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#HSSnachhaltig vor Ort
Zum Weltnaturgipfel: Thema Artenschutz

Autorin/Autor: Silke Franke

Aktuell findet in Montreal der Weltnaturgipfel statt. Es geht um den Erhalt der biologischen Vielfalt. Viele Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. Jeder kann in seinem Umfeld einen Beitrag leisten, zum Beispiel durch Insektenschutz. Während die Honigbienen jedermann ein Begriff sind, dürfte das Wissen über die einzelgängerischen Wildbienen und andere Insektenvertreter eher dürftig sein. Doch auch sie brauchen Schutz.

Lebensraum für Insekten

Ein Mann und eine Frau stehen vor einer Urkunde und halten ein Glas Honig in der Hand

Imker Manderscheid mit Silke Franke von der AG Nachhaltigkeit der HSS bei der Übergabe der Honiggläser.

HSS

Vom Sommer 2021 bis zum Sommer 2022 - ein Jahr lang haben wir „unsere“ HSS-Honigbienen begleitet und einiges über sie gelernt (siehe Info-Box). Sie hatten ihren ersten Winter bei uns gut überstanden, inzwischen konnten wir den ersten Sommerblüte-Honig in Empfang nehmen.

Wir wollten nicht nur etwas für die uns nützlichen Honiglieferanten tun, sondern uns auch für die Wildbienen einsetzen, die eine wichtige Rolle im Naturhaushalt spielen und besondere Unterstützung brauchen. Über die Hälfte der Wildbienenarten in Deutschland steht auf der Roten Liste.

Im Rahmen unseres Schülerferienprogramm im Bildungszentrum Kloster Banz haben Schülerinnen und Schüler daher ein Insektenhotel anfertigt. Angeleitet wurden sie dabei von Referenten des Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV), Kreisgruppe Coburg. Diese kennen sich nicht nur Amsel, Rotkehlchen und weiteren Vögeln aus, sondern auch mit Insekten, denn Insektenschutz ist Vogelschutz! Neben Samen und Körnern sind Insekten eine Nahrungsquelle für Vögel. Was sollte man wissen, wenn man Insekten einen Lebensraum bieten will?

Die Insektenwelt ist faszinierend und braucht Vielfalt

Damit sich Wildbienen, Hummeln, Wespen, Florfliegen und auch Ohrwürmer wohlfühlen, brauchen sie Gärten mit blühenden, heimischen Pflanzen und einen gewissen Strukturreichtum – denn manche Insekten fühlen sich in Totholzhaufen, Trockenmauern oder offenen Sandflächen wohl, andere beziehen gerne künstliche Nisthilfen, wie sie ein Insektenhotel bietet.

Eine dunkelfarbige Biene steckt ihren Kopf in ein vorgefertigtes Bohrloch.

Die Hahnenfuß-Scherenbiene ist, wie der Name schon verrät, bei ihrer Pollenwahl auf Hahnenfuß spezialisiert.

Peter Könitzer; LBV Coburg

Bienen saugen Nektar als Nahrungsquelle und sammeln Blütenpollen für ihre Brut. Dabei tragen sie die Pollen von einer Blüte zur anderen und befruchten die Pflanzen.

Im Gegensatz zu den in Völkern lebenden Honigbienen leben die meisten Wildbienen allein (solitär). Es gibt also keinen Arbeiterstaat, sondern nur Männchen und Weibchen, wobei die Weibchen Nestbau und Brutpflege betreiben.

Manche Wildbienenarten sind bei der Wahl der Pollen hochspezialisiert und auf ganz bestimmte Pflanzenfamilien oder gar –arten angewiesen. Beispiele sind die Dunkle Weidensandbiene, die Natternkopf-Mauerbiene oder die Glockenblumen-Scherenbiene. Möglichst artenreiche blühende Wiesen sind daher beste Voraussetzung für einen Artenreichtum bei den Insekten.

Auch im Nestbau unterscheiden sich die Bedürfnisse sehr stark. Es gibt etwa 750 Wildbienenarten im deutschsprachigen Raum

  • 50 Prozent nisten im Erdboden
  • 3 Prozent nagen ihre Gänge ins Holz oder in markhaltige Pflanzenstängel
  • 19 Prozent nutzen bestehende Hohlräume
  • 1 Prozent parasitieren (d.h. sie schmuggeln ihre Eier in die Brutzellen anderer Bienenarten)
  • Bei 3 Prozent ist die Nistweise bislang nicht bekannt

Manche Arten sind zusätzlich auf ganz bestimmte Baumaterialien angewiesen. Die Mohn-Mauerbiene beispielsweise kleidet ihre Brutzellen ausschließlich mit den Blütenblättern des Klatschmohns aus.

Beispiele und Zahlen aus:
Werner David: Fertig zum Einzug: Nisthilfen für Wildbienen, Leitfaden für Bau und Praxis – so gelingt´s. Pala-Verlag 2016

Nistmöglichkeiten schaffen – ein Insektenhotel

Ein Insektenhotel, das Schülerinnen und Schüler gemeinsam in einem Kurs angefertigt haben. Noch steht es in Kloster Banz, nächstes Frühjahr wird es nach München in die Zentrale der HSS gebracht und im Gartenbereich aufgestellt.

Ein Insektenhotel, das Schülerinnen und Schüler gemeinsam in einem Kurs angefertigt haben. Noch steht es in Kloster Banz, nächstes Frühjahr wird es nach München in die Zentrale der HSS gebracht und im Gartenbereich aufgestellt.

Thomas Tippelt; LBV Coburg

Mittlerweile gibt es in vielen Baumärkten und Supermärkten Insektenhotels in allen möglichen Größen zu kaufen, von kleinen Ausgaben für den Balkon bis hin zu großen Aufstellern im Garten. Doch oft sind diese praxisuntauglich. Kiefernzapfen und Holzhäcksel etwa bringen wenig, ebenso ausgefranste Schilfhalme oder Röhren mit viel zu großen Durchmessern. Nachfolgend einige Hinweise, die uns die Profis vom LBV mitgaben:

Für den erfolgreichen Bezug ist der Durchmesser (und die Gangtiefe) der Löcher letztendlich entscheidender als das verwendete Material, etwa:

  • Hohle Stängel
    Halme und Stängel von Schilf, Holunder, Bambus oder Sommerflieder werden von Insekten gerne zur Eiablage genutzt. Die Einflugseite sollte sauber und glatt sein, damit die Flügel der Insekten nicht verletzt werden. Die Rückseite sollte mit Lehm oder Gips verschlossen sein oder fest an einer Wand verbaut werden.
  • Ziegelsteine
    Für Ziegelsteine gilt das ebenso: Sie sollten einseitig verschlossen werden, damit sich den Insekten eine Nisthöhle bietet. Löcher, die größer als 8 mm im Durchmesser sind, werden kaum bezogen. Kleine Löcher werden bevorzugt. Größere können mit Schilfstängeln gestopft werden, um mehreren Insekten Lebensraum zu schaffen.
  • Holzabschnitte
    Hohlraumbewohnende, einzeln lebende Wildbienenarten fühlen sich hier besonders wohl. Wichtig ist hierbei, dass Hartholz verwendet wird, wie Eiche, Buche, Esche oder Obsthölzer. Die Bohrlöcher sollten quer zum Faserverlauf verlaufen ,  sie  müssen sauber, glatt und splitterfrei sein. Die Durchmesser können zwischen 2 und 9 mm aufweisen, wobei der Schwerpunkt bei eher 3-6 mm liegen sollte. Bei der Gangtiefe werden 8-10 cm empfohlen.

Von der äußeren Form her sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt, ein kleines Dach schützt das Gebilde vor Regen. Wer nicht viel Platz hat, kann letztendlich auch aus einer Konservendose ein Zuhause für Insekten basteln und diese mit hohlen Stängeln füllen. Mithilfe von Gips, Spachtelmasse, Lehm oder Bienenwachs können die Halme in der Dose fixiert werden.

Eine Gehörnte Mauerbiene inspiziert das Loch – eignet es sich als Nistplatz? Wichtig ist der Durchmesser und die saubere, glatte Verarbeitung.

Eine Gehörnte Mauerbiene inspiziert das Loch – eignet es sich als Nistplatz? Wichtig ist der Durchmesser und die saubere, glatte Verarbeitung.

Peter Könitzer; LBV Coburg

Naturschutz daheim und global: Die Welt blickt auf Montreal

Wir hoffen, dass wir auch nächstes Jahr wieder Jugendliche begeistern können, für Lebensräume von Insekten kreativ werden. An dieser Stelle ein Danke für das Insektenhotel!
Jeder Beitrag für mehr Natur- und Artenschutz zählt. Und das hier bei uns wie auch weltweit, von jedem Einzelnen wie auch von der Staatengemeinschaft.

Vom 7. bis 19. Dezember 2022 findet in Montreal (Kanada) die 15. Weltnaturkonferenz statt. Dazu wollen die Regierungsvertreter der Staaten eine neue globale Vereinbarung für biologische Vielfalt bis 2050 verabschieden ("Global Biodiversity Framework"). Ziel ist eine Trendwende beim Artensterben und der Zerstörung einzuläuten, hin zur Wiederherstellung der Natur.
Dazu müssen die Ursachen aufgegriffen werden, die zum Verlust der biologischen Vielfalt beitragen, wie die Zerstörung und Ausbeutung der Natur auf dem Land wie in den Meeren, aber auch die Folgen der Klimakrise, die Umweltverschmutzung und die Ausbreitung invasiver Arten.
Nun gilt es, entsprechende Ziele auszuhandeln. Deutschland unterstützt u.a. das sogenannte 30x30 Schutzgebietsziel: Bis 2030 sollen mindestens jeweils 30 Prozent der Fläche an Land und im Meer unter Schutz gestellt werden. Weitere Ziele befassen sich unter anderem einer nachhaltigeren Naturnutzung, mit der Reduktion der Umweltverschmutzung oder der Wiederherstellung zerstörter Ökosysteme.

Lesen Sie hier, welche Projekte die Hanns-Seidel-Stiftung in dem Zusammenhang bisher unterstützt hat.

Kontakt

Leiterin: Silke Franke
Umwelt und Energie, Städte, Ländlicher Raum
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