Was haben Sie von der EU?
Freies Reisen und moderne Infrastruktur
Freie Fahrt für EU-Bürger im Schengenraum.
Manngold; HSS; IMAGO
Jeder Bürger in der Europäischen Union (EU) hat nun tatsächlich freie Fahrt von Stockholm bis Palermo, von Lissabon bis Białystok an der polnischen Grenze. Auch wenn es derzeit aufgrund der ungelösten Migrationsfrage wieder an einigen Stellen Grenzkontrollen gibt: Dieser Raum der Freiheit ist weltweit einzigartig. Mit dabei sind alle EU-Staaten außer Irland, Rumänien, Bulgarien und Zypern. Allerdings sind die Nicht-EU-Staaten Norwegen, Island, Schweiz und Liechtenstein Mitglied im Schengen-System.
Ab März 2024 werden auch die Kontrollen an den Luft- und Seegrenzen zu Rumänien und Bulgarien aufgehoben, die Landgrenzen sollen bald folgen. Mit Rumänien und Bulgarien wird der Schengen-Raum auf 29 Staaten, 4,5 Millionen Quadratkilometer und 450 Millionen Einwohner anwachsen.
Reisen ist schneller und sicherer geworden
Auch die EU-Verkehrspolitik hilft bei der Mobilität, indem sie ein modernes grenzübergreifendes Infrastrukturnetz für Straße, Schiene und Wasserwege entwickelt hat. Das Reisen wird dadurch schneller und sicherer, da die EU auch den unterschiedlichen Zustand der Verkehrswege in Europa durch ihre Förderung angleicht. Dies wird über das Programm der Transeuropäischen Netze (die neben Verkehr auch Energie und Digitales umfassen) geschultert. Durch Deutschland verlaufen sechs der insgesamt neun von der EU festgelegten Verkehrskorridore, mehr als durch jeden anderen Mitgliedstaat: Nord-Ostsee-Korridor, Skandinavien-Mittelmeer-Korridor, Atlantikkorridor, Rhein-Donau-Korridor, Rhein-Alpen-Korridor und der Korridor Orient-Östliches Mittelmeer. Daneben gibt es noch die drei Korridore Nordsee-Mittelmeer, Ostsee-Adria und Mittelmeer.
Außerdem ist Deutschland an den beiden sogenannten „horizontalen Prioritäten“ beteiligt. Das sind die Meeresautobahnen (Motorways of the Sea/MoS) und das Europäische Zugsicherungssystem (European Rail Traffic Management System/ERTMS).
Das Konzept der Meeresautobahn soll Straße und Schiene vom Güterverkehr entlasten. Geeignete Häfen an strategisch günstigen Punkten von Binnenwasserstraßen und Meeresrouten sollen dabei über qualitativ hochwertige Seewege miteinander sowie eng mit Straßen- und Schienennetz verbunden werden. Hintergrund ist der prognostizierte Zuwachs beim Güterverkehr sowie die deutlich geringeren Kosten im Vergleich zu Straßen- oder Bahntunneln.
Das Europäische Zugsicherungssystem soll in Zukunft Management und Steuerung des Eisenbahnverkehrs auf den Strecken der Transeuropäischen Netze übernehmen, da in Europa bisher sehr viele nicht miteinander kompatible Komponenten für den Bahnbetrieb vorhanden sind. Dazu gehören etwa unterschiedliche nationale Verfahren für die Anerkennung von Triebfahrzeugführern, unterschiedliche Stromsysteme oder verschiedene Funk- und Kommunikationssysteme.
Defizite beim Zustand oder dem Ausbau der grenzüberschreitenden Verkehrswege innerhalb der festgelegten Korridore werden mittels der EU-Kofinanzierung Schritt für Schritt behoben. Eine gewaltige Aufgabe: Allein für die oben aufgeführten neun Kernnetzkorridore werden von der Europäischen Kommission rund 550 Milliarden Euro veranschlagt.
Reisen für junge Erwachsene
Mit DiscoverEU gibt es obendrein ein Programm für 35.000 kostenlose Interrail-Pässe pro Jahr, mit denen die europäische Jugend mit dem Zug andere Menschen, Kulturen, Städte und Landschaften kennenlernen und neue Freundschaften schließen kann. Bis Ende 2023 konnten bereits über 200.000 junge Erwachsene mit einem kostenlosen Interrail-Pass kreuz und quer durch Europa reisen.
Ohne moderne Verkehrswege geht es nicht
Die verbesserten Verkehrswege dienen aber natürlich nicht nur schnelleren Urlaubsreisen. Sie sind auch entscheidend für eine funktionierende Wirtschaft, die europäische Wettbewerbsfähigkeit, den ungehinderten Warenverkehr und auch für länderübergreifende Arbeitswege von Pendlern.
Zugleich reduzieren sie durch die gemeinsame Planung die Flächen-, Umwelt-, Luft- und Staubelastungen. Außerdem trägt der Verkehr an sich mit mehr als neun Prozent maßgeblich zur Bruttowertschöpfung (Beitrag zur Wirtschaft) der EU bei. Die Bruttowertschöpfung der Verkehrsdienstleistungen allein belief sich in 2016 auf rund 664 Milliarden Euro, rund elf Millionen Menschen sind im Verkehrssektor tätig.
„Gäbe es die EU nicht, wir müssten sie jetzt erfinden.“ (Österreichs Bundeskanzler a.D. Wolfgang Schüssel)
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