anderen Listen kamen auf deutlich weniger Stimmen, darunter die FDP mit 3,3% (2 Sitze), die AfD mit 9,3% (5 Sitze) und die Linke mit 7,2% (4 Sitze). Dr. Astrid Freudenstein kam jetzt auf 37,5% und muss in die Stichwahl gegen den Kandidaten der SPD, Dr. Thomas Burger (19,1%). Die Kandidatin der Grünen, Dr. Helene Sigloch, kam auf 16,9%; die AfD hatte keinen Kandidaten aufgestellt. Ein Zweierbündnis ist nicht möglich.
In drei Großstädten wurde die CSU stärkste Partei, in München blieb sie knapp hinter den Grünen. Sie konnte ihre Position im Wesentlichen halten, nur in Augsburg waren größere Verluste zu verzeichnen. Dort erreichte die AfD auch ihr besten Ergebnis unter den Großstädten. Generell ist in allen Städten eine größere Zersplitterung der Stimmenanteile zu verzeichnen, was die Koalitionsbildung erschwert: Zweierbündnisse sind bis auf Nürnberg nicht möglich; es bleiben Koalitionen aus CSU, SPD und/oder Grünen oder solche unter Einbeziehung einer oder mehrerer Kleingruppen möglich. Die siegreichen Kandidaten in den Stichwahlen werden daher teilweise mit schwierigen Konstellationen im Stadtrat konfrontiert werden.
In Nürnberg und Augsburg stehen die Chancen gut, dass die CSU das Oberbürgermeisteramt behalten und in Regensburg neu erringen kann. Im Gegensatz zu München, wo der Kandidat der Grünen von Fehlern im Wahlkampf des amtierenden Oberbürgermeisters Reiter profitieren konnte, blieben die Grünen in den anderen Städten unter ihren Erwartungen; die AfD konnte zulegen, hatte aber mit ihren Kandidaten nirgendwo eine Chance auf den Gewinn eines Amtes und schafften es in keine relevante Stichwahl.
In diesen Großstädten wurde wieder deutlich, dass es sich bei einer Kommunalwahl immer stark um eine Personenwahl handelt.
Auf das ganze Land gesehen zeichnet sich ein gutes Ergebnis für die CSU ab: So wurden laut Statistischem Landesamt bei 62 Landratswahlen bereits 33 im ersten Wahlgang entschieden, von denen allein 25 an die CSU gingen. Bei Oberbürgermeister- und Bürgermeisterwahlen in Gemeinden über 10.000 Einwohner wurden 109 im ersten Wahlgang entschieden, von denen 67 an die CSU gingen. Die AfD konnte auch hier keine Wahl für sich entscheiden. Für die Stichwahl am 22. März ist dies ein gutes Zeichen für die demokratischen Parteien in Bayern.
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