Auftakt der Dialogreihe „Bayern, wie wir es sehen“
Wie soll Bayern im Jahr 20240 aussehen? Junge Menschen diskutieren, wie sie leben wollen
Mit dem Auftakt der Dialogreihe „Bayern, wie wir es sehen“ hat die Hanns-Seidel-Stiftung ein klares Signal gesetzt: Die Perspektiven der jungen Generation sollen stärker in politische Entscheidungsprozesse einfließen. Im Rahmen einer Fishbowl-Diskussion traten Stipendiatinnen und Stipendiaten in einen offenen Austausch mit dem CSU-Fraktionsvorsitzenden Klaus Holetschek, MdL, sowie weiteren Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Im Zentrum stand die Frage, wie sich Bayern bis 2040 entwickeln soll.
Markus Ferber, MdEP, Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung
Bayern 2040: Wie wir arbeiten, wohnen, leben
Der Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, Markus Ferber, MdEP, rief in seiner Begrüßung dazu auf, das Jahr 2040 nicht als abstrakte Jahreszahl zu verstehen: „Wenn wir über Bayern 2040 sprechen, dann geht es ganz konkret um unseren Alltag: wie wir arbeiten und wohnen, wie wir uns fortbewegen und welche Rolle Technologie spielt. Und es geht um die großen Fragen unserer Gesellschaft: Wie wir miteinander leben, wie wir unsere Demokratie gestalten und was Wohlstand und Lebensqualität künftig bedeuten.“ Es brauche Mut, über den politischen Alltag hinauszudenken, um Herausforderungen in Chancen umzuwandeln.
Klaus Holetschek, MdL, Fraktionsvorsitzender der CSU im Bayerischen Landtag
Klaus Holetschek: Veränderung als Voraussetzung für die Gestaltung der Zukunft
In seiner Keynote warb Klaus Holetschek, MdL, für mehr Mut zur inhaltlichen Auseinandersetzung und rief dazu auf, „mal wieder miteinander in den Fight zu gehen“ – im Ringen um die besten Ideen für die Zukunft. Voraussetzung dafür sei, den Blick über das politische Tagesgeschäft hinaus zu heben, sich bewusst Zeit für grundlegende Fragen zu nehmen und ein gemeinsames Bild davon zu entwickeln, wie Menschen in Bayern 2040 leben wollen. Zugleich machte er deutlich:
„Wenn wir ein Bayern erhalten wollen, in dem wir gerne leben, dann brauchen wir Veränderung. Wenn wir uns nicht verändern, werden wir auch die Zukunft nicht gestalten können."
Klaus Holetschek, MdL und CSU-Fraktionsvorsitzender
Zukunftsforscherin Laura Bechthold steckt die Rahmenbedingungen ab
Die Zukunftsforscherin Prof. Laura Bechthold vom Bayerischen Foresight-Institut der Technischen Hochschule Ingolstadt, zeigte auf, welche zentralen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden müssen, wenn tragfähige Zukunftsszenarien entwickelt werden sollen:
Technologische Umbrüche: Gleichzeitige Innovationen im Bereich von KI, Sensortechnologie, Bioengineering und Quantentechnologie führen zu neuen Wertschöpfungsmodellen.
Multipolare Weltordnung: Die Verschiebung und Aufspaltung globaler Machtzentren beeinflusst traditionelle Allianzen und regionale Dynamiken.
Langlebigkeit: Die durchschnittliche Lebensspanne wird sich weiter erhöhen, was erhebliche Auswirkungen auf Lebensmodelle haben wird.
Superdiversität: Die Gesellschaft wird diverser, die Scheren zwischen verschiedenen Gruppen werden größer.
Klimaerwärmung: Extremwetterereignisse wie Hitze und Starkregen nehmen zu.
Prof. Laura Bechthold, Zukunftsforscherin am Bayerischen Foresight-Institut der Technischen Hochschule Ingolstadt
Stipendiaten bringen ihre Ideen für ein bessere Zukunft ein
In der anschließenden Fishbowl-Diskussion traten die Stipendiatinnen und Stipendiaten in den direkten Austausch mit Klaus Holetschek und diskutierten ihre Ideen, Hoffnungen und auch Sorgen. Der kontinuierliche Wechsel der Gesprächspartner brachte immer neue Perspektiven ein und ließ – gleich einem Kaleidoskop – vielfältige Zukunftsbilder entstehen. Im Fokus standen dabei unter anderem die Chancen eines erneuerten Ordoliberalismus, also einer Wirtschaftsordnung, die freie Märkte mit klaren staatlichen Regeln verbindet, die Frage nach individueller Freiheit und Entfaltung, ein ehrlicher Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderungen und Zumutungen, Generationengerechtigkeit sowie mehr Partizipation im politischen Prozess. Ebenso wurde über einen langfristig wirksamen Mitteleinsatz und die Gewährleistung von Sicherheit in digitalen Räumen intensiv diskutiert.
Von links: Klaus Holetschek, MdL und CSU-Fraktionsvorsitzender, sowie Josia Topf, Goldmedaillengewinner bei den Paralympics in Paris 2024
Impulse für eine Neuausrichtung aus der Verwaltung, Jugend, Medien und Sport
Begleitet wurde die Diskussion von Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Bereichen des öffentlichen Lebens, die jeweils ihre spezifische Expertise einbrachten. So plädierte Prof. Ferdinand Wollenschläger von der Universität Augsburg für ein Umdenken in der Verwaltung: Diese vertraue den Bürgern bislang zu wenig. Denkbar sei eine Systemumkehr, bei der abgegebene Erklärungen zunächst als glaubwürdig gelten – verbunden allerdings mit konsequenteren Sanktionen bei Vertrauensmissbrauch.
Philipp Seitz, Präsident des Bayerischen Jugendrings, hob hervor, wie wichtig es sei, jungen Menschen Selbstwirksamkeitserfahrungen zu ermöglichen – auch als Grundlage für eine stärkere Bindung an ihren Lebensort. Der Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, Christian Nitsche, betonte die Bedeutung von Heimat und Identität im bayerischen Kontext und verwies darauf, dass es einen medialen Spiegel brauche, der sichtbar macht, was Bayern auszeichnet.
Auch der Paralympics-Sieger Josia Topf griff den Aspekt der Identitätsbildung auf und verwies auf Nachholbedarf im Sport – insbesondere, wenn es darum gehe, im wahrsten Sinne des Wortes Flagge zu zeigen.
Prinz Ludwig von Bayern schließlich betonte, dass es zwar so etwas wie eine „Bayern-DNA“ gebe, diese sich jedoch mit jeder Generation weiterentwickle. Mehr Diversität sei dabei kein Grund zur Sorge, weil sich stets etwas entwickle, das auf seine Weise vollkommen bayerisch ist.
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