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Was haben Sie von der EU?
Gesundheit!

Autorin/Autor: Andreas von Delhaes-Guenther

Niemand will krank sein – und wer schon Kontakt zu Krankheiten wie Krebs oder Gefahren wie multiresistenten Bakterien hatte, schätzt die medizinische Versorgung in Deutschland. Die EU unterstützt den Kampf um unser wertvollstes Gut: Die Gesundheit.

Die Europäischen Union leistet einen großen Beitrag zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit.

Die Europäischen Union leistet einen großen Beitrag zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit.

Bihlmayerfotografie; HSS; IMAGO

Sie fördert finanziell wichtige Initiativen und Forschungsvorhaben, etwa zur Krebsbekämpfung, zur Verringerung von Resistenzen gegen Antibiotika oder zur psychischen Gesundheit. Außerdem erlässt sie gemeinsame Rechtsvorschriften zu wichtigen Themen wie Lebensmittelsicherheit, Sicherheit von Kinderspielzeug, saubere Luft, Patientendaten und vieles mehr.

Auch andere Maßnahmen wie die Digitalisierung der Gesundheitssysteme im Europäischen Gesundheitsdatenraum werden unterstützt. Ziel ist eine vergleichbare Gesundheitsqualität für alle EU-Bürger, egal wo sie in der Europäischen Union leben.

EU und Gesundheit

Mit einem Haushalt von 5,3 Milliarden Euro für den Zeitraum 2021 - 2027 dient das Programm „EU4Health“ der Finanzierung im Gesundheitsbereich. Es ergänzt die Strategien der EU-Mitgliedstaaten bei der Verwirklichung von vier allgemeinen Zielen:

  • Gesundheit in der EU verbessern und fördern.
  • Schutz von Menschen: Prävention, Vorsorge und rasche Reaktion auf grenzüberschreitende Gesundheitsgefahren; Ergänzung der nationalen Lagerbestände mit unentbehrlichen krisenrelevanten Produkten; Einrichtung einer Reserve von ärztlichem Gesundheits- und Unterstützungspersonal.
  • Zugang zu Arzneimitteln, Medizinprodukten und krisenrelevanten Produkten.
  • Ausbau der Gesundheitssysteme, etwa durch verbesserte Gesundheitsdaten und Digitalisierung der Gesundheitssysteme

EU4Health soll den Weg zu einer „Europäischen Gesundheitsunion“ ebnen.

Die praktische Umsetzung und Weiterentwicklung übernehmen neben der Europäischen Kommission mehrere EU-Agenturen (EU-Behörden), darunter das „Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC)“, die „Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA)“und die „Europäische Behörde für Krisenvorsorge und -reaktion bei gesundheitlichen Notlagen (HERA) “.

Finanziert wird EU4Health über verschiedene Förderprogramme, Instrumente und Maßnahmen der EU. So unterstützt beispielsweise der „Europäische Sozialfonds Plus“ (ESF+) den Zugang schutzbedürftiger Bevölkerungsgruppen zur Gesundheitsversorgung.

Der „Europäische Fonds für regionale Entwicklung“ trägt zur Verbesserung der regionalen Gesundheitsinfrastruktur bei, während „Horizont Europa“ die Gesundheitsforschung fördert.

Europäisches Expertennetzwerk

Mit europäischen Referenznetzwerken (ERN) versucht Europa, grenzüberschreitend die Zusammenarbeit von Ärzten und Kliniken sowie die Forschung zu koordinieren und zu verbessern. So gibt es Netzwerke in den Bereichen Knochenkrankheiten, Epilepsien, neurologische Erkrankungen, Transplantation, Haut- oder Herzkrankheiten. Die ersten 24 europäischen Referenznetzwerke wurden 2017 eingerichtet. Mehr als 900 hoch spezialisierte Abteilungen aus über 300 Krankenhäusern in 26 Mitgliedstaaten beteiligen sich bereits daran. 

Forschung

Die Europäische Union fördert in ganz Europa medizinische Forschung, darunter beispielsweise den Kampf des Münchner Klinikums rechts der Isar gegen chronische Schmerzen. Das Klinikum der LMU München ist Mitglied verschiedener europäischer Referenznetzwerke, darunter auch für Menschen mit seltenen Erkrankungen.
Um die Bedeutung dieser Förderung zu verstehen: Im Freistaat leiden rund fünf Prozent der Einwohner an chronischen Schmerzen, also rund 650.000 Menschen. Weitere rund 600.000 Menschen sind von seltenen Erkrankungen betroffen. Eine Erkrankung gilt als selten, wenn weniger als fünf von 10.000 Menschen betroffen sind – bisher sind circa 8.000 seltene Erkrankungen wie beispielsweise Mukoviszidose bekannt, jedes Jahr werden etwa 200 neue Krankheitsbilder entdeckt.

Krebsbekämpfung

Krebsbekämpfung ist eine der wichtigsten Prioritäten der EU-Kommission im Gesundheitsbereich. Europas „Plan gegen den Krebs“ unterstützt mit vier Milliarden Euro darum die Bereiche der Krebsvorsorge und -behandlung, der Diagnose und Früherkennung sowie der Lebensqualität von Krebspatienten und -überlebenden. Die Bündelung von Forschungseinrichtungen und Daten soll zudem die Krebsforschung voranbringen. Jedes Jahr erkranken in der EU 3,5 Millionen Menschen an Krebs und 1,3 Millionen sterben daran – in Bayern erkranken 65.000 und mehr als 32.000 sterben. Der wirtschaftliche Schaden, den Krebs in Europa anrichtet, wird auf insgesamt 100 Milliarden Euro jährlich beziffert.

Arzt und Arznei

EU-Bürger haben außerdem das Recht auf Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen in jedem EU-Land und auf Erstattung der Kosten einer im Ausland erhaltenen Versorgung in ihrem Heimatland. Wer schon einmal einen medizinischen Notfall im Ausland hatte, weiß aber, wie schwierig es ist, den behandelnden Arzt über Vorerkrankungen, Medikamente oder Allergien zu informieren. Mit der neuen digitalen Patientenakte der EU werden Arztbesuche in anderen Mitgliedstaaten nun problemlos möglich. Dabei kann jeder selbst entscheiden, wer auf seine Gesundheitsdaten zugreifen darf, was er sehen soll und welche Daten verborgen bleiben.

Da während der Corona-Zeit die Abhängigkeit von China bei Medikamenten, einzelnen Inhaltsstoffen von Medikamenten, Medizinprodukten und medizinischer Ausrüstung für alle offensichtlich wurde (obwohl es gerade im Bereich Antibiotika schon lange Warnungen davor gab), fördert die EU seitdem auch deren gemeinsame Produktion innerhalb Europas.

Brüssel hat für die Hersteller von Lebensmitteln und Kosmetik Regeln festgelegt, um die Gesundheit der EU-Bürger zu schützen. Diese müssen beispielsweise auf den Verpackungen alle Zutaten auflisten, was nicht nur für Allergiker wichtig ist. In Kleidung dürfen nur bestimmte Farben und Bleichmittel verwendet werden, in Spielzeug nur bestimmte Kunststoffe und Weichmacher – für Kinder von großer Bedeutung.

Mehr Information über EU und Gesundheit

Über die Reihe: Was haben Sie von der EU?

„Gäbe es die Europäische Union nicht, wir müssten sie jetzt erfinden“, hat Österreichs Bundeskanzler a.D. Wolfgang Schüssel (ÖVP) einmal gesagt. Die Europäische Union (EU) ist ein Erfolgsprojekt. Es wird viel zu wenig über ihre Vorteile und Leistungen gesprochen. Dabei sind diese beachtlich, gerade auch für Bayern. Jeder einzelne Bürger profitiert von der EU.
Europa ist aus dem Alltag der Menschen nicht mehr wegzudenken: Die EU beeinflusst inzwischen einen großen Teil der Bundesgesetze – und somit auch Bayern. Die EU ist ohne Zweifel oft bürokratisch und detailverliebt. 
Aber sie ist für unser Leben und für unser Zusammenleben ohne echte Alternative.
 

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Redakteur: Andreas von Delhaes-Guenther
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