Print logo
Zur Hauptnavigation springen Zum Hauptinhalt springen

Arbeitsmigration in Kroatien
Migration als Chance

Autorin/Autor: Daniel Seiberling

Immer mehr Kroatinnen und Kroaten zieht es in die europäischen Nachbarländer, um dort besser bezahlte Stellen anzutreten. In Kroatien selbst bleiben dagegen zahlreiche Stellen, insbesondere in den Bereichen Bau, Service, Hotellerie und Gastronomie, unbesetzt. Diese Lücke wird zunehmend mit Arbeitskräften aus dem nichteuropäischen Ausland gefüllt, was zu gesellschaftlichen und integrationspolitischen Herausforderungen führen kann.

niyazz, Adobe Stock

Arbeitsmigration in Bayern und Deutschland

Bayern verfügt über einen reichen Erfahrungsschatz im Umgang mit Migration. Dazu gehören Ein- und Auswanderungen, das Sesshaftwerden von Zugewanderten, die Aufnahme von Geflüchteten, aber auch Rückkehrbewegungen und Pendelmigration. Bereits früh kamen Arbeitskräfte aus Südeuropa, insbesondere „Gastarbeiter“ aus Italien, Griechenland und der Türkei. Seit dem Zerfall der Sowjetunion und dem Ende ihres Einflussbereichs hat die Zuwanderung aus Osteuropa deutlich zugenommen.

Die wichtigsten Herkunftsländer ausländischer Bevölkerungsgruppen in Bayern waren 2024 

Rumänien212.000
Türkei201.000
Ukraine198.000
Kroatien133.000

Rahmenbedingungen in Kroatien

Kroatien steht vor großen Herausforderungen durch den demographischen Wandel. Das Land mit derzeit etwa vier Millionen Einwohnern hat in den vergangenen zehn Jahren fast zehn Prozent seiner Bevölkerung verloren. Prognosen gehen davon aus, dass sich diese Entwicklung in den nächsten 25 Jahren noch deutlich verstärken wird. Dann wird mehr als ein Drittel der Bevölkerung im Rentenalter sein. Gleichzeitig droht ein massiver Arbeitskräftemangel: Es könnten bis zu 300.000 Stellen unbesetzt bleiben – besonders in den Bereichen Bau, Tourismus und Technologie.

Um diesem negativen Trend auf dem kroatischen Arbeitsmarkt zu begegnen setzt die kroatische Regierung zunehmend auf den geregelten Zuzug von Arbeitern aus dem nicht-europäischen Ausland. Schon heute stellen ausländische Beschäftigte etwa neun Prozent der Erwerbstätigen in Kroatien.; Im Jahr 2023 kam rund die Hälfte aus Nicht-EU Staaten, angeführt von Bosnien und Herzegowina sowie Serbien. Auffällig ist jedoch, dass mittlerweile auch Länder außerhalb Europas stark vertreten sind: So arbeiten bereits etwa 23.500 Menschen aus Nepal und rund 15.600 aus Indien in Kroatien. 

Bayerische und deutsche Erfahrungen

Deutschland und Bayern gestalten Migration und Integration zunehmend erfolgreich durch ein Zusammenspiel aus Gesetzen, Programmen, Behörden und zivilgesellschaftlichem Engagement, flankiert durch moderne Managementmethoden.

Von entscheidender Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die klare Unterscheidung der verschiedenen Formen legaler Migration, wie sie in den deutschen Gesetzen mit jeweils klaren Kriterien vorgesehen ist: 

  • Arbeitsmigration: Für Fachkräfte aus Drittstaaten zur Arbeitsaufnahme.
  • Bildungsmigration: Für Internationale Studierende zur Dauer der Ausbildung.
  • Flucht und Asyl: Aufnahme Geflüchteter, z. B. aus Syrien, Ukraine oder Afghanistan, bis ihre Rückkehr wieder gefahrlos möglich ist.
  • Binnenmigration in der EU: Freizügigkeit erlaubt EU-Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland zu leben und zu arbeiten

Klar hiervon abzugrenzen sind Menschen, die sich als nicht erfasste Ausländer ohne Aufenthaltstitel illegal in Deutschland aufhalten. 

Noch wichtiger als die gesetzlichen Rahmenbedingungen ist der gesellschaftliche Diskurs über Migration und Integration. Die gesellschaftliche Teilhabe der Migrantinnen und Migranten verlangt eine Wertevermittlung sowie eine Anpassung, die nicht ergebnisoffen sein kann. Denn es gibt eine deutsche Mehrheitsgesellschaft und -kultur, in die Migrantinnen und Migranten eintreten. Sie sollen Teil der Gesellschaft werden können, ohne ihre Herkunft aufgeben oder verleugnen zu müssen, aber gleichzeitig die deutsche Aufnahmegesellschaft anerkennen und respektieren.   

Kann Bayern Kroatien unterstützen?

Kroatien kann von den langjährigen bayerischen Erfahrungen profitieren. Ein faktenbasierter Expertenaustauch, beispielsweise im Rahmen der Ständigen Kommission Bayern-Kroatien, kann Kroatien dabei unterstützen, anfängliche Versäumnisse der deutschen Migrationspolitik zu vermeiden und energisch auf potentiell kritische Entwicklungen zu reagieren. 

Neben der Gesetzgebung ist es vor allem der gesellschaftspolitische Bereich, in dem Bayern über einen Erfahrungsschatz verfügt, der mit Kroatien geteilt werden kann. 

  • Die Rahmenbedingungen und das Verständnis, dass und warum Arbeitsmigranten für den wirtschaftlichen Prozess des Landes notwendig sind, müssen gesellschaftspolitisch so vermittelt werden, dass Ressentiments in der Bevölkerung abgebaut werden.

  • Mit der wachsenden Zahl von Arbeitsmigranten aus Asien und Indien treten in Kroatien zunehmend sprachliche und kulturelle Integrationsherausforderungen auf, die es mit Arbeitsmigranten aus Serbien oder Bosnien bislang kaum gab. Um Stigmatisierung und die Entstehung von Parallelgesellschaften zu verhindern, ist entschlossenes Handeln erforderlich. Ein gelingender Annäherungsprozess zwischen Aufnahmegesellschaft und Zugewanderten lässt sich besonders  durch Initiativen und Förderprogramme für interkulturelle Projekte, Sport und Ehrenamt unterstützen. Auch die Beteiligung von Migrantinnen und Migranten in Beiräten sowie in politischen und berufsständischen Gremien kann wertvolle Brücken schaffen. 

Migration ist somit nicht nur eine Antwort auf den Fachkräftemangel, sondern auch eine Chance, voneinander zu lernen und gesellschaftliche Vielfalt als Bereicherung zu begreifen. Wenn es gelingt, Integration und Teilhabe aktiv zu gestalten, kann Kroatien langfristig gestärkt aus diesem Wandel hervorgehen.

Kontakt

Leiter: Daniel Seiberling
Südosteuropa
Leiter
Telefon: