Togo
- Dezentralisierung, Demokratisierung, Rechtsstaatlichkeit
- Sicherheit und Kommunikation
- Förderung der Zivilgesellschaft und insbesondere von Frauengruppen
Projekt
Standort:
Lomé
Leitung:
Götz Heinicke
Homepage:
https://westafrica.hss.de/togo/
Facebook:
https://www.facebook.com/HSF.westafrica/
Ziele:
- Förderung der Wahrnehmung der Polizei als bürgernaher Dienstleister
- Förderung der Kommunikationskultur zwischen Staat und Zivilgesellschaft
- Förderung des gesellschaftspolitischen Engagements der Zivilgesellschaft
- Verbesserung der öffentlichen Dienstleistungen auf lokaler Ebene
- Förderung der lokalen Wirtschaft
Zielgruppen:
- Zivilgesellschaftliche Vertreter
- Entscheidungsträger/Führungskräfte in den Bereichen Politik und Verwaltung
- Führungskräfte der Polizei
- Lokale Akteure und traditionelle Meinungsführer
- Frauen in der Politik und in der lokalen Entwicklung
Kurzbeschreibung:
Togo ist der älteste Projektstandort der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS). Seit 1977 sind wir in dem Land vertreten. Es ist eines der kleinsten Länder in Westafrika. Togo nimmt seit einigen Jahren eine bemerkenswerte diplomatische Rolle in der Region ein, wirkt proaktiv am Erhalt von Frieden und Stabilität mit und profiliert sich als wichtiger, unumgänglicher Verbündeter in der Vorbeugung bzw. Regelung von Konfliktsituationen in der westafrikanischen Region. Im Hinblick auf die Friedensschaffung, Friedenssicherung und Friedenskonsolidierung in der Sahel-Region unterstützt das Land Prozesse der politischen Normalisierung, des demokratischen Übergangs und Bemühungen um nationale Versöhnung durch Mediation. Immer wieder tritt Togo als Vermittler bei Konflikten in Afrika auf. Dies wurde auch nach dem Militärputsch in Niger im Jahr 2023 und der daraus resultierenden Blockbildung innerhalb der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS sehr deutlich. Während die „demokratischen“ Küstenstaaten Benin, Ghana, Elfenbeinküste und Senegal die Verhängung von sehr harten Sanktionen, bis hin zu einem militärischen Eingreifen, gegen den Niger (und die weiteren Militärjuntas in Burkina Faso, Mali und Guinea) forderten, suchte Togo den Dialog und versuchte zu vermitteln. Relativ offen sagten Vertreter der togoischen Regierung, dass das Land zu klein und schwach sei, um in einem Konflikt mit einem seiner Nachbarn bestehen zu können. Deswegen müsse Togo stets den Dialog und Austausch mit seinen Nachbarn suchen. Auseinandersetzungen seien mit allen Mitteln zu vermeiden: Diplomatie statt Konflikt.
Innenpolitisch ist – zumindest nach Wahrnehmung der Opposition - diese Politik der Regierung paradox, nämlich eine Diplomatie, die sich auf Toleranz, Dialog und Vermittlung in regionalen Konflikten konzentriert, aber auf nationaler Ebene mit starkem Autoritarismus verbunden sei.
Togo galt lange als “starker Staat“ mit einem engmaschigen und gut durchstrukturierten Gefüge von Streit- und Sicherheitskräften und bis vor Kurzem als eines der sichersten Länder Westafrikas. Allerdings belegen die seit zwei Jahren auch hier einsetzenden Übergriffe gewalttätiger extremistischer Gruppen, dass auch ein stärker autoritär gestalteter Staatsapparat vor terroristisch motivierten Anschlägen nicht verschont bleibt. Die Sicherheitslage im Norden Togos (genauso wie im Norden der benachbarten Küstenländer Benin und Ghana) bleibt unverändert kritisch. Es kommt regelmäßig zu Terroranschlägen, die aktuell noch auf die ländlichen Gebiete der mit Burkina Faso angrenzenden Savannen-Region beschränkt sind. Seit den ersten Vorfällen im November 2021 hat sich die Vorgehensweise der dort operierenden bewaffneten Gruppen (Gruppe für die Unterstützung des Islam und der Muslime/JNIM) verändert. Die gewalttätigen Extremisten infiltrieren zunehmend die Zivilbevölkerung, um sie für ihre Sache zu gewinnen, und weiten ihren Aktionsradius auf den Süden des Landes aus. Die Angriffe, die sich anfangs nur gegen die Verteidigungs- und Sicherheitskräfte richteten, werden nun auch vermehrt gegen Dörfer geführt und fordern Opfer unter der Bevölkerung. Es werden auch immer häufiger an Straßen versteckte improvisierte Sprengsätze verwendet. Die Anzahl der (Binnen-)Flüchtlinge in der Region steigt fortlaufend, verbunden mit einer Verschlechterung der Nahrungsmittelsicherheit. Die Regierung berichtet nur sehr selten über die Terroranschläge, mit dem Argument, nicht Panik und Unruhe in der Bevölkerung zu schüren, aber sicherlich auch, um nicht eigene Schwächen einzuräumen.
Maßnahmen
Förderung der Wahrnehmung der Polizei als bürgernaher Dienstleister
Seit 2015 erfolgt in Togo die Förderung einer bürgerfreundlichen Polizei im Rahmen eines mehrere Projektländer umfassenden Programms (Benin, Burkina Faso, Ghana, Niger, Togo). In enger Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsministerium werden Maßnahmen zur Entwicklung und Umsetzung des Konzepts einer bürgernahen Polizei und zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit durch das Zusammenwirken von staatlichen Sicherheitskräften und Zivilgesellschaft durchgeführt. Im Zentrum aller Maßnahmen steht der Bürger. Zur Verbesserung der Sicherheitssituation und zur Bekämpfung des Terrorismus ist eine bessere Zusammenarbeit der Bevölkerung mit den Sicherheitskräften notwendig. Unabdingbare Voraussetzungen hierfür sind gegenseitiges Vertrauen und ein Verständnis der Rolle und Aufgaben des jeweiligen Anderen. Genau dies ist Gegenstand der Workshops und Konferenzen, die für lokal gewählte und traditionelle Meinungsführer, Führungskräfte der Zivilgesellschaft, Journalisten, Taxifahrer, Handwerker, Vertreter der Polizei und des Sicherheitsministeriums durchgeführt werden. Ein Austausch der verschiedenen Vertreter der Zivilgesellschaft mit den Sicherheitskräften ist Ziel jeder Veranstaltung. Abgerundet werden diese Maßnahmen durch Radiosendungen für die gesamte Bevölkerung zu dem Thema.
Förderung der Kommunikationskultur zwischen Staat und Zivilgesellschaft
Zur Prävention und Bekämpfung von gewalttätigem Extremismus ist die Zusammenarbeit, die Kommunikation und der Austausch zwischen den Vertretern verschiedener staatlicher Einrichtungen und der Bevölkerung und ein besserer Umgang mit Informationen notwendig – dies umso mehr vor dem Hintergrund der weltweit wachsenden Bedeutungen von Desinformation und Fake-Nachrichten, welche maßgeblich zur Verschlechterung der Sicherheitslage in der Region beitragen. Deswegen werden Workshops zu diesen Themenfeldern für die Mitglieder der lokalen Komitees zur Prävention und Bekämpfung von gewalttätigem Extremismus, für traditionelle Autoritäten, Journalisten und weiteren Multiplikatoren organisiert.
Förderung des gesellschaftspolitischen Engagements der Zivilgesellschaft
Die HSS setzt Maßnahmen um, die die gesellschaftliche, rechtliche und politische Stellung der Frau stärken. Sie unterstützt die Weiterbildung von Frauen zur Übernahme von politischen Ämtern auf lokaler Ebene und fördert das gesellschaftspolitische Engagement der Jugend. Junge Bürger sollen darin bestärkt werden, sich in konstruktiver und verantwortungsvoller Weise in die Gesellschaft einzubringen und ihre Rolle als Multiplikatoren in ihrem direkten Umfeld kompetenter und effizienter wahrzunehmen.
Verbesserung der öffentlichen Dienstleistungen auf lokaler Ebene
Die Ausbildung von lokalen Mandatsträgern und Beamten, sowie die Sensibilisierung von Bürgern gewährleistet den Erfolg des Dezentralisierungsprozesses. Aus diesem Grund fördert die HSS die gute Regierungsführung an der Basis durch Ausbildungsseminare zur Stärkung bzw. Verbesserung der Leistungsfähigkeit von lokalen Mandatsträgern und unterstützt einen Dialog der Bürger mit der Lokalverwaltung zu diesem Thema.
Förderung der lokalen Wirtschaft
Die verstärkte Teilhabe der Bevölkerung am wirtschaftlichen Geschehen in Landesregionen mit begrenztem Wirtschaftspotential ist ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit der HSS in Togo. Sie unterstützt einerseits Ausbildungsveranstaltungen für Jungunternehmer und andererseits einen Dialog dieser Jungunternehmer mit Vertretern lokaler, staatlicher Einrichtungen zu ihren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Partner
- Ministère de la Sécurité et de la Protection Civile - Ministerium für Sicherheit und Zivilschutz
- NRO GF2D/Groupe de Réflexion et d'Action Femme, Démocratie et Développement - Reflexions- und Aktionsgruppe Frau, Demokratie und Entwicklung
- Ministère de l'Administration Territoriale, de la Décentralisation et du Développement des Territoires - Ministerium der Territorialverwaltung, der Dezentralisierung und Entwicklung der Gebiete
- Universität von Kara
- Universität von Lomé
- Institut Saint Paul
- NRO BEDD/ /Bien-Etre pour le Développement Durable - Wohlbefinden für nachhaltige Entwicklung
Kontakt
Ansprechpartner in Togo
Götz Heinicke
Projektleitung
Ansprechpartner in Deutschland
Sina Wieser
Leiterin
Jeanette Huber
Projektkoordinatorin