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Die Wunden bleiben
Internationaler Gedenktag des Völkermords von Srebrenica 1995

Autorin/Autor: Daniel Seiberling

Drei Jahrzehnte nach dem Völkermord von Srebrenica erinnert der 11. Juli an eines der größten Verbrechen Europas seit dem Zweiten Weltkrieg. Er mahnt die Wahrheit anzuerkennen – in einer Region, in der viele Wunden bis heute offen sind.

Gedänkstätte zur Erinnerung an die Opfer des Völkermords von Srebrenica in Potočari.

IMAGO / VXimages.com

Dieser Tag erinnert an eines der dunkelsten Kapitel Europas nach dem Zweiten Weltkrieg: den systematischen Völkermord an bosniakischen Jungen und Männern im Bosnisch-Herzegowinischen Srebrenica. Heute ist er ein Tag der Trauer, der Mahnung und der internationalen Solidarität – aber auch ein Symbol dafür, wie schwierig es ist, Wahrheit und Anerkennung in Gesellschaften zu etablieren, in denen Opfer und Täter bis heute verschiedene Deutungen der Ereignisse haben.  

Der Genozid von Srebrenica im Jahr 1995 gilt als tragischer Höhepunkt des Bosnienkriegs (1992–1995). Binnen weniger Tage hatte die Armee der bosnischen Republik Srpska bei der Stadt Srebrenica nach heutigem Kenntnisstand 8.372 Menschen ermordet, vor allem muslimische Bosniaken, mehrheitlich Männer und Jungen, aber auch Frauen und Kinder sowie vereinzelt Kroaten. 

Im Jahr 1946 wurde die Volksrepublik Bosnien und Herzegowina eine der konstituierenden Republiken der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien. Mit dem Zerfall Jugoslawiens brachen ethnisch-religiös motivierte Verteilungskämpfe in der Region aus. 

Als im Dezember 1990 in Bosnien und Herzegowina Wahlen durchgeführt wurden, erzielten neue Parteien, die die drei nationalen Gemeinschaften Bosniaken, Serben und Kroaten in Bosnien und Herzegowina repräsentieren, Sitze, die ungefähr ihrem jeweiligen Bevölkerungsanteil (muslimische Bosniaken 40 %, orthodoxe Serben 32 % und katholische Kroaten 19 %) entsprachen.

Eine dreiparteiische Koalitionsregierung wurde gebildet, geführt von dem bosniakischen Politiker Alija Izetbegović, der einer gemeinsamen Präsidentschaft vorstand. Wachsende Spannungen machten jedoch die Zusammenarbeit mit der Serbischen Demokratischen Partei, geführt von Radovan Karadžić, zunehmend schwierig. 

1991 wurden in Gebieten von Bosnien und Herzegowina mit großen serbischen Bevölkerungen mehrere selbsternannte „serbische autonome Regionen“ ausgerufen. Im August begann die Serbische Demokratische Partei, die Sitzungen der Bosnischen Präsidentschaft zu boykottieren, und im Oktober zog sie ihre Abgeordneten aus der Bosnischen Nationalversammlung in Sarajewo ab und gründete eine eigenständige serbische Nationalversammlung der selbsternannten autonomen Bosnischen Republik Srpska in Banja Luka. 

Zu diesem Zeitpunkt war ein umfassender Krieg im benachbarten Kroatien ausgebrochen, der Zerfall Jugoslawiens war unumkehrbar und die Position von Bosnien und Herzegowina war prekär. Die Möglichkeit einer Teilung von Bosnien und Herzegowina war real, das Land drohte, zwischen seinen Nachbarn Serbien und Kroatien aufgerieben zu werden, wobei zahlreiche bosnische Kroaten und bosnische Serben aktiv den Anschluss ihrer Gebiete an die jeweiligen Nachbarn anstrebten.

Ein Referendum über die Unabhängigkeit Bosnien und Herzegowinas fand vom 29. Februar bis 1. März 1992 statt, wobei die Serbische Demokratische Partei die Stimmabgabe in den meisten serbisch besiedelten Gebieten behinderte und sich nur wenige bosnische Serben an der Abstimmung beteiligten. Von den rund zwei Dritteln der wahlberechtigten Bevölkerung, die dennoch an der Wahl teilnahmen, stimmte die überwältigende Mehrheit für die Unabhängigkeit, die Präsident Izetbegović am 3. März 1992 offiziell verkündete.

Unabhängigkeit Bosnien und Herzegowinas

Noch bevor die Unabhängigkeit Bosnien und Herzegowinas Anfang April 1992 von der EU und den Vereinigten Staaten anerkannt wurde, begannen serbische Einheiten der jugoslawischen Armee, Sarajevo zu belagern, und schnitten die Stadt von Strom, Heizung und Lebensmittelzufuhren ab. 

In der Folge wurden auch zahlreiche weitere Städte im Osten Bosniens und Herzegowinas mit großen bosniakischen Bevölkerungsgruppen, wie Zvornik, Foča und Višegrad, von einer Kombination aus serbischen paramilitärischen Kräften und serbischen Einheiten der jugoslawischen Armee angegriffen. Die meisten der lokalen bosniakischen Bevölkerung wurden in dieser ersten Welle der „ethnischen Säuberung“ aus diesen Gebieten vertrieben. 

Innerhalb von sechs Wochen brachte eine Offensive der serbisch geführten ehemaligen jugoslawischen Armee, paramilitärischer Gruppen und lokaler bosnisch-serbischer Kräfte weite Teile des Territoriums von Bosnien und Herzegowina unter serbische Kontrolle. Ab dem Sommer 1992 blieb die militärische Lage weitgehend stabil, die bosnischen Serben kontrollierten rund 70 Prozent des Landes.

Srebrenica

Bereits Ende 1992 konzentrierten sich die bosnisch-serbischen Streitkräfte aber auf Srebrenica, um hier die Kontrolle über ein Territorium im Osten von Bosnien und Herzegowina zu übernehmen, das den Zugang zur benachbarten Republik Serbien erlaubte. Dafür sollten auch hier die bosniakischen Einwohner des Gebiets vertrieben werden. Im März 1995 wies Radovan Karadžić, Präsident der selbsternannten autonomen Bosnischen Republik Srpska, seine Truppen an, die Versorgung der Stadt Srebrenica abzuriegeln, um Kämpfer, Bewohner und Flüchtlinge zum Verlassen der Stadt zu bewegen. 

Die UN hatte Srebrenica zwischenzeitlich zur Schutzzone erklärt, war aber nicht in der Lage, diese gegen die bosnisch-serbischen Einheiten zu verteidigen. 

Am 6. Juli starteten die serbischen Truppen eine Offensive und rückten Richtung Srebrenica vor. Inmitten von Chaos und Schrecken flohen Tausende von Zivilisten in das nahe gelegene Dorf Potočari, wo ein Kontingent von etwa 200 niederländischen UN-Friedenssoldaten stationiert war, die aber von serbischen Truppen kampflos überrannt wurden. 

In der Nacht des 11. Juli brach eine Kolonne von mehr als 10.000 bosniakischen Männern von Srebrenica aus auf, um sich in bosniakisch kontrollierten Gebiete in Sicherheit zu bringen. Ab dem nächsten Morgen benutzten bosnisch-serbische Offiziere UN-Ausrüstung und machten falsche Sicherheitsversprechungen, um die Männer zur Kapitulation zu bewegen; Tausende stellten sich selbst oder wurden gefangen genommen, viele wurden später hingerichtet. Frauen, Kinder und alte Menschen wurden in Bussen in das von Bosniaken gehaltene Gebiet deportiert. 

Die Männer und Jungen wurden am 12. und 13. Juli in verschiedene Haftanstalten gebracht, von wo sie weiter zu den Hinrichtungsstätten transportiert wurden. 

Die Hinrichtungen dauerten mindestens bis zum 16. Juli an. Die Leichname wurden zunächst in Massengräbern beerdigt, später aber in zahlreiche kleinere Grabstätten umgebettet, um die Spuren zu beseitigen. 

Nach dem Massaker von Srebrenica unternahm die NATO Ende 1995 konzentriertere Luftangriffe. In Kombination mit einer Bodenoffensive der Bosniaken und Kroaten führte dies dazu, dass die bosnischen Serben zustimmten, an von den USA geführten Friedensgesprächen in Dayton im November des Jahres teilzunehmen. Das daraus resultierende Dayton-Abkommen sah ein föderalisiertes Bosnien und Herzegowina vor, in dem 51 Prozent des Landes eine kroatisch-bosniakische Föderation und 49 Prozent eine serbische Föderation bilden sollten. 

Im Bosnienkrieg haben etwa 100.000 Menschen ihr Leben verloren, rund 2 Millionen Menschen wurden vertrieben. 

Aufarbeitung

Die juristische Aufarbeitung des Völkermords von Srebrenica erfolgte auf mehreren Ebenen und vor mehreren Instanzen. Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) verurteilte bislang mehrere zentral beteiligte Akteure: Ratko Mladić, Radovan Karadžić und Zdravko Tolimir erhielten lebenslange Haftstrafen, elf bosnisch-serbische Offiziere wurden zu Haftstrafen zwischen fünf und 35 Jahren verurteilt.

In Bosnien und Herzegowina führt die bosnische Kammer für Kriegsverbrechen Prozesse auf individueller Ebene. Hier greift neben der Beteiligung an Völkermord und Kriegsverbrechen auch der Straftatbestand der Leugnung des Völkermords: Am 22.Mai2025 wurde aus diesem Grund erstmals eine Person rechtskräftig verurteilt und erhielt 2,5 Jahre Haft. 

Auch Serbien führt Verfahren gegen mutmaßliche Täter durch, aktuell im Zusammenhang mit dem Massaker in Kravica. Allerdings erkennt das serbische Strafrecht die Taten nicht als Genozid an, sondern stuft sie als Kriegsverbrechen ein.

Die gesellschaftliche Aufarbeitung gestaltet sich dagegen komplizierter.  Nachdem ein Ende der strafrechtlichen Prozesse abzusehen ist, werden Anerkennung, Erinnerung und Prävention zunehmend durch politische und zivilrechtliche Maßnahmen adressiert.

Zwei zivilrechtliche Verfahren gegen die Niederlande führten zur Anerkennung einer Teilschuld für das Versagen der UN-Friedenstruppen in Srebrenica. Daneben führte die Analyse der Ereignisse in Ruanda 1994 und Srebrenica 1995 zu einem Umdenken im Krisenmanagement der Internationalen Gemeinschaft; 2002 legte die kanadische „International Commission on Intervention and State Sovereignty“ (ICISS) den Grundstein für die „Responsibility to Protect“ (R2P) – auf Deutsch „Schutzverantwortung“ – als allgemein anerkanntes politisches Prinzip, das von der UN-Generalversammlung 2005 verabschiedet wurde und bis heute ähnliche Tragödien wirksam verhindern konnte.

Die UN-Vollversammlung beschloss im Mai 2024, den 11. Juli als „Internationalen Gedenktag des Genozids von Srebrenica“ anzuerkennen, mit 84 Stimmen, bei 19 Gegenstimmen und 68 Enthaltungen. 

Trotz dieses wirkungsvollen Signals der internationalen Staatengemeinschaft ist die gesellschaftliche Aufarbeitung in der Region bislang ambivalent, einerseits geprägt von nationalen und internationalen Bildungs‑ und Erinnerungsprojekten, andererseits auch begleitet von nationalistischen Abwehrhaltungen, die Versöhnung und kollektive Erinnerung erschweren.

Trotz Fortschritten herrschen in Teilen der Gesellschaft Leugnung, Widerstand und politische Instrumentalisierung der Vergangenheit vor. 

Hier setzen politische Bildungsprojekte, auch diejenigen der Hanns-Seidel-Stiftung in Bosnien und Herzegowina, an. 

 

Interview mit dem Hohen Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina, Christian Schmidt

Als "Hoher Repräsentant für Bosnien und Herzegowina" arbeitet Christian Schmidt, CSU, seit 2021 daran, vor Ort die Umsetzung der Vereinbarungen des Dayton Abkommens zu sichern. Mit dem Abkommen konnte der Krieg in Bosnien und Herzegowina 1995 beendet werden. Christian Schmidt ist außerdem stellvertetender Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung und war von 2014 bis 2018 Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft.

HSS

HSS: Sehr geehrter Herr Schmidt, der 11. Juli ist der offizielle Gedenktag an den letzten Völkermord in Europa, die Tragödie von Srebrenica und Potočari. Der Völkermord war mit Auslöser der robusten Reaktion von UN und NATO und hat somit mittelbar zum Friedensvertrag von Dayton geführt. Ihre heutige Position, also die Funktion des Hohen Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina, ist daher eng mit diesem Datum verbunden. 

Was sind Ihre Gedanken zum 30. Jahrestag? 

Christian Schmidt: Zum einen das Bedauern darüber, dass in der Gesellschaft von Bosnien und Herzegowina der Wille zur ehrlichen Versöhnung auch nach 30 Jahren noch immer unterentwickelt ist. Zum anderen die bittere Lektion, dass die Internationale Gemeinschaft aus dem „Nie wieder“ nach der Katastrophe des Genozids an den Juden im sogenannten Dritten Reich doch wieder einen Genozid zugelassen hat. Und zwar wieder mitten in Europa. 

Sie erwähnen die militärischen Interventionen und den Friedensvertrag von 1995, der auf internationalen Druck hin unterschrieben wurde. Das war gut und richtig. Aber in Bosnien und Herzegowina sind in den dreieinhalb langen Jahren zuvor über 100 000 Menschen umgebracht worden, Hunderttausende wurden systematisch vertrieben. Es gab Konzentrations- und Vergewaltigungslager. Es gab immer wieder Bilder von abscheulichen Massakern an der Zivilbevölkerung. Und wir, also die Internationale Gemeinschaft, haben zugesehen. Dieses Trauma sitzt tief bei den Menschen, die den Krieg miterlebt haben – sie wurden im Stich gelassen.

Ich verbinde mit meiner Aufgabe die Verantwortung, den Menschen hier in Bosnien und Herzegowina zu vermitteln: „Wir lassen euch nicht noch einmal im Stich.“ Deswegen tue ich alles dafür, aus diesem Land einen funktionalen Rechtsstaat zu machen, in dem auch ein Prozess der Aufarbeitung und des Dialogs möglich ist. Die Menschen hier haben ein Recht darauf, sie gehören zu uns, zu Europa.

HSS: Die Generation des Völkermordes, sowohl die überlebenden Opfer als auch die Täter, ist in die Jahre gekommen und bis auf wenige Ausnahmen nicht zu einer persönlichen Aufarbeitung der Vorkommnisse bereit. Der 11. Juli als Gedenktag trifft vor allem in der Republik Srpska auf Widerstände.

Was muss getan werden, um die junge Generation zu erreichen und einen ethnienübergreifenden Diskurs zu den Vorgängen von damals zu fördern? 

Gerade wir in Deutschland haben ja erlebt, dass gemeinsame Vergangenheitsbewältigung ein stabiles Fundament für eine freiheitliche und pluralistische Ordnung sein kann.

Christian Schmidt: Man kann die Situation in Deutschland nach dem Krieg nicht mit der in Bosnien und Herzegowina nach 1995 vergleichen. Deutschland hat militärisch und moralisch verloren, war der Aggressor und hatte letztlich keine andere Wahl, als sich seiner Vergangenheit zu stellen. Auch das hat einige Zeit in Anspruch genommen, da sollten wir nichts schönreden. 

In Bosnien und Herzegowina gab es vor allem eine serbische Aggression, aber keine klaren Gewinner oder Verlierer. Auch der später als Kriegsverbrecher verurteilte Slobodan Milosevic war ein Unterzeichner des Dayton-Friedensabkommens. Es gab viel Leid und – bei Allen - das Gefühl nicht gut genug weggekommen zu sein.

Jetzt gibt es drei Jahrzehnte später zum einen eine Verklärung der Vorkriegszeit, was verständlich ist, aber außen vor lässt, dass die Konflikte, die zum Krieg führten bereits lange vorher da waren. Auf der anderen Seite sind Teile der Bevölkerung, befeuert von geschichtsverlorenen und unbesonnenen Politikern, der Propaganda ausgesetzt, dass eine Segregation, also eine Trennung der Lebenswelten, alle Probleme löse, was natürlich Unfug ist. Auch wenn die Menschen hier, inbesondere in urbanen Gegenden im Alltag gut miteinander auskommen, gibt es zu wenig Austausch und Reflektion. Das bringt mich zur Kernherausforderung: das Bildungssystem ist in Hinblick auf Erziehung zur Reflektion ein Desaster. Junge Bosniaken, Serben und Kroaten haben unterschiedliche Curricula, sie sind sogar räumlich getrennt, auch wenn es vermehrt gemeinsame Aktivitäten gibt. Das ist nicht eben der Garant für eine freiheitliche und pluralistische Ordnung. Da muss man ansetzen.  Es gibt dennoch sehr viel ehrenwertes zivilgesellschaftliches Engagment von jungen Menschen, aber viele von denen verlassen das Land frustriert. Es gehen die Guten, wenn man so will. Bosnien und Herzegowina vertrocknet langsam. Vor dem Krieg haben hier fast viereinhalb Millionen Menschen gelebt, heute sind es weniger als drei. 

HSS: Herr Schmidt, 1994 und 1995 waren traumatische Jahre für die Welt – der Völkermord in Ruanda und im Jahr darauf der Völkermord in Srebrenica. Sie waren damals in Ihrer ersten Legislaturperiode im Deutschen Bundestag und Vorsitzender des Arbeitskreises Auswärtiges, Verteidigung und Europa der CSU-Landesgruppe.

Erinnern Sie sich noch daran, was diese Ereignisse in Ihnen ausgelöst haben?  

Christian Schmidt: Zwei Dinge. Zunächst Bestürzung, dass dies Ende des 20. Jahrhunderts möglich ist. Erinnern Sie sich: Nach dem Ende des Kalten Kriegs herrschte großer Optimismus und die Zuversicht, dass nun bessere Zeiten anbrechen. Zum anderen hat mich das in der Meinung bestätigt, dass wir Frieden und Sicherheit nicht einfach als selbstverständlich voraussetzen dürfen. Ich gehörte zu den Interventionisten, die nicht zulassen wollten, dass freie, demokratische Selbstbestimmung unterdrückt wird und wir dabei tatenlos zusehen. 
Das sind wertvolle Güter, die man schützen und auch verteidigen muss. Die Internationale Gemeinschaft muss sich einbringen, für ihre Werte einstehen, gerade wenn es unbequem oder gefährlich wird. Deswegen ist mein aus dem Daytonvertrag sehr starkes Mandat nach wie vor unverzichtbar. Die Menschen setzen aufgrund der Taktiererei der politischen Klasse zunehmend hohe Erwartungen in mein Amt.

Herr Schmidt, vielen Dank für das Gespräch.

Die Arbeit der HSS in Bosnien-Herzegowina

Die Hanns-Seidel-Stiftung ist seit 2023 mit einem Projektbüro in Bosnien-Herzegowina aktiv. 

Ziel ist es, den volksgruppenübergreifenden Dialog zu stärken und das zivilgesellschaftliche Engagement zu fördern. Die Projektmaßnahmen richten sich in erster Linie an Jugendliche und junge Erwachsene, denen interethnische und interkulturelle Kompetenz im Umgang mit den jeweils anderen beiden Ethnien des Landes in ihrer Kultur, Religion und Geschichte vermittelt werden soll. 

Ein zweites Projekt soll das zivilgesellschaftliche Engagement stärken, das den Gesamtstaat im Auge behält und über die Partikularinteressen der eigenen Ethnie beziehungsweise Region hinausgeht. Die 35 Maßnahmen haben seit 2023 rund 2000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erreicht. Dabei werden neben Vertretern der Zivilgesellschaft auch Amts- und Mandatsträger verschiedener Ebenen, Verwaltungsmitarbeiter und Wissenschaftler sowie Medienvertreter angesprochen, um den Dialog zu bereichern. Die Themen umfassen die Stärkung von Medienkompetenzen, Maßnahmen zum Umgang mit Hate-Speech in sozialen Medien, die Umsetzung von Projektideen in Initiativen, das Erkennen von und den Umgang mit Fake News, intelligente Mediennutzung und immer wieder, als besonderer Schwerpunkt, eigenständiges und kritisches Denken. Die Maßnahmenformate reichen dabei von Sommerschulen für Jugendliche aller drei Ethnien über Aktionstage in Schulen bis zu Fachkonferenzen. 

Kontakt

Leiter: Daniel Seiberling
Südosteuropa
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