Print logo

Heilige Zeiten – Welche religiösen Feste feiern Menschen in Deutschland?
Teil XII: Sukkot, das jüdische Laubhüttenfest

Das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlichen Glaubens gelingt umso besser, je mehr wir voneinander wissen. In einer kleinen Reihe wollen wir Unwissen mit Wissen begegnen und neugierig machen auf verschiedene Feste, die in Deutschland gefeiert werden. Heute: Sukkot.

Ruth Ceslanski die jüdische Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Franken.

Ruth Ceslanski die jüdische Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Franken.

Ruth Ceslanski; HSS; Ruth Ceslanski

Vom Abend des 20. September bis zum Abend des 27. September 2021 feiern Jüdinnen und Juden in aller Welt in diesem Jahr Sukkot, das Laubhüttenfest. Während dieser Feierlichkeiten bauen jüdische Familien und Gemeinden Laubhütten auf, um dort möglichst viel Zeit in Gemeinschaft zu verbringen. Es wird getanzt, gegessen und musiziert. Dieses Jahr steht das Fest unter dem Motto „Sukkot XXL“ und soll auch mit Menschen, die nicht jüdischen Glaubens sind, begangen werden. Ziel ist es, positive, gemeinsame Erlebnisse zu schaffen und so Vorurteile abzubauen.

Mehr über die religiösen Hintergründe und Traditionen anlässlich Sukkots erzählt uns Ruth Ceslanski, die jüdische Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Franken:

Mit Sonnenuntergang am 20. September 2021 beginnt für Jüdinnen und Juden in aller Welt Sukkot – das Laubhüttenfest –, welches sieben Tage dauert. Es ist das jüdische Erntedank fest. Neben Schawuot und Pessach ist Sukkot eines der drei jüdischen Wallfahrtsfeste und findet fünf Tage nach Jom Kippur (Versöhnungstag), dem höchsten jüdischen Feiertag, statt.

Der Name, der aus dem hebräischen stammt, kommt von dem Wort „Sukka“ – Laubhütte. Denn schon in biblischen Zeiten wohnten Menschen zur Ernte nahe der Felder in solchen Hütten. Mit diesem Fest wird aber zugleich auch der 40-jährigen Wanderung des Volkes Israel durch die Wüste in das gelobte Land gedacht. Damals hatten die Wandernden keine festen Häuser zum Schutz vor Kälte, Sonne oder Regen, sondern nur provisorische Hütten.

In Deutschland, wie auch in aller Welt, bauen jüdische Familien, aber auch etliche Israelitischen Kultusgemeinden, einige Tage vor dem Fest solche Hütten. Sie werden aus Zweigen, Laub und Palmwedeln errichtet und mit Früchten, Girlanden und Fahnen dekoriert. In Israel selbst werden die Laubhütten oft auf den Dächern der Häuser gebaut. Dort wird gegessen, gebetet und – bei besonders strenggläubigen Juden – auch geschlafen.

Die Laubhütten müssen nach bestimmten Regeln errichtet werden: So soll in ihnen mehr Schatten als Sonne sein. Zudem darf eine Sukka nicht unter einem Dach errichtet werden; die Sterne müssen von dort aus sichtbar sein. An den sieben Festtagen wird viel frisch geerntetes Obst und Gemüse sowie gefüllte Gerichte gegessen - z.B. gefüllte Auberginen. Ein Rezept dazu finden Sie im Blog des Jüdischen Museums München.

In Nürnberg wurde 2020, initiiert von der „Städtepartnerschaft Nürnberg – Hadera“, eine Laubhütte an einem ganz besonderen Ort errichtet. Auf der Terrasse des obersten Stockwerks des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände bauten die Organisatoren eine bunt beleuchtete und reich geschmückte Laubhütte – ein ergreifendes Erlebnis und Zeichen, das bis heute nachwirkt.

In diesem Jahr wird die Laubhütte mitten in Nürnberg, auf einem Platz in unmittelbarer Nähe zum Denkmal für die schon im August 1938 zerstörte Hauptsynagoge, errichtet. Aufgebaut werden Teile der ursprünglichen Laubhütte der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg. Die Sukka wird von Schülern und Schülerinnen aus Nürnberger Schulen dekoriert werden, um auch jungen nichtjüdischen Menschen die Bräuche des Judentums näher zu bringen.

Das Laubhüttenfest wird weltweit von rund 15 Millionen Menschen gefeiert.

Gesprächspartnerin: Ruth Ceslanski, jüdische Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Franken e.V., Nürnberg.

Laubhütte auf dem Dach des Dokumentationszentrum Reichsparteitag in Nürnberg

Laubhütte auf dem Dach des Dokumentationszentrum Reichsparteitag in Nürnberg

Ruth Ceslanski; HSS; Ruth Ceslanski

L3: Kompetenzzentrum Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Interkultureller Dialog
Dr. Philipp W. Hildmann
Leiter