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Podiumsdiskussion
Die Zukunft der deutschen Asylpolitik

Autorin/Autor: Dr. Susanne Schmid
, Eleonora Heinze

Die Zahl der Asylanträge und der irregulären Einreisen nach Deutschland und in die Europäische Union sind rückläufig. Das ist ein Zeichen dafür, dass erste Maßnahmen der sogenannten Migrationswende Wirkung zeigen.

Doch zugleich müssen wir feststellen: Länder und Kommunen stoßen bei der Unterbringung und Integration geflüchteter Menschen nach wie vor an ihre Belastungsgrenzen. Die Kapazitäten sind limitiert – nicht nur in infrastruktureller Hinsicht, sondern auch was die gesellschaftliche Aufnahmebereitschaft betrifft.

Das politische und gesellschaftliche Klima ist spürbar angespannt. Migration bewegt – emotional, wirtschaftlich, kulturell. Die Debatten darüber sind intensiv, oft kontrovers. Es geht um nichts Geringeres als die Frage: Wie können wir irreguläre Migration nach Deutschland und Europa wirksam steuern und begrenzen – und dabei gleichzeitig die notwendige Balance wahren zwischen Humanität und Ordnung?

Am 14. Oktober 2025 organisierte die Hanns-Seidel-Stiftung in Kooperation mit der Bayerischen Vertretung beim Bund eine Podiumsdiskussion zum Thema „Migrationswende – Die Zukunft der deutschen Asylpolitik“

Die Referierenden waren:

Dr. Marco Lorenz, Leiter der Vertretung des Freistaates Bayern beim Bund 

Dr. Josef Widmann, Generalsekretär der Hanns-Seidel-Stiftung 

Daniela Ludwig MdB, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister des Innern 

Thomas Silberhorn MdB, Mitglied des Innenausschusses, Deutscher Bundestag

Victoria Rietig, Leiterin des Zentrums für Migration, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP)

Gerald Knaus, Gründungsdirektor der Europäischen Stabilitätsinitiative (ESI)

Die Moderation oblag Dr. Stefan Meining, Leiter des ARD-Politikmagazins report München, Bayerischer Rundfunk BR24.

Bevölkerung sieht größten politischen Handlungsbedarf beim Thema Migration und Asyl

Der Generalsekretär der Hanns-Seidel-Stiftung, Dr. Josef Widmann, unterstrich die Brisanz des Tagungsthemas anhand aktueller Ergebnisse einer dimap-Umfrage im Auftrag der Stiftung: Danach gefragt, um welche Themen sich die neue Bundesregierung vorrangig kümmern sollte, wurde von den Befragten in Bayern an erster Stelle „Migration und Asyl“ genannt, an zweiter Stelle folgte „Wirtschaft und Arbeitsmarkt“. Auf die Frage, welche Themen sie persönlich am meisten beschäftigten, wurde „Migration und Asyl“ als relevantestes angegeben. Die meiste Kompetenz in Asyl- und Migrationsfragen bescheinigen die Befragten der Union. 

Impressionen der Veranstaltung

Kontrolle, Kurs und klare Kante zur Begrenzung irregulärer Migration

Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister des Innern, Daniela Ludwig, MdB, fand in ihrem Impulsstatement klare Worte: „Wir müssen als Staat handlungsfähig bleiben – nach innen wie nach außen. Dazu gehört eine konsequente Durchsetzung von Recht und Ordnung genauso wie der Schutz unserer Grenzen. Wer dauerhaft hier leben möchte, muss unsere Werte achten, unsere Gesetze einhalten und bereit sein, sich zu integrieren.“

Zur notwendigen Balance zwischen Humanität und Ordnung führte die Parlamentarische Staatssekretärin aus: „Bei der Migration setzen wir auf Ordnung, Steuerung und Begrenzung. Illegale Migration muss wirkungsvoll unterbunden werden – durch klare Regeln, wirksame Rückführungen und sichere europäische Außengrenzen. Gleichzeitig gilt: Wer Schutz braucht und berechtigt ist zu bleiben, findet bei uns eine rechtsstaatliche und solidarische Aufnahme.“

Daniela Ludwig, MdB, schloss mit dem eindringlichen Appell: „Nur mit einer klaren Linie, direkten Worten und politischer Entschlossenheit sichern wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land. Denn: Innenpolitik ist auch Wirtschaftspolitik, Bildungspolitik und Sozialpolitik.“

Politik muss die Probleme schnell lösen, um das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen

„Das Asylsystem ist dysfunktional und muss in Ordnung gebracht werden“, so die nachdrückliche Forderung von Thomas Silberhorn, MdB, Mitglied des Innenausschusses des Deutschen Bundestages. Er unterstrich, dass Politikvertrauen nur durch effektive Problemlösung zurückgewonnen werden könne. Die reguläre Zuwanderung sei kein Problem, jedoch die irreguläre Migration – meist organisiert durch Schleuser und Menschenhändler – gelte es, konsequent zu bekämpfen. Die Schlüsselfrage müsse beim Thema Fluchtmigration immer lauten: Wie ist die globale Lage und wo besteht Bedürftigkeit? Vorrangig sollte sein, die Geflüchteten vor Ort, das heißt in den Herkunfts- und angrenzenden Nachbarländern, zu unterstützen. Er führte weiter aus: „Wir müssen darauf achten, dass wir reguläre Wege schaffen und die irregulären Wege austrocknen. Die Dysfunktionalität des Asylsystems im gesamteuropäischen Raum ist eine große Herausforderung.“

Gerald Knaus, Gründungsdirektor der Europäischen Stabilitätsinitiative (ESI), startete mit den Worten: „Jeder Demokrat muss dieser Regierung einen Erfolg wünschen! (…) Denn es ist der erlebte Kontrollverlust, der die Menschen zu rechtspopulistischen Parteien treibt.“ Bestes Gegenmittel, so Knaus, wäre eine schnelle und nachhaltige Migrationswende. Bezugnehmend auf das von ihm mitverhandelte EU-Türkei-Abkommen und am Beispiel Australiens plädierte er für die Auslagerung von Asylverfahren in Drittstaaten. Die klare Botschaft würde lauten: „Wer irregulär nach Deutschland kommt, wird zur Prüfung seines Asylbegehrens in einen sicheren Drittstaat gebracht.“ Dies dürfte die Nachfrage nach lebensgefährlichen Schleusungen deutlich verringern

Dynamische Interdependenzen und unbeabsichtigte Effekte erschweren Migrationssteuerung

Victoria Rietig, Leiterin des Zentrums für Migration bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), machte auf die unbeabsichtigten Nebeneffekte des ausgesetzten Familiennachzugs für subsidiär Schutzberechtigte aufmerksam. Demnach habe sich die Zahl der Asylfolgeanträge bei Afghaninnen und Afghanen verfünffacht. Bei den Erstanträgen auf Asyl seien die Gesamtzahlen jedoch zurückgegangen. Ferner verwies Rietig auf eine Umfrage von „More in Common“, wonach 61 % der Befragten eine Kontrolle der Migration wünschten, jedoch nur ein kleiner Teil eine Reduktion. Dies mag damit zusammenhängen, dass Migration unterschiedliche Arten umfasst, nämlich Arbeitsmigration, Bildungsmigration, Familiennachzug und Fluchtmigration. Eine Reduktion von Arbeits- und Studienmigration wird nicht gewünscht.

Migrationswende: Jetzt!

Die Veranstaltung hat gezeigt, dass es beim Thema irreguläre Migration und Asyl keine einfachen Lösungen gibt. Ziel sollte sein, die Überforderung vor Ort zu reduzieren und das Vertrauen in die Politik zurückzugewinnen.

Jetzt ist die Zeit, die richtigen Weichen zu stellen. Denn aufgrund geopolitischer Konfliktlagen, bestehender Wohlstandsunterschiede und klimatischer Veränderungen dürfte es in Zukunft nicht weniger, sondern mehr Gründe für irreguläre Migration geben. Darauf gilt es vorbereitet zu sein.

Kontakt

Leiterin: Dr. Susanne Schmid
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