Weltklimakonferenz 2025
COP30 in Brasilien: Erwartungen an den UN-Klimagipfel
Die COP30 findet vom 10. bis 21. November in der Amazonasstadt Belém statt.
IMAGO/Xinhua
Bélem liegt im Nordosten Brasiliens und ist die wichtigste Hafenstadt im Amazonasgebiet. Vom 10. bis 21. November 2025 wird die Großstadt der Schauplatz des globalen Klimagipfels sein. Ein symbolträchtiger Ort, denn der Amazonas-Regenwald mit seinem Artenreichtum und den Wasser- und Kohlenstoffkreisläufen gehört zu den stützenden Elementen im Gesamtsystem der Erde. Doch die Erderwärmung und die Abholzung des Regenwaldes könnten den Wald und damit das System an eine kritische Grenze bringen, sagen Forscher.
Während der Klimawandel voranschreitet, werden die Verhandlungen immer schwieriger. Konnte mit dem Pariser Klimaabkommen 2015 noch ein großer Erfolg gefeiert werden, ging es seitdem um die Umsetzungsdetails des Abkommens – mit nur noch mühsamen, kleinen Fortschritten. Das diesjährige Gipfeltreffen findet in einer Zeit statt, in der das politische und gesellschaftliche Desinteresse an Klimaschutz so groß ist wie nie zuvor in den vergangenen zehn Jahren und von anderen Themen wie Wirtschaft und Sicherheit verdrängt wurde.
USA – von Klimaschutz zu Energiedominanz
Dr. Sonja Thielges forscht in der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP Berlin) zu deutscher und internationaler Klimapolitik.
Sonja Thilges, Stiftung Wissenschaft und Politik
Ein Beispiel ist die USA. Waren die Vereinigten Staaten unter Präsident Joe Biden noch Taktgeber, leitete Donald Trump eine deutliche Kehrtwende ein. An seinem ersten Amtstag erklärte der neue Präsident per Exekutivanordnung - abermals - den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen. Bereits im Wahlkampf hatte er angekündigt, den Inflation Reduction Act (IRA), Bidens großes Klimagesetz, rückabzuwickeln – und das auch konsequent umgesetzt. Zahlreiche Umweltregulierungen und –institutionen wurden regelrecht eingestampft, Forschungsmittel gestrichen. Dr. Sonja Thielges analysiert seit Jahren die Klima- und Energiepolitik der USA. In einer kürzlich von der Akademie für Politik und Zeitgeschehen durchgeführten Expertenrunde erläuterte sie die zwei Phasen der Kehrtwende (s.u.) „Seine Politik lässt sich kaum rückgängig machen“, so die Expertin. Im Fokus steht nun eine auf fossile Energien ausgerichtete Energiepolitik. Trump möchte die ohnehin hohe Erdgas- und Erdölproduktion der USA möglichst schnell weiter ankurbeln.
Zwei Phasen der Klima-Kehrtwende in den USA
Erste Phase Rückzug aus der internationalen Klimakooperation
Trump ist nicht nur aus dem Klimaabkommen von Paris ausgestiegen, sondern auch aus den sogenannten „Just Energy Transition Partnerships“ (JETP), einer Koalition aus zehn Geberländern, die Entwicklungsländer beim Umstieg von fossilen auf umweltfreundlichere Energiequellen unterstützt. Verkürzt kann man es also als eine „Energiewendepartnerschaft“ bezeichnen. Joe Biden wertete die Partnerschaft mit Indonesien, das beim Ausstieg aus der Kohle unterstützt werden sollte, noch als Vorzeigebeispiel, bei dem CO2-Emissionen eingespart und Arbeitsplätze geschaffen werden sollten.
Auch die Zahlungen an die UN Klimarahmenkonvention (UNFCCC) wurden eingestellt. Die Auflösung der Entwicklungshilfe-Agentur USAID, über die die USA weltweit Entwicklungsländer auch beim Klimaschutz unterstützt hatte, ist ein weiterer schmerzhafter Einschnitt.
Zweite Phase: Außenpolitische Flankierung der Energiedominanzstrategie wird konkreter
In diese Phase fallen Maßnahmen, wie der Handelskompromiss zwischen den USA und der EU, bei dem Zollsenkungen in Aussicht gestellt werden unter der Bedingung, dass die EU aus den USA Energie importiert. Auch die Kooperation mit Afrika wird auf eine „Strategie der Energie-Dominanz“ ausgerichtet. Gleichzeitig übt Trump Druck auf jene Mechanismen aus, die zum Klimaschutz beitragen wollen. Darunter fällt der CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM), also das zentrale außenpolitische Klimaschutzinstrument der EU, aber auch der Weltbank und der Internationalen Energie Agentur (IEA) wird zu verstehen gegeben, dass Klimaschutz nicht im Fokus stehen soll: Trump fährt damit „gezielte Angriffe auf Klimaschutzmaßnahmen“, im Inland wie im Ausland, befindet Thielges. Sie schätzt, dass die Emissionen der USA stagnieren oder nur sehr langsam sinken werden, was nicht unerheblich ist, da die USA neben China der größte Emittent der Welt sind. Und darüber hinaus hinterlässt Trump in der internationalen Klimapolitik eine Finanzierungslücke und ein Machtvakuum. Eine Chance wiederum für China oder Indien? Man wird sehen.
Agenda des Klimagipfels
So wird es spannend, welche Dynamik in Belem entfaltet wird. Auf der Agenda stehen, ähnlich wie die Jahre davor, v.a.
- Finanzhilfen für die Folgen des Klimawandels, bei dem vor allem die Länder, die am meisten betroffen sind – und oft am wenigsten dafür können - mehr Gelder fordern.
- Nationale Klimaschutzpläne (Nationally Determined Contributions, NDC), in denen die Staaten festlegen, wie sie ihre Emissionen bis zum Jahr 2035 senken wollen, wobei nur wenige die Abgabefrist eingehalten haben. Auch Deutschland und Europa stechen hier nicht positiv hervor.
Als Gastgeber will Brasilien traditionsgemäß mit einer „Action Agenda“ auch eigene Akzente setzen, hier liegt der Schwerpunkt auf dem Schutz der Tropenwälder, einer nachhaltigen Landwirtschaft und der Energiewende.
Zugleich rückt das Land Klimagerechtigkeit und globale Zusammenarbeit in den Mittelpunkt und will indigene und lokale Gemeinschaften stärker einbeziehen.
Blick auf Klimaschutzprojekte der Hanns-Seidel-Stiftung
Indigene Vertreter Boliviens setzen sich (im Rahmen der Präsidentschaftswahl 2025) im Austausch mit nationalen Politikern für ihre Rechte und Anliegen ein.
PBFCC/ HSS
Die Hanns-Seidel-Stiftung ist in der Region aktiv. Unser Kollege Victor Hagemann hat sein Büro in La Paz, in Bolivien, einem Nachbarland von Brasilien. Ein Land, das nur wenige kennen. Es ist 1,1 Millionen km² groß und zählt gut 11 Millionen Einwohner, die aber 36 verschiedenen Ethnien angehören. Auch die landschaftliche Vielfalt ist enorm – vom Amazonasbecken im Osten bis zu dem Hochgebirge der Anden im Westen.
Bolivien ist besonders vom Klimawandel betroffen: vom Gletscherrückgang bis hin zu zunehmenden Extremwetterereignissen. Waldbrände und die Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen beeinträchtigen die Umwelt, das gilt auch für den Bergbau (Vorkommen von Gold, Lithium etc.). Trotz der Ressourcen steckt das Land in einer tiefen wirtschaftlichen Krise.
Doch es gibt auch Chancen, denn an sich hat Bolivien das Potenzial für die Erzeugung von Wind- und Sonnenenergie sowie „Grünem Wasserstoff“. „Auch politisch hat sich etwas geändert“, berichtet Hagemann: „Nach 20 Jahren sozialistischer Herrschaft gewann bei der diesjährigen Präsidentschaftswahl der Mitte-Politiker Rodrigo Paz, der das Land auch gegenüber dem Westen öffnen möchte.“
Zur Stärkung der internationalen Präsenz Boliviens – und anderer lateinamerikanischer Länder – werden Delegationen zu regionalen und globalen Klimakonferenzen entsandt und betreut, so auch zur COP30. Insgesamt werden Teilnehmer aus zehn unserer Projektländer vertreten sein und sich in einem Side-Event präsentieren.
Weitere Information zum Thema
Über die Arbeit der Hanns-Seidel-Stiftung in Bolivien
Beitrag zur Weltklimakonferenz 2023 in Dubai
Beitrag zur Weltklimakonferenz 2022
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