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Kenia - DIAR Awards 2022
Binti Uongozini-Programm der HSS wird ausgezeichnet

Autorin/Autor: Daniel Seiberling

Die Initiative Binti Uongozini - Kiswahili für „Tochter in Führung“ - der HSS Kenia erreichte den zweiten Platz in der Kategorie “Diversität und Inklusion für Gender-Gleichheit” des National Diversity and Inclusion Awards & Recognition (DIAR Awards).

Der National Diversity and Inclusion Awards & Recognition (DIAR Awards) ist eine Auszeichnung für Personen und Organisationen, die sich besonders um die Inklusion und Partizipation von sog. Special Interest Groups – nach kenianischem Verständnis Frauen, Jugendliche und junge Erwachsene sowie Menschen mit Behinderung – verdient gemacht haben und somit einen Beitrag zur gesellschaftlichen Kohäsion Kenias leisten. Seit dem Jahr 2018 wird dieser Preis in mehreren Kategorien vom Daima Trust Kenia verliehen, der durch zahlreiche staatliche und privatwirtschaftliche Partner gefördert wird, verliehen. Für jede Kategorie werden auf Vorschlag acht Nominierungen veröffentlicht, für die per Online-Voting abgestimmt werden kann.

Das Projektbüro Kenia der HSS war 2022 mit der Eigenmaßnahme Binti Uongozini in der Kategorie “Diversity and Inclusion for Gender Equality“ nominiert und erhielt den zweiten Platz.

Die Mitglieder von Binti Uongozini, die jungen Politikerinnen und gesellschaftspolitischen Aktivistinnen aus ganz Kenia haben sich das Motto Inspire. Inform. Influence. gegeben. Sie wollen ein Zeichen setzen, dass junge Frauen aus verschiedenen Regionen Kenias mit unterschiedlichem beruflichem Hintergrund und unterschiedlichen parteilichen Affinitäten das gemeinsame Ziel verfolgen können, den Einfluss von jungen Frauen in Politik und Staatsapparat zu verbessern.  

Zusätzlich waren mit Banice Mbuki Mburu in der Kategorie Diversität und Inklusion von Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Führungspersönlichkeiten (Leadership) und Dr. Jennifer Riria vom Echo Network Afrika (ENA) in der Kategorie “Eminent Leader Award” zwei weitere Personen aus dem Projektumfeld der HSS aufgestellt. Mbuki erreichte als Finalistin den vierten Platz, Dr. Riria erhielt den Eminent Leader Award für ihr Lebenswerk.

Damaris Kariuki, Dr. Jennifer Riria vom Echo Network Afrika (ENA), Wanjiru Nguhi von Binti Uongozini und Daniel Seiberling während der Verleihung der National Diversity and Inclusion Awards.

Damaris Kariuki, Dr. Jennifer Riria vom Echo Network Afrika (ENA), Wanjiru Nguhi von Binti Uongozini und Daniel Seiberling während der Verleihung der National Diversity and Inclusion Awards.

Echo Network Afrika (ENA)

Wofür steht Binti Uongozini?

Binti Uongozini ist eine 2018 gegründete Projektinitiative der HSS Kenia. Junge Politikerinnen werden in ihrer politischen Karriere unterstützt und junge Frauen motiviert, sich politisch (stärker) zu engagieren, um Einfluss auf die gesellschaftliche Veränderung in Kenia nehmen zu können. Sie bietet einen geschützten Raum, in dem sich junge Frauen, die am Anfang ihres politischen und gesellschaftlichen Engagements stehen unter dem „Motto Inspire. Inform. Influence.“ (dt.: Inspirieren, Informieren, Beeinflussen) mit erfahreneren (jungen) Politikerinnen austauschen und Ideen entwickeln, wie die politische Beteiligung von Frauen in Kenia gefördert werden kann.

Frauen sehen sich in der kenianischen Politik nach wie vor zahlreichen Herausforderungen, wie fehlender finanzieller Unterstützung, kultureller Voreingenommenheit und mangelnder Anerkennung ihrer Leistungen, ausgesetzt. Binti Uongozini thematisiert daher sowohl die Erfolge als auch die Herausforderungen, denen junge Frauen in Kenia, die eine aktive Rolle in Politik und Gesellschaft anstreben, begegnen.

Der Schwerpunkt liegt auf einem Austausch „auf Augenhöhe“ und “peer learning” (Lernen von anderen im selben Umfeld). Das Projekt konnte eine über ein loses Netzwerk hinausgehende Gemeinschaft aufbauen, die ihre eigene Organisationskultur entwickelt hat. In den Phasen 2019/2020 und 2020/2021 wurden zwei Gruppen von jeweils 15 Teilnehmerinnen identifiziert und gefördert.

Durch die Covid-19 Pandemie konnte das gemeinsame Lernen 2021 nur virtuell stattfinden. Das Jahr 2022 wird daher genutzt, um das Netzwerk von Binti Uongozini zu konsolidieren und die Rahmenbedingungen für die dritte Gruppe 2023/2024 zu schaffen. Beherrschendes aktuelles Thema ist für Binti Uongozini die Präsidenten-, Parlaments- und Kommunalwahl im Sommer 2022.

Wanjiru Nguhi, Binti Uongozini Mitglied seit 2019 und Gründerin der NGO „Mwafrika Mwenzangu“ äußert sich zur Preisverleihung:

Herzlichen Glückwunsch an Binti Uongozini und die Hanns-Seidel-Stiftung für diesen Preis! Meiner Meinung nach sollte es noch viel mehr solcher Preise geben, um die Beteiligung aller Gesellschaftsgruppen Kenias zu würdigen und weiter zu fördern. Denn es ist noch viel zu tun, gerade im Bereich der Frauenförderung. Obwohl in fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens die verfassungsmäßige 2/3 Regel gilt - nicht mehr als 2/3 eines Personenkreises, z.B. Parlamentsabgeordnete oder Stadträte, dürfen demselben Geschlecht angehören - wird dies bei weitem noch nicht flächendeckend angewandt; aber selbst wenn, wäre das Problem der tief patriarchalischen gesellschafts- und vor allem politischen Ordnung in Kenia damit nicht gelöst.

Nur sechs der 106 politischen Parteien in Kenia werden von Frauen geleitet! Aber es geht hier nicht nur um Zahlen und eigentlich auch nicht nur um die Geschlechterfrage. Als Beispiel: Es gibt in Kenia viele hervorragende männliche Führungspersonen, die sich auch für Frauenrechte einsetzen – sogenannte “He for She” - aber es gibt auch ungeeignete weibliche Führungspersonen. Was sagt uns das? Nichts! Denn diese Frage nur auf den Gender-Aspekt zu reduzieren greift zu kurz.

Die Gender-Thematik macht einen großen Teil meiner Arbeit aus, aber zunehmend wird mir bewusst, dass es noch viele weitere Ebenen der Unterdrückung und Benachteiligung gibt, wie Bildung, wirtschaftliche Stellung oder auch Behinderung. Denn eigentlich haben wir eine strukturelle politische Führungskrise im Land: Diejenigen, die derzeit das Land lenken – in der Mehrheit ältere, wohlhabende und etablierte Männer – sind vertikal vernetzt und haben kein Interesse daran, politische Räume anderen zu überlassen. Wenn diese Art von Patriarchat Bestand hat, werden nicht nur Frauen, sondern auch alle anderen Gesellschaftsgruppen unterrepräsentiert und marginalisiert bleiben, je schwächer sie sind, umso mehr. Ich glaube, zukünftige Auseinandersetzungen werden in Kenia weniger entlang der Generationen- oder Genderfrage ausgerichtet sein,sondern entlang gesellschaftlicher- und Einkommensdisparitäten.

Wanjiru Nguhi hat ein Jurastudium an der Universität von Nairobi absolviert und mehrere Jahre in verschiedenen Kanzleien gearbeitet. Sie ist Schriftstellerin, Bloggerin und bezeichnet sich selbst als „Afro Politico-Feministin“. Sie ist die Gründerin von “Mwafrika Mwenzangu”, einer NGO mit dem Ziel, einen progressiven politischen Dialog zu initiieren, um die gesellschaftliche Kontrollfunktion gegenüber Amts- und Mandatsträgern zu verbessern. Bei den Parlamentswahlen 2017 war Wanjiru Wahlkampfmanagerin für eine Kandidatin zum Stadtparlament Nairobi.   

Parallel zu ihrer beruflichen Karriere arbeitete sie als Projektkoordinatorin bei der Grow House Foundation, einer NGO für Mentoring und zur gegenseitigen Unterstützung von Expertinnen, und war Freiwillige bei Transparency International im Bereich politische Bildung zur Korruptionsbekämpfung und juristischer Unterstützung von indigenen Gesellschaften. Wanjiru ist aktiv in “Re-Imagine Nairobi”, einer städteplanerischen Vision der Heinrich-Böll-Stiftung.

Sie hat mehrere Medien – und Kommunikationstrainings absolviert und ist seit 2019 Mitglied im Binti Uongozini Netzwerk der Hanns-Seidel- Stiftung. Wanjiru hat zahlreiche Artikel zu Politik, Bürgerbeteiligung und der Rolle von Religion für Politik und Entwicklung geschrieben und unterhält den Blog und Podcast: „Mine is a comment”. Dieses Medium bringt Frauen zusammen, um über kulturelle, politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entscheidungen zu reden, die das Lebensumfeld von Frauen beeinflussen. Ihr politisches Credo ist: Die Ausgestaltung einer inklusiven Gesellschaftsordnung kann nicht an einige wenige delegiert werden; sie muss kollektiv gedacht und von allen realisiert werden. 

Eine weitere Nominierte - Banice Mbuki Mburu

Die Teilnahme am Finale und eine Auszeichnung in der Kategorie “Diversität und Inklusion von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Leadership” erreichte Banice Mbuki Mburu, Mitglied der Binti Uongozini Gruppe 2020/2021 und langjährige Aktivistin des Public Policy/Youth Engagement mit Erfahrung in Entwicklungsstrategien, Politikforschung und -analyse. Mbukis Einsatz basiert auf ihrem ausgeprägten Bewusstsein für soziale Gerechtigkeit. Bereits im Jahr 2020 war sie Preisträgerin der „Top 35 Under 35 Change Makers in Africa“ in der Kategorie „Advocacy and Community Action“ für die Schaffung von Plattformen und Kanälen, auf denen junge Menschen sich zu Wort melden und einbringen können.

Banice Mbuki Mburu engagiert sich in dem breiten Spektrum der inhaltlichen Entscheidungen, Zielsetzungen und Aktivitäten der am Politikprozess Beteiligten in Kenia und darüber hinaus - dem Bereich von Public Policy. Ein besonderes Anliegen sind ihr dabei die Entwicklungsperspektiven von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Mbukis Engagement ist vor allem durch ein tiefes Verlangen nach sozialer Gerechtigkeit geprägt. Sie verfügt über umfangreiche Erfahrung in partizipativen Entwicklungsstrategien, öffentlicher Politikforschung und -analyse. Sie hat bereits auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene gearbeitet, wo sie unter anderem vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen während der Internationalen Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung (ICPD @25) aufgetreten ist und auf dem High Level Political Forum (HLPF) zur Überprüfung der SDGs am Hauptsitz der Vereinten Nationen ausgewählt wurde, um während der UN@75-Feier „Navigieren von Unsicherheiten: ein Intergenerationen-Dialog über COVID 19 und Jugendbeschäftigung“ vor der Hauptabteilung der Vereinten Nationen für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten (UN-DESA) zu sprechen.

Mbuki war eine von 15 jungen Menschen, die in ganz Afrika ausgewählt wurden, um die Fertigstellung des „Model African Union Toolkit“ zu leiten, einer Initiative der Afrikanischen Union (AU).

In Kenia hat sie Jugendinitiativen mitbegründet und erfolgreiche Kampagnen wie #ShuleYanguCampaign und #NYCTuitakayo geleitet. Mbuki ist an der Entwicklung und Überprüfung von zahlreichen Richtlinien beteiligt, die Interessen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Kenia betreffen, und hat sich auch in gerichtlichen Auseinandersetzungen im öffentlichen Interesse zugunsten der Belange junger Menschen eingesetzt.

Mbuki war 2020-Preisträgerin der „Top 35 Under 35 Change Makers in Africa“ in der Kategorie „Advocacy and Community Action“ für die Gründung von Plattformen und Kanälen, auf denen sich junge Menschen zu Wort melden und gesellschaftliche engagieren können.

Mbuki ist Mitbegründerin der nichtstaatlichen, überparteilichen und überkonfessionellen Jugendorganisation „Youth Serving Organizations Consortium“, des „Youth For Tax Justice Network“ und Civic Engagement Officer beim Kunst- und Kultur-Netzwerk „PAWA 254“. Mbuki ist Absolventin des „Political Leadership and Governance Programme“ der Friedrich-Ebert-Stiftung 2019, Mitglied im Binti Ungozini-Programm der Hanns-Seidel-Stiftung seit 2020 und Mitglied der InititaiveOne Champion Campaign East Africa.

Sie hat einen Bachelor-Abschluss in Internationalen Beziehungen von der United States International University-Africa und hat Postgraduiertenkurse in Kommunikation für Entwicklung, Monitoring und Evaluierung, sowie Programmplanung und -management vom MS Training Center for Development Cooperation belegt.

DK: Liebe Mbuki, herzlichen Glückwunsch für die DIAR 2022-Nominierung! Das Ergebnis unter den vier Finalisten zu sein, ist eine verdiente Anerkennung Ihres Engagements für die politische Partizipation von jungen Frauen! Sie sind eine erfahrene Aktivistin für die politische Beteiligung von jungen Frauen und dem Bestreben, politische Räume zu besetzen und ihren Anliegen Gehör zu verschaffen. Wie würden Sie die aktuelle Situation in Kenia in Bezug auf die politische Beteiligung und politische Vertretung von Frauen beschreiben?   

BMM: Die gesellschaftliche Sozialisierung in Bezug auf Frauen, die im politischen Raum präsent sind und für politische Ämter kandidieren, ist nicht abgekoppelt von der gesamten kulturellen Dynamik im Land. Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass sich Einstellungen verändern und die politische Kultur Kenias zunehmend bereit ist, Frauen auch in politischen Führungspositionen zu akzeptieren. Ein wichtiger Meilenstein hierbei war die Verabschiedung der sehr fortschrittlichen Verfassung von 2010. Hierin ist beispielsweise die 2/3 Regelung für das kenianische Parlament enthalten. Die Regelung ist aber noch immer nicht vollständig umgesetzt, was letztlich bedeutet, dass das kenianische Parlament verfassungswidrig ist. Und auch in vielen anderen Bereichen des Öffentlichen Lebens, der Wirtschaft und in Verbänden ist die Regelung noch nicht umgesetzt. Die verfassungsmäßigen Vorgaben machen es uns als Aktiven aber einfacher, dafür zu werben, dass Frauen insbesondere in gewählten Positionen die Norm sein müssen, nicht die Ausnahme.   

Der Vergleich mit den Wahlen von 2013 und 2017 zeigt, dass die Zahl der Frauen, die sich um Wahlämter bewerben, stetig zunimmt. Das könnte bedeuten, dass auch die Wahrscheinlichkeit, gewählt zu werden, zunimmt. Tatsächlich sind aber in weiten Teilen Kenias patriarchale Strukturen vorhanden, die Frauen den Erfolg bei Wahlen verwehren – Stichwort “verhandelte Demokratie”. Gerade bei Wahlen reicht es deswegen nicht aus, Regelungen zur Förderung von Frauen in das Wahl- und Parteiengesetz zu schreiben – die Buchstaben und der Geist dieser Regelungen müssen sehr viel stärker überwacht und eingefordert werden.

DK:  Wir als Vertreterinnen der Jugend Kenias hoffen darauf, dass die kommenden Wahlen Veränderungen, wie Politik in Kenia stattfindet, bringen werden. Aber natürlich hoffen wir auch, dass die Wahlen friedlich verlaufen werden und niemand, vor allem nicht die jungen Männer zu gewalttätigen Aktionen missbraucht werden. Wir wissen alle, dass Frauen am meisten von Konfliktsituationen betroffen sind, aber was können wir tun, um einen Beitrag zu friedlichen Wahlen zu leisten?

BMM:  Wie in der Politik, so liegt auch bei Gewalt die Stärke in den Zahlen. Wir als junge Frauen können nicht viel mehr tun, als darauf hinzuwirken, dass Gewaltbereitschaft kein Massenphänomen wird. Wir können hier durch Moderation beitragen, durch Nutzung unserer Online-Kanäle und dadurch, dass wir bestimmte Narrative nicht weiterverbreiten. Unsere Generation ist über Regionen- und ethnische Affinitäten vernetzt; wir können diese Soft Power nutzen, um unsere Freunde, Brüder und Kollegen zum friedlichen Miteinander zu bewegen.  

DK: Die Statistiken sprechen eine klare Sprache: Fast 75 Prozent der kenianischen Bevölkerung sind jünger als 35 Jahre und rund 52 Prozent der Bevölkerung sind Frauen. Kenia müsste also das Land der jungen Frauen sein – in Regierung, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Wir sind aber dort noch nicht ganz angekommen – und werden es wohl auch noch lange nicht sein. Was denken Sie, woran es liegt, dass die junge Generation und insbesondere Frauen nicht den Platz einnehmen, der ihnen zusteht?   

BMM: Es gibt einige Faktoren, die die geringe Jugendbeteiligung beeinflussen. Die Gruppe der jungen Bevölkerung weist eine enorme Arbeitslosenquote von fast 40 Prozent, im Vergleich zur Gesamtbevölkerung mit rund 7 Prozent, auf. Daher fehlt vielen jungen Menschen schlicht das Geld, um sich um Ämter zu bewerben. Ein Wahlamt verlangt in Kenia den Einsatz finanzieller Ressourcen – von den Nominierungsgebühren über Kosten im Verfahren bis zu Wahlkampfausgaben – alles das will finanziert werden.

Auch der Sicherheitsaspekt ist nicht zu unterschätzen. Junge Kandidaten und Wähler, die ernsthaft einen jungen, unabhängigen Kandidaten anstatt einen Vertreter der eingesessenen Eliten unterstützen, werden als Unruhestifter und Querulanten diffamiert. In Einzelfällen kommt es sogar zu tätlichen Übergriffen. Andere werden “ausbezahlt” – es werden ihnen hohe Summen geboten, um aus dem Rennen auszuscheiden. Kurz gesagt liegt das Problem darin, dass im politischen Geschäft in Kenia die Ressourcen, die jemand zur Verfügung hat, eine enorme Rolle spielen.

DK:  Wenn Sie das oft wiederholte Stereotyp “Frauen wählen nicht Frauen” hören, was denken Sie dazu?  

BMM: Hier gibt es keine einfache Antwort. Natürlich wären Frauen, wenn alle Frauen immer Frauen wählen würden, in allen Wahlämtern in der Mehrzahl. Aber es gibt einige Faktoren, die hier zu berücksichtigen sind. Allen voran sind viele Frauen nicht bereit, unter den vorherrschenden Bedingungen in Kenia die politische Arena zu betreten. Auf vielfältige Weise werden sowohl Frauen, die ihr passives Wahlrecht wahrnehmen wollen, als auch Wählerinnen, die für Kandidatinnen stimmen wollen, eingeschüchtert, bedrängt und belästigt. Das Phänomen der “verhandelten Demokratie”, bei der indigene Strukturen den Entscheidungsprozess beeinflussen, sind so gut wie nie vorteilhaft für Kandidatinnen. Die Situation ändert sich und politische Räume öffnen sich für Frauen – aber nur sehr langsam.

Die wichtigsten Gatekeeper sind die politischen Parteien. In der kenianischen Parteiendemokratie beeinflussen die Parteien in weiten Teilen den politischen Diskurs und die Normensetzung. Daher müssen wir unsere Anstrengungen darauf konzentrieren, innerhalb der Parteien verbesserte demokratische Strukturen und eine angemessene Repräsentanz von Frauen zu schaffen.

DK:  Ich weiß, dass Sie sich stark für eine inklusive, soziale und gerechte Gesellschaft einsetzen. Wie würden Sie eine solche Gesellschaft beschreiben? Wie könnte das in Kenia aussehen - und wie lange brauchen wir bis dahin?

BMM:  Jede Gesellschaft, die die Belange der Jugend ernst nimmt, ist zwangsläufig visionär und progressiv. Die Mehrheit der kenianischen Bevölkerung ist jung. Wir sind nicht progressiv, wenn wir die Mehrheit der Bevölkerung aus dem politischen Prozess ausblenden. Eine gerechte Gesellschaft ist inklusiv in allen Aspekten, angefangen bei den Chancen über Partizipation bis zur Repräsentation. Eine inklusive Gesellschaft stärkt das patriotische Bewusstsein, weil man gerne in dieser Gesellschaft lebt, und wirkt Entwicklungen wie gesellschaftlicher Radikalisierung, Korruption und Steuerbetrug entgegen. Kenia kann eine Wende schaffen, wenn die „Politik für Wenige“, die derzeit vorherrscht, durch eine „Politik für die Mehrheit“ abgelöst wird.  

DK:  Binti Uongozini und Sie sind nun DIAR-Finalisten! Wir werden uns aber nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, sondern noch aktiver werden. Wie machen wir weiter - welche Ansätze sollten wir wählen, um die soziale und politische Partizipation von jungen Frauen in Kenia weiter zu fördern?  

BMM:  Junge Frauen sind im gesellschaftspolitischen Raum Kenias doppelt benachteiligt: als Frauen und als junge Menschen. Frauen waren in der Geschichte Kenias immer schon an der Macht beteiligt - aber hinter den Kulissen. Wir brauchen mehr junge Frauen im Scheinwerferlicht, um unser Verständnis der politischen Prozesse in der Demokratie zu verbessern und in Parteien und Institutionen unser Gewicht in die Waagschale zu werfen. Entscheidend wird sein, dass möglichst viele Frauen zusammenarbeiten und ein gemeinsames Ziel verfolgen, über Partei- und Regionengrenzen hinaus. Hierfür sind Plattformen wie Binti Uongozini hervorragend geeignet – aber es müsste viel mehr davon geben!

DK: Vielen Dank für das Gespräch!

Der Preis in der Kategorie “Eminent Leader Award” ging für ihr Lebenswerk an Dr. Jennifer Riria, CEO von Echo Network Afrika (ENA), einem der einflussreichsten Unternehmen im Bereich Mikrokredite und damit der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Förderung von Frauen in Kenia. ENA hat die NGO „Democratic Trust Foundation DTF“ gegründet, deren Ziel es ist, auch die politische Beteiligung von Frauen in Kenia zu fördern. In diesem Bereich arbeitet die HSS Kenia mit dem DTF zusammen.

Dr. Jennifer Riria ist Unternehmerin, Wirtschafts- und Bankenexpertin. Sie ist aktuell die Geschäftsführerin des Echo Network Afrika (ENA), einer frauenorientierten Entwicklungsbank.

Dr. Riria ist Mikrofinanzexpertin und blickt auf eine jahrzehntelange erfolgreiche Karriere in diesem Bereich zurück. ENA und deren Vorgängerinstitution, Kenya Women Trust Fund (KWFT), haben mehr als 900.000 Frauen Zugang zu Finanzprodukten wie Krediten, Spareinlagen und Versicherungen ermöglicht. Dr. Riria ist in zahlreichen Institutionen und NGO aktiv, wie dem Women’s World Banking Board, Jabali Microserve oder dem Local Leadership Council of Woman and Girls LeadGlo. Unter ihrer Leitung wurde der Democratic Trust Fund (DTF) unter dem Dach von ENA ins Leben gerufen, eine NGO zur Förderung der gesellschaftspolitischen Partizipation von Frauen in Kenia. Die HSS Kenia arbeitet in zahlreichen Maßnahmen mit dem DTF zusammen. 

„Champions“ für den Wandel sind all die Engagierten, die sich für Inklusion und Partizipation in der kenianischen Gesellschaft einsetzen. Die Verleihung der National Diversity and Inclusion Awards würdigt nicht nur diesen Einsatz, sondern bietet Raum zum Austausch und gegenseitigen Kennenlernen.

„Champions“ für den Wandel sind all die Engagierten, die sich für Inklusion und Partizipation in der kenianischen Gesellschaft einsetzen. Die Verleihung der National Diversity and Inclusion Awards würdigt nicht nur diesen Einsatz, sondern bietet Raum zum Austausch und gegenseitigen Kennenlernen.

Daniel Seiberling

Die feierliche Verleihung der Preise

Die Verleihung der National Diversity and Inclusion Awards war nicht nur eine einzigartige Lern- und Networking-Erfahrung für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sondern auch eine unterhaltsame und inspirierende Veranstaltung in Anerkennung ihres Einsatzes für die kenianische Gesellschaft. Zahlreiche Laudatoren aus der kenianischen Regierung und Verwaltung betonten, wie bedeutend das hier vertretene gesellschaftliche Engagement zur Realisierung eines freiheitlichen, inklusiven und korruptionsfreien Kenia sei.

Im Vordergrund standen Gespräche und der Wissensaustausch zu Fragen der gesellschaftlichen Gleichstellung, Vielfalt und Inklusion. Thematisiert wurden die Bedürfnisse und Möglichkeiten in Afrika, aber auch die Verpflichtungen, die Kenia eingegangen ist, um seine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Am Beispiel der Special Interest Groups Frauen, Jugend und Menschen mit Behinderung wurde deutlich, dass Kenia in der Umsetzung der entsprechenden internationalen Vereinbarungen und Entwicklungsziele schon weit gekommen ist; es bleibt aber noch viel zu tun, und der Erfolg wird hierbei auch vom gesellschaftlichen Engagement von Organisationen und Einrichtungen wie den hier Ausgezeichneten abhängen.

Alle Finalisten und Preisträgerinnen, von Initiativen und NGOs einzelner Aktivisten bis zu landesweit tätigen Unternehmen und staatlichen Einrichtungen, sind Multiplikatoren und „Champions“ für den Wandel bei der Geschlechtergleichstellung, der Inklusion von Menschen mit Behinderung, der Jugend und marginalisierter Gesellschaftsgruppen.

Mehrere Redner appellierten an die anwesenden Multiplikatoren alles zu tun, um eine Wiederholung der Gewaltausbrüche in Kenia bei den Wahlen 2007 zu verhindern und ein friedliches Zusammenleben auch während der Wahlen im August 2022 zu fördern.

Perspektive

Ein zentrale Aufgabe im weiteren Projektverlauf wird es sein, eine Brücke zwischen den Aktivistinnen der ersten Stunde, die ihr Engagement für die Rechte der Frauen in Kenia zum Teil noch unter britischer Kolonialverwaltung begonnen hatten und die exemplarisch in ENA vertreten sind, und den jungen Politikerinnen und Aktiven der Binti Uongozini - Generation zu schaffen. Zum Teil stehen sich diese Generationen, trotz gemeinsamer Anliegen, fremd gegenüber, da sich die erlebte Realität und das Lebensumfeld in Kenia und insbesondere in Nairobi derart verändert hat, dass die sozio-psychologische Verortung und das geschlechterspezifische Verständnis der Generationen nicht immer problemlos kompatibel ist.

Neben der Geschlechterproblematik stellt sich auch die Frage nach einer nachhaltigen und sozial verträglichen wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Die Covid-19-Krise hat gezeigt, wie volatil die Lebensumstände der Mehrheit der Bevölkerung immer noch sind. Es kommt nicht von ungefähr, dass der Präsidentschaftskandidat Ruto das Narrativ eines kenianischen Klassenkampfes zum Motto gewählt hat. Die wirtschaftliche Situation hat unmittelbaren Einfluss auf die Inklusion marginalisierter Bevölkerungsgruppen. Wenn das Schulgeld nur noch für ein Kind aufgebracht werden kann, wird es in den allermeisten Fällen nicht für die Tochter verwendet. Frauen, die in der Regel über weniger Einkommen verfügen, haben es schwerer, die Nominierungsgebühren für politische Positionen zu bezahlen. Solange weniger als 10 Prozent der Bevölkerung Einkommensteuer bezahlen, weil ihr Jahreseinkommen unter dem (niedrigen) Schwellenwert der Besteuerung liegt, hat der kenianische Staat nur wenig Spielraum, die notwendigen Voraussetzungen für die Entwicklung einer inklusiven und nachhaltigen Gesellschaft zu schaffen.

Kontakt

Leiter: Daniel Seiberling
Südosteuropa
Leiter

Kenia - DIAR Awards 2022
Binti Uongozini-Programm der HSS wird ausgezeichnet

Autorin/Autor: Daniel Seiberling

Die Initiative Binti Uongozini - Kiswahili für „Tochter in Führung“ - der HSS Kenia erreichte den zweiten Platz in der Kategorie “Diversität und Inklusion für Gender-Gleichheit” des National Diversity and Inclusion Awards & Recognition (DIAR Awards).

Der National Diversity and Inclusion Awards & Recognition (DIAR Awards) ist eine Auszeichnung für Personen und Organisationen, die sich besonders um die Inklusion und Partizipation von sog. Special Interest Groups – nach kenianischem Verständnis Frauen, Jugendliche und junge Erwachsene sowie Menschen mit Behinderung – verdient gemacht haben und somit einen Beitrag zur gesellschaftlichen Kohäsion Kenias leisten. Seit dem Jahr 2018 wird dieser Preis in mehreren Kategorien vom Daima Trust Kenia verliehen, der durch zahlreiche staatliche und privatwirtschaftliche Partner gefördert wird, verliehen. Für jede Kategorie werden auf Vorschlag acht Nominierungen veröffentlicht, für die per Online-Voting abgestimmt werden kann.

Das Projektbüro Kenia der HSS war 2022 mit der Eigenmaßnahme Binti Uongozini in der Kategorie “Diversity and Inclusion for Gender Equality“ nominiert und erhielt den zweiten Platz.

Die Mitglieder von Binti Uongozini, die jungen Politikerinnen und gesellschaftspolitischen Aktivistinnen aus ganz Kenia haben sich das Motto Inspire. Inform. Influence. gegeben. Sie wollen ein Zeichen setzen, dass junge Frauen aus verschiedenen Regionen Kenias mit unterschiedlichem beruflichem Hintergrund und unterschiedlichen parteilichen Affinitäten das gemeinsame Ziel verfolgen können, den Einfluss von jungen Frauen in Politik und Staatsapparat zu verbessern.  

Zusätzlich waren mit Banice Mbuki Mburu in der Kategorie Diversität und Inklusion von Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Führungspersönlichkeiten (Leadership) und Dr. Jennifer Riria vom Echo Network Afrika (ENA) in der Kategorie “Eminent Leader Award” zwei weitere Personen aus dem Projektumfeld der HSS aufgestellt. Mbuki erreichte als Finalistin den vierten Platz, Dr. Riria erhielt den Eminent Leader Award für ihr Lebenswerk.

Damaris Kariuki, Dr. Jennifer Riria vom Echo Network Afrika (ENA), Wanjiru Nguhi von Binti Uongozini und Daniel Seiberling während der Verleihung der National Diversity and Inclusion Awards.

Damaris Kariuki, Dr. Jennifer Riria vom Echo Network Afrika (ENA), Wanjiru Nguhi von Binti Uongozini und Daniel Seiberling während der Verleihung der National Diversity and Inclusion Awards.

Echo Network Afrika (ENA)

Wofür steht Binti Uongozini?

Binti Uongozini ist eine 2018 gegründete Projektinitiative der HSS Kenia. Junge Politikerinnen werden in ihrer politischen Karriere unterstützt und junge Frauen motiviert, sich politisch (stärker) zu engagieren, um Einfluss auf die gesellschaftliche Veränderung in Kenia nehmen zu können. Sie bietet einen geschützten Raum, in dem sich junge Frauen, die am Anfang ihres politischen und gesellschaftlichen Engagements stehen unter dem „Motto Inspire. Inform. Influence.“ (dt.: Inspirieren, Informieren, Beeinflussen) mit erfahreneren (jungen) Politikerinnen austauschen und Ideen entwickeln, wie die politische Beteiligung von Frauen in Kenia gefördert werden kann.

Frauen sehen sich in der kenianischen Politik nach wie vor zahlreichen Herausforderungen, wie fehlender finanzieller Unterstützung, kultureller Voreingenommenheit und mangelnder Anerkennung ihrer Leistungen, ausgesetzt. Binti Uongozini thematisiert daher sowohl die Erfolge als auch die Herausforderungen, denen junge Frauen in Kenia, die eine aktive Rolle in Politik und Gesellschaft anstreben, begegnen.

Der Schwerpunkt liegt auf einem Austausch „auf Augenhöhe“ und “peer learning” (Lernen von anderen im selben Umfeld). Das Projekt konnte eine über ein loses Netzwerk hinausgehende Gemeinschaft aufbauen, die ihre eigene Organisationskultur entwickelt hat. In den Phasen 2019/2020 und 2020/2021 wurden zwei Gruppen von jeweils 15 Teilnehmerinnen identifiziert und gefördert.

Durch die Covid-19 Pandemie konnte das gemeinsame Lernen 2021 nur virtuell stattfinden. Das Jahr 2022 wird daher genutzt, um das Netzwerk von Binti Uongozini zu konsolidieren und die Rahmenbedingungen für die dritte Gruppe 2023/2024 zu schaffen. Beherrschendes aktuelles Thema ist für Binti Uongozini die Präsidenten-, Parlaments- und Kommunalwahl im Sommer 2022.

Wanjiru Nguhi, Binti Uongozini Mitglied seit 2019 und Gründerin der NGO „Mwafrika Mwenzangu“ äußert sich zur Preisverleihung:

Herzlichen Glückwunsch an Binti Uongozini und die Hanns-Seidel-Stiftung für diesen Preis! Meiner Meinung nach sollte es noch viel mehr solcher Preise geben, um die Beteiligung aller Gesellschaftsgruppen Kenias zu würdigen und weiter zu fördern. Denn es ist noch viel zu tun, gerade im Bereich der Frauenförderung. Obwohl in fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens die verfassungsmäßige 2/3 Regel gilt - nicht mehr als 2/3 eines Personenkreises, z.B. Parlamentsabgeordnete oder Stadträte, dürfen demselben Geschlecht angehören - wird dies bei weitem noch nicht flächendeckend angewandt; aber selbst wenn, wäre das Problem der tief patriarchalischen gesellschafts- und vor allem politischen Ordnung in Kenia damit nicht gelöst.

Nur sechs der 106 politischen Parteien in Kenia werden von Frauen geleitet! Aber es geht hier nicht nur um Zahlen und eigentlich auch nicht nur um die Geschlechterfrage. Als Beispiel: Es gibt in Kenia viele hervorragende männliche Führungspersonen, die sich auch für Frauenrechte einsetzen – sogenannte “He for She” - aber es gibt auch ungeeignete weibliche Führungspersonen. Was sagt uns das? Nichts! Denn diese Frage nur auf den Gender-Aspekt zu reduzieren greift zu kurz.

Die Gender-Thematik macht einen großen Teil meiner Arbeit aus, aber zunehmend wird mir bewusst, dass es noch viele weitere Ebenen der Unterdrückung und Benachteiligung gibt, wie Bildung, wirtschaftliche Stellung oder auch Behinderung. Denn eigentlich haben wir eine strukturelle politische Führungskrise im Land: Diejenigen, die derzeit das Land lenken – in der Mehrheit ältere, wohlhabende und etablierte Männer – sind vertikal vernetzt und haben kein Interesse daran, politische Räume anderen zu überlassen. Wenn diese Art von Patriarchat Bestand hat, werden nicht nur Frauen, sondern auch alle anderen Gesellschaftsgruppen unterrepräsentiert und marginalisiert bleiben, je schwächer sie sind, umso mehr. Ich glaube, zukünftige Auseinandersetzungen werden in Kenia weniger entlang der Generationen- oder Genderfrage ausgerichtet sein, sondern entlang gesellschaftlicher- und Einkommensdisparitäten.

Wanjiru Nguhi hat ein Jurastudium an der Universität von Nairobi absolviert und mehrere Jahre in verschiedenen Kanzleien gearbeitet. Sie ist Schriftstellerin, Bloggerin und bezeichnet sich selbst als „Afro Politico-Feministin“. Sie ist die Gründerin von “Mwafrika Mwenzangu”, einer NGO mit dem Ziel, einen progressiven politischen Dialog zu initiieren, um die gesellschaftliche Kontrollfunktion gegenüber Amts- und Mandatsträgern zu verbessern. Bei den Parlamentswahlen 2017 war Wanjiru Wahlkampfmanagerin für eine Kandidatin zum Stadtparlament Nairobi.   

Parallel zu ihrer beruflichen Karriere arbeitete sie als Projektkoordinatorin bei der Grow House Foundation, einer NGO für Mentoring und zur gegenseitigen Unterstützung von Expertinnen, und war Freiwillige bei Transparency International im Bereich politische Bildung zur Korruptionsbekämpfung und juristischer Unterstützung von indigenen Gesellschaften. Wanjiru ist aktiv in “Re-Imagine Nairobi”, einer städteplanerischen Vision der Heinrich-Böll-Stiftung.

Sie hat mehrere Medien – und Kommunikationstrainings absolviert und ist seit 2019 Mitglied im Binti Uongozini Netzwerk der Hanns-Seidel- Stiftung. Wanjiru hat zahlreiche Artikel zu Politik, Bürgerbeteiligung und der Rolle von Religion für Politik und Entwicklung geschrieben und unterhält den Blog und Podcast: „Mine is a comment”. Dieses Medium bringt Frauen zusammen, um über kulturelle, politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entscheidungen zu reden, die das Lebensumfeld von Frauen beeinflussen. Ihr politisches Credo ist: Die Ausgestaltung einer inklusiven Gesellschaftsordnung kann nicht an einige wenige delegiert werden; sie muss kollektiv gedacht und von allen realisiert werden. 

Eine weitere Nominierte - Banice Mbuki Mburu

Die Teilnahme am Finale und eine Auszeichnung in der Kategorie “Diversität und Inklusion von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Leadership” erreichte Banice Mbuki Mburu, Mitglied der Binti Uongozini Gruppe 2020/2021 und langjährige Aktivistin des Public Policy/Youth Engagement mit Erfahrung in Entwicklungsstrategien, Politikforschung und -analyse. Mbukis Einsatz basiert auf ihrem ausgeprägten Bewusstsein für soziale Gerechtigkeit. Bereits im Jahr 2020 war sie Preisträgerin der „Top 35 Under 35 Change Makers in Africa“ in der Kategorie „Advocacy and Community Action“ für die Schaffung von Plattformen und Kanälen, auf denen junge Menschen sich zu Wort melden und einbringen können.

Banice Mbuki Mburu engagiert sich in dem breiten Spektrum der inhaltlichen Entscheidungen, Zielsetzungen und Aktivitäten der am Politikprozess Beteiligten in Kenia und darüber hinaus - dem Bereich von Public Policy. Ein besonderes Anliegen sind ihr dabei die Entwicklungsperspektiven von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Mbukis Engagement ist vor allem durch ein tiefes Verlangen nach sozialer Gerechtigkeit geprägt. Sie verfügt über umfangreiche Erfahrung in partizipativen Entwicklungsstrategien, öffentlicher Politikforschung und -analyse. Sie hat bereits auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene gearbeitet, wo sie unter anderem vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen während der Internationalen Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung (ICPD @25) aufgetreten ist und auf dem High Level Political Forum (HLPF) zur Überprüfung der SDGs am Hauptsitz der Vereinten Nationen ausgewählt wurde, um während der UN@75-Feier „Navigieren von Unsicherheiten: ein Intergenerationen-Dialog über COVID 19 und Jugendbeschäftigung“ vor der Hauptabteilung der Vereinten Nationen für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten (UN-DESA) zu sprechen.

Mbuki war eine von 15 jungen Menschen, die in ganz Afrika ausgewählt wurden, um die Fertigstellung des „Model African Union Toolkit“ zu leiten, einer Initiative der Afrikanischen Union (AU).

In Kenia hat sie Jugendinitiativen mitbegründet und erfolgreiche Kampagnen wie #ShuleYanguCampaign und #NYCTuitakayo geleitet. Mbuki ist an der Entwicklung und Überprüfung von zahlreichen Richtlinien beteiligt, die Interessen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Kenia betreffen, und hat sich auch in gerichtlichen Auseinandersetzungen im öffentlichen Interesse zugunsten der Belange junger Menschen eingesetzt.

Mbuki war 2020-Preisträgerin der „Top 35 Under 35 Change Makers in Africa“ in der Kategorie „Advocacy and Community Action“ für die Gründung von Plattformen und Kanälen, auf denen sich junge Menschen zu Wort melden und gesellschaftliche engagieren können.

Mbuki ist Mitbegründerin der nichtstaatlichen, überparteilichen und überkonfessionellen Jugendorganisation „Youth Serving Organizations Consortium“, des „Youth For Tax Justice Network“ und Civic Engagement Officer beim Kunst- und Kultur-Netzwerk „PAWA 254“. Mbuki ist Absolventin des „Political Leadership and Governance Programme“ der Friedrich-Ebert-Stiftung 2019, Mitglied im Binti Ungozini-Programm der Hanns-Seidel-Stiftung seit 2020 und Mitglied der InititaiveOne Champion Campaign East Africa.

Sie hat einen Bachelor-Abschluss in Internationalen Beziehungen von der United States International University-Africa und hat Postgraduiertenkurse in Kommunikation für Entwicklung, Monitoring und Evaluierung, sowie Programmplanung und -management vom MS Training Center for Development Cooperation belegt.

DK: Liebe Mbuki, herzlichen Glückwunsch für die DIAR 2022-Nominierung! Das Ergebnis unter den vier Finalisten zu sein, ist eine verdiente Anerkennung Ihres Engagements für die politische Partizipation von jungen Frauen! Sie sind eine erfahrene Aktivistin für die politische Beteiligung von jungen Frauen und dem Bestreben, politische Räume zu besetzen und ihren Anliegen Gehör zu verschaffen. Wie würden Sie die aktuelle Situation in Kenia in Bezug auf die politische Beteiligung und politische Vertretung von Frauen beschreiben?   

BMM: Die gesellschaftliche Sozialisierung in Bezug auf Frauen, die im politischen Raum präsent sind und für politische Ämter kandidieren, ist nicht abgekoppelt von der gesamten kulturellen Dynamik im Land. Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass sich Einstellungen verändern und die politische Kultur Kenias zunehmend bereit ist, Frauen auch in politischen Führungspositionen zu akzeptieren. Ein wichtiger Meilenstein hierbei war die Verabschiedung der sehr fortschrittlichen Verfassung von 2010. Hierin ist beispielsweise die 2/3 Regelung für das kenianische Parlament enthalten. Die Regelung ist aber noch immer nicht vollständig umgesetzt, was letztlich bedeutet, dass das kenianische Parlament verfassungswidrig ist. Und auch in vielen anderen Bereichen des Öffentlichen Lebens, der Wirtschaft und in Verbänden ist die Regelung noch nicht umgesetzt. Die verfassungsmäßigen Vorgaben machen es uns als Aktiven aber einfacher, dafür zu werben, dass Frauen insbesondere in gewählten Positionen die Norm sein müssen, nicht die Ausnahme.   

Der Vergleich mit den Wahlen von 2013 und 2017 zeigt, dass die Zahl der Frauen, die sich um Wahlämter bewerben, stetig zunimmt. Das könnte bedeuten, dass auch die Wahrscheinlichkeit, gewählt zu werden, zunimmt. Tatsächlich sind aber in weiten Teilen Kenias patriarchale Strukturen vorhanden, die Frauen den Erfolg bei Wahlen verwehren – Stichwort “verhandelte Demokratie”. Gerade bei Wahlen reicht es deswegen nicht aus, Regelungen zur Förderung von Frauen in das Wahl- und Parteiengesetz zu schreiben – die Buchstaben und der Geist dieser Regelungen müssen sehr viel stärker überwacht und eingefordert werden.

DK:  Wir als Vertreterinnen der Jugend Kenias hoffen darauf, dass die kommenden Wahlen Veränderungen, wie Politik in Kenia stattfindet, bringen werden. Aber natürlich hoffen wir auch, dass die Wahlen friedlich verlaufen werden und niemand, vor allem nicht die jungen Männer zu gewalttätigen Aktionen missbraucht werden. Wir wissen alle, dass Frauen am meisten von Konfliktsituationen betroffen sind, aber was können wir tun, um einen Beitrag zu friedlichen Wahlen zu leisten?

BMM:  Wie in der Politik, so liegt auch bei Gewalt die Stärke in den Zahlen. Wir als junge Frauen können nicht viel mehr tun, als darauf hinzuwirken, dass Gewaltbereitschaft kein Massenphänomen wird. Wir können hier durch Moderation beitragen, durch Nutzung unserer Online-Kanäle und dadurch, dass wir bestimmte Narrative nicht weiterverbreiten. Unsere Generation ist über Regionen- und ethnische Affinitäten vernetzt; wir können diese Soft Power nutzen, um unsere Freunde, Brüder und Kollegen zum friedlichen Miteinander zu bewegen.  

DK: Die Statistiken sprechen eine klare Sprache: Fast 75 Prozent der kenianischen Bevölkerung sind jünger als 35 Jahre und rund 52 Prozent der Bevölkerung sind Frauen. Kenia müsste also das Land der jungen Frauen sein – in Regierung, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Wir sind aber dort noch nicht ganz angekommen – und werden es wohl auch noch lange nicht sein. Was denken Sie, woran es liegt, dass die junge Generation und insbesondere Frauen nicht den Platz einnehmen, der ihnen zusteht?   

BMM: Es gibt einige Faktoren, die die geringe Jugendbeteiligung beeinflussen. Die Gruppe der jungen Bevölkerung weist eine enorme Arbeitslosenquote von fast 40 Prozent, im Vergleich zur Gesamtbevölkerung mit rund 7 Prozent, auf. Daher fehlt vielen jungen Menschen schlicht das Geld, um sich um Ämter zu bewerben. Ein Wahlamt verlangt in Kenia den Einsatz finanzieller Ressourcen – von den Nominierungsgebühren über Kosten im Verfahren bis zu Wahlkampfausgaben – alles das will finanziert werden.

Auch der Sicherheitsaspekt ist nicht zu unterschätzen. Junge Kandidaten und Wähler, die ernsthaft einen jungen, unabhängigen Kandidaten anstatt einen Vertreter der eingesessenen Eliten unterstützen, werden als Unruhestifter und Querulanten diffamiert. In Einzelfällen kommt es sogar zu tätlichen Übergriffen. Andere werden “ausbezahlt” – es werden ihnen hohe Summen geboten, um aus dem Rennen auszuscheiden. Kurz gesagt liegt das Problem darin, dass im politischen Geschäft in Kenia die Ressourcen, die jemand zur Verfügung hat, eine enorme Rolle spielen.

DK:  Wenn Sie das oft wiederholte Stereotyp “Frauen wählen nicht Frauen” hören, was denken Sie dazu?  

BMM: Hier gibt es keine einfache Antwort. Natürlich wären Frauen, wenn alle Frauen immer Frauen wählen würden, in allen Wahlämtern in der Mehrzahl. Aber es gibt einige Faktoren, die hier zu berücksichtigen sind. Allen voran sind viele Frauen nicht bereit, unter den vorherrschenden Bedingungen in Kenia die politische Arena zu betreten. Auf vielfältige Weise werden sowohl Frauen, die ihr passives Wahlrecht wahrnehmen wollen, als auch Wählerinnen, die für Kandidatinnen stimmen wollen, eingeschüchtert, bedrängt und belästigt. Das Phänomen der “verhandelten Demokratie”, bei der indigene Strukturen den Entscheidungsprozess beeinflussen, sind so gut wie nie vorteilhaft für Kandidatinnen. Die Situation ändert sich und politische Räume öffnen sich für Frauen – aber nur sehr langsam.

Die wichtigsten Gatekeeper sind die politischen Parteien. In der kenianischen Parteiendemokratie beeinflussen die Parteien in weiten Teilen den politischen Diskurs und die Normensetzung. Daher müssen wir unsere Anstrengungen darauf konzentrieren, innerhalb der Parteien verbesserte demokratische Strukturen und eine angemessene Repräsentanz von Frauen zu schaffen.

DK:  Ich weiß, dass Sie sich stark für eine inklusive, soziale und gerechte Gesellschaft einsetzen. Wie würden Sie eine solche Gesellschaft beschreiben? Wie könnte das in Kenia aussehen - und wie lange brauchen wir bis dahin?

BMM:  Jede Gesellschaft, die die Belange der Jugend ernst nimmt, ist zwangsläufig visionär und progressiv. Die Mehrheit der kenianischen Bevölkerung ist jung. Wir sind nicht progressiv, wenn wir die Mehrheit der Bevölkerung aus dem politischen Prozess ausblenden. Eine gerechte Gesellschaft ist inklusiv in allen Aspekten, angefangen bei den Chancen über Partizipation bis zur Repräsentation. Eine inklusive Gesellschaft stärkt das patriotische Bewusstsein, weil man gerne in dieser Gesellschaft lebt, und wirkt Entwicklungen wie gesellschaftlicher Radikalisierung, Korruption und Steuerbetrug entgegen. Kenia kann eine Wende schaffen, wenn die „Politik für Wenige“, die derzeit vorherrscht, durch eine „Politik für die Mehrheit“ abgelöst wird.  

DK:  Binti Uongozini und Sie sind nun DIAR-Finalisten! Wir werden uns aber nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, sondern noch aktiver werden. Wie machen wir weiter - welche Ansätze sollten wir wählen, um die soziale und politische Partizipation von jungen Frauen in Kenia weiter zu fördern?  

BMM:  Junge Frauen sind im gesellschaftspolitischen Raum Kenias doppelt benachteiligt: als Frauen und als junge Menschen. Frauen waren in der Geschichte Kenias immer schon an der Macht beteiligt - aber hinter den Kulissen. Wir brauchen mehr junge Frauen im Scheinwerferlicht, um unser Verständnis der politischen Prozesse in der Demokratie zu verbessern und in Parteien und Institutionen unser Gewicht in die Waagschale zu werfen. Entscheidend wird sein, dass möglichst viele Frauen zusammenarbeiten und ein gemeinsames Ziel verfolgen, über Partei- und Regionengrenzen hinaus. Hierfür sind Plattformen wie Binti Uongozini hervorragend geeignet – aber es müsste viel mehr davon geben!

DK:  Vielen Dank für das Gespräch!

Der Preis in der Kategorie “Eminent Leader Award” ging für ihr Lebenswerk an Dr. Jennifer Riria, CEO von Echo Network Afrika (ENA), einem der einflussreichsten Unternehmen im Bereich Mikrokredite und damit der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Förderung von Frauen in Kenia. ENA hat die NGO „Democratic Trust Foundation DTF“ gegründet, deren Ziel es ist, auch die politische Beteiligung von Frauen in Kenia zu fördern. In diesem Bereich arbeitet die HSS Kenia mit dem DTF zusammen.

Dr. Jennifer Riria ist Unternehmerin, Wirtschafts- und Bankenexpertin. Sie ist aktuell die Geschäftsführerin des Echo Network Afrika (ENA), einer frauenorientierten Entwicklungsbank.

Dr. Riria ist Mikrofinanzexpertin und blickt auf eine jahrzehntelange erfolgreiche Karriere in diesem Bereich zurück. ENA und deren Vorgängerinstitution, Kenya Women Trust Fund (KWFT), haben mehr als 900.000 Frauen Zugang zu Finanzprodukten wie Krediten, Spareinlagen und Versicherungen ermöglicht. Dr. Riria ist in zahlreichen Institutionen und NGO aktiv, wie dem Women’s World Banking Board, Jabali Microserve oder dem Local Leadership Council of Woman and Girls LeadGlo. Unter ihrer Leitung wurde der Democratic Trust Fund (DTF) unter dem Dach von ENA ins Leben gerufen, eine NGO zur Förderung der gesellschaftspolitischen Partizipation von Frauen in Kenia. Die HSS Kenia arbeitet in zahlreichen Maßnahmen mit dem DTF zusammen. 

„Champions“ für den Wandel sind all die Engagierten, die sich für Inklusion und Partizipation in der kenianischen Gesellschaft einsetzen. Die Verleihung der National Diversity and Inclusion Awards würdigt nicht nur diesen Einsatz, sondern bietet Raum zum Austausch und gegenseitigen Kennenlernen.

„Champions“ für den Wandel sind all die Engagierten, die sich für Inklusion und Partizipation in der kenianischen Gesellschaft einsetzen. Die Verleihung der National Diversity and Inclusion Awards würdigt nicht nur diesen Einsatz, sondern bietet Raum zum Austausch und gegenseitigen Kennenlernen.

Daniel Seiberling

Die feierliche Verleihung der Preise

Die Verleihung der National Diversity and Inclusion Awards war nicht nur eine einzigartige Lern- und Networking-Erfahrung für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sondern auch eine unterhaltsame und inspirierende Veranstaltung in Anerkennung ihres Einsatzes für die kenianische Gesellschaft. Zahlreiche Laudatoren aus der kenianischen Regierung und Verwaltung betonten, wie bedeutend das hier vertretene gesellschaftliche Engagement zur Realisierung eines freiheitlichen, inklusiven und korruptionsfreien Kenia sei.

Im Vordergrund standen Gespräche und der Wissensaustausch zu Fragen der gesellschaftlichen Gleichstellung, Vielfalt und Inklusion. Thematisiert wurden die Bedürfnisse und Möglichkeiten in Afrika, aber auch die Verpflichtungen, die Kenia eingegangen ist, um seine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Am Beispiel der Special Interest Groups Frauen, Jugend und Menschen mit Behinderung wurde deutlich, dass Kenia in der Umsetzung der entsprechenden internationalen Vereinbarungen und Entwicklungsziele schon weit gekommen ist; es bleibt aber noch viel zu tun, und der Erfolg wird hierbei auch vom gesellschaftlichen Engagement von Organisationen und Einrichtungen wie den hier Ausgezeichneten abhängen.

Alle Finalisten und Preisträgerinnen, von Initiativen und NGOs einzelner Aktivisten bis zu landesweit tätigen Unternehmen und staatlichen Einrichtungen, sind Multiplikatoren und „Champions“ für den Wandel bei der Geschlechtergleichstellung, der Inklusion von Menschen mit Behinderung, der Jugend und marginalisierter Gesellschaftsgruppen.

Mehrere Redner appellierten an die anwesenden Multiplikatoren alles zu tun, um eine Wiederholung der Gewaltausbrüche in Kenia bei den Wahlen 2007 zu verhindern und ein friedliches Zusammenleben auch während der Wahlen im August 2022 zu fördern.

Perspektive

Ein zentrale Aufgabe im weiteren Projektverlauf wird es sein, eine Brücke zwischen den Aktivistinnen der ersten Stunde, die ihr Engagement für die Rechte der Frauen in Kenia zum Teil noch unter britischer Kolonialverwaltung begonnen hatten und die exemplarisch in ENA vertreten sind, und den jungen Politikerinnen und Aktiven der Binti Uongozini - Generation zu schaffen. Zum Teil stehen sich diese Generationen, trotz gemeinsamer Anliegen, fremd gegenüber, da sich die erlebte Realität und das Lebensumfeld in Kenia und insbesondere in Nairobi derart verändert hat, dass die sozio-psychologische Verortung und das geschlechterspezifische Verständnis der Generationen nicht immer problemlos kompatibel ist.

Neben der Geschlechterproblematik stellt sich auch die Frage nach einer nachhaltigen und sozial verträglichen wirtschaftlichen Entwicklung des Landes. Die Covid-19-Krise hat gezeigt, wie volatil die Lebensumstände der Mehrheit der Bevölkerung immer noch sind. Es kommt nicht von ungefähr, dass der Präsidentschaftskandidat Ruto das Narrativ eines kenianischen Klassenkampfes zum Motto gewählt hat. Die wirtschaftliche Situation hat unmittelbaren Einfluss auf die Inklusion marginalisierter Bevölkerungsgruppen. Wenn das Schulgeld nur noch für ein Kind aufgebracht werden kann, wird es in den allermeisten Fällen nicht für die Tochter verwendet. Frauen, die in der Regel über weniger Einkommen verfügen, haben es schwerer, die Nominierungsgebühren für politische Positionen zu bezahlen. Solange weniger als 10 Prozent der Bevölkerung Einkommensteuer bezahlen, weil ihr Jahreseinkommen unter dem (niedrigen) Schwellenwert der Besteuerung liegt, hat der kenianische Staat nur wenig Spielraum, die notwendigen Voraussetzungen für die Entwicklung einer inklusiven und nachhaltigen Gesellschaft zu schaffen.

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Leiter: Daniel Seiberling
Südosteuropa
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