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Bayern und Tschechien: Zwischen Chance und Herausforderung
„Nachbarschaft braucht Nähe“

Autorin/Autor: Dr. Markus Ehm

Wie gelingt eine gute Nachbarschaft zwischen Bayern und Tschechien? Stefan Ebner, MdL, Direktabgeordneter für den Stimmkreis Regen, Freyung-Grafenau, spricht über stabile Partnerschaft, bürokratische Hürden und die Bedeutung persönlicher Begegnungen in Tschechien.

Stefan Ebner im Anzug lächelt in die Kamera

Stefan Ebner

CSU-Fraktion

HSS: Was waren die wichtigsten Erkenntnisse Ihrer Gespräche in Prag für die deutsch-tschechische Zusammenarbeit?

Stefan Ebner: Die Gespräche in Prag haben deutlich gezeigt: Die deutsch-tschechische Partnerschaft ist stabil, von gegenseitigem Respekt geprägt und wird auf beiden Seiten als großer Wert erkannt. Aber: Sie ist kein Selbstläufer. Gerade in der Grenzregion stehen wir vor vielen konkreten Aufgaben, die wir nur gemeinsam lösen können.

Ob grenzüberschreitende Mobilität, wirtschaftliche Zusammenarbeit oder Energiefragen – überall gibt es großes Potenzial für vertiefte Kooperation. Der direkte Austausch mit politischen Entscheidungsträgern in Prag hat uns bestärkt: Das Interesse an gemeinsamen Projekten mit Bayern ist da – jetzt kommt es auf die Umsetzung an.

 

HSS: Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen in den Beziehungen zwischen Bayern und Tschechien – insbesondere in der Grenzregion?

Stefan Ebner: Die Beziehungen zwischen Bayern und Tschechien – insbesondere in der Grenzregion – haben sich sehr positiv entwickelt. Doch die größte Herausforderung bleibt die konkrete Umsetzung der Zusammenarbeit im Alltag. Oft scheitert es nicht am guten Willen, sondern an Bürokratie, fehlender Abstimmung oder schlicht an der praktischen Machbarkeit.

Ein konkretes Beispiel: Bei der Anerkennung beruflicher Abschlüsse hakt es teilweise noch. Auch bei der Sprache. Es gibt viel staatliche Kurse, es braucht aber unbedingt auch private Initiativen. Da reichen oft ein oder zwei Personen, um etwas zu bewegen. Auch der Ausbau grenzüberschreitender Bahnverbindungen zwischen Bayern und Tschechien ist ein großes Thema, da ist noch Luft nach oben. 

Grundsätzlich ist aber eines klar: So wie sich die bayerisch-tschechischen Beziehungen seit dem Fall der Mauer entwickelt haben, ist es ein Erfolgsmodell. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, mit welchem Gefühl ich als Kind der Grenzregion in den 1980er Jahren auf die Berge östlich des Arbers geschaut habe: Eine andere Welt, die quasi nicht existent war. Heute sehen wir, wie wir mit Offenheit und Zusammenarbeit alte Gräben überwinden können. 

Aber: Aus tschechischer Sicht wird das Land in Deutschland – auch in Bayern – immer noch zu wenig wahrgenommen. Zugleich beobachten wir den Widerspruch, dass Tschechien zwar enorm von der EU profitiert hat, zugleich aber eine kritische Haltung zur EU hat. Das muss man ernst nehmen.

HSS: Welche Rolle spielt die Hanns-Seidel-Stiftung in diesem Kontext?

Stefan Ebner: Die Hanns-Seidel-Stiftung leistet einen wertvollen Beitrag zur Stärkung der bayerisch-tschechischen Beziehungen. Mit ihrer Arbeit in Tschechien fördert sie den politischen und gesellschaftlichen Dialog. Ihr Engagement schafft Vertrauen, wo es am meisten gebraucht wird: im direkten Austausch der Menschen.

Denn entscheidend für ein engeres Zusammenwachsen ist die persönliche Begegnung. Die Stiftung bringt Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen – oft abseits offizieller Protokolle. Gerade im deutsch-tschechischen Verhältnis ist das von unschätzbarem Wert. Vertrauen und Verständnis entstehen nicht nur in Berlin oder Prag, sondern vor allem auch vor Ort – in Pilsen, Cheb, Weiden, Hof oder Regen. Solche direkten Kontakte auf Augenhöhe sind das Fundament für ein geeintes, friedliches und starkes Europa. 

Kontakt

Projektleiter: Dr. Markus Ehm
Tschechien
Projektleiter
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