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Im Gespräch mit . . . Jorge Sandrock
Vom HSS-Auslandsmitarbeiter in Chile zum Botschafter in Berlin

Autorin/Autor: Katja Zirkel

Jorge Sandrock hat die Arbeit der Hanns-Seidel-Stiftung in Chile über viele Jahre geprägt und wurde nun zum chilenischen Botschafter in Berlin ernannt. Im HSS-Interview spricht er über politische Bildung, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Rolle der sozialen Marktwirtschaft in Chile. Zugleich blickt zurück auf die deutsch-chilenischen Beziehungen und die Erfahrungen, die er aus der Stiftungsarbeit in sein neues diplomatisches Amt mitnimmt.

 

Jorge Sandrock, Leiter des Regionalprojekts Lateinamerika der Hanns-Seidel-Stiftung

Jorge Sandrock wurde zum chilenischen Botschafter in Deutschland ernannt. Er ist seit 26 Jahren für die HSS in Lateinamerika tätig. Zuletzt leitete er das dortige Regionalprojekt.

Copyright: privat

Politische Bildung in Chile: die junge Generation stärken

HSS: Sie haben die Arbeit der Hanns-Seidel-Stiftung in Chile über viele Jahre geprägt. Welche Projekte oder Initiativen waren Ihnen in dieser Zeit besonders wichtig – und warum?


Jorge Sandrock: Ein Schwerpunkt der Projektarbeit der Hanns-Seidel-Stiftung in Chile in den letzten Förderphasen lag in der politischen Aus- und Fortbildung junger Menschen. Durch diese Maßnahmen sollten die neuen Generationen motiviert werden, die großen Reformen, die Chile benötigt, mitzugestalten und sie voranzutreiben. Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Bildungsmaßnahmen bekleiden heute Schlüsselpositionen in der Gesellschaft, einige sogar in der Exekutive als Minister oder Staatssekretäre sowie im Parlament als Abgeordnete und Senatoren. Dies zu sehen, ist sehr erfreulich und zeigt, dass unsere Arbeit in der politischen Bildung Früchte trägt.
 

Die Themen in Chile: Verfassungsdebatte, sozialer Zusammenhalt und soziale Marktwirtschaft

HSS: Chile hat in den vergangenen Jahren politisch bewegte Zeiten erlebt, unter anderem mit intensiven Debatten über Verfassungsfragen, gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirtschaftliche Perspektiven. Welche Entwicklungen haben Sie in Ihrer Arbeit für die HSS besonders aufmerksam begleitet?


Jorge Sandrock: Im Kontext der Debatte über den politisch-institutionellen Rahmen einer neuen Verfassung wurde der Rolle des Staates besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Unsere Projektarbeit förderte und unterstützte den Meinungsaustausch über diesen entscheidenden Aspekt und setzte dies auch nach dem Scheitern beider Verfassungsprozesse fort. Einer der Hauptkritikpunkte am chilenischen Entwicklungsmodell liegt in der Zurückhaltung, mit der die subsidiäre Rolle des Staates interpretiert und umgesetzt wird, insbesondere in Bezug auf Bildung und soziale Sicherheit. In diesem Zusammenhang ist es notwendig, dass dem Staat eine Rolle gemäß den Grundsätzen einer sozialen Marktwirtschaft zukommt. Dies bedeutet, dass der Staat nicht nur die Bedingungen für eine angemessene Entwicklung privater Akteure fördert, sondern auch eine proaktive Rolle übernimmt und ausreichende und zeitnahe Interventionen ermöglicht. Um den sozialen Zusammenhalt im Land zu stärken, muss im chilenischen Entwicklungsmodell ein höheres Maß an Solidarität angestrebt werden, das Wirtschaftswachstum und soziale Gerechtigkeit miteinander verbindet. Diese Debatten sind bis heute prägend für die politische und gesellschaftliche Entwicklung Chiles.

 

Deutsch-chilenische Beziehungen und diplomatische Verantwortung

HSS: Nun wechseln Sie aus der Stiftungsarbeit in die diplomatische Verantwortung als chilenischer Botschafter in Berlin. Welche Erfahrungen aus Ihrer Zeit bei der HSS nehmen Sie in dieses neue Amt mit – besonders mit Blick auf die deutsch-chilenischen Beziehungen?


Jorge Sandrock: Chile und Deutschland teilen gemeinsame kulturelle Wurzeln sowie eine langjährige Freundschaft und Zusammenarbeit. Darüber hinaus ermöglicht uns unsere Arbeit, viele gemeinsame Prinzipien und Interessen zu erkennen. Beide Länder sind strategische Partner bei der Verteidigung der Menschenrechte, des Freihandels und der offenen Märkte, sowie des Multilateralismus und einer regelbasierten internationalen Ordnung. Diese Grundsätze sollten auch weiterhin die deutsch-chilenische Beziehung leiten und prägen. Für das neue Amt als chilenischer Botschafter in Berlin bilden diese Erfahrungen eine wichtige Grundlage.
 

Jorge Sandrock ist seit dem Jahr 2000 für die Hanns-Seidel-Stiftung in Lateinamerika tätig. Zuvor war er Stipendiat des Instituts für Begabtenförderung. Er war Leiter der Projekte Chile und Union Lateinamerikanischer Parteien (UPLA). In den vergangenen Jahren leitete er das Regionalprojekt Lateinamerika. 

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