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Heilige Zeiten – Welche religiösen Feste feiern Menschen in Deutschland?
Teil XIV: Mawlid an-nabawi – Ein Fest des Lichts und der Freude

Das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlichen Glaubens gelingt umso besser, je mehr wir voneinander wissen. In einer kleinen Reihe wollen wir Unwissen mit Wissen begegnen und neugierig machen auf verschiedene Feste, die in Deutschland gefeiert werden. Heute: Mawlid an-nabawi.

Vom Abend des 18. Oktober 2021 bis zum Abend des 19. Oktober feiern Muslime in aller Welt in diesem Jahr den Geburtstag des Propheten Mohammed. Begangen wird er traditionell in der 12. Nacht des dritten Monats im islamischen Mondkalender. Obwohl Geburtstagen in der islamischen Welt eine eher geringere Bedeutung beigemessen wird, spielt dieser Geburtstag des Propheten, der um das Jahr 570 nach unserer Zeitrechnung in der arabischen Stadt Mekka das Licht der Welt erblickte, dort dennoch eine wichtige Rolle. Was genau gefeiert wird und wie sich das Fest gestaltet, erklärt uns der Islam- und Politikwissenschaftler Ramzi Ghandour:

Familie Ghandour hat Mawlid-Plätzchen gebacken.

Familie Ghandour hat Mawlid-Plätzchen gebacken.

F. Hamouda-Ghandour

Auf die Frage, was genau ein Mawlid (bzw. Moulid, wie man in Nordafrika sagt) ist, gibt es viele Antworten. So bezeichnet das Wort sowohl ein historisches Ereignis als auch einen wiederkehrenden Tag im Jahr, aber auch ein religiöses Ritual. Ganz grundlegend leitet sich der arabische Begriff Mawlid aus dem Wortstamm w-l-d ab, der so viel wie „geboren werden“ oder „zur Welt kommen“ bedeutet. Ein Mawlid ist im Grunde also nichts anderes als ein Geburtstag. Jedoch meinen Muslime, wenn sie vom Mawlid sprechen, nicht einfach den Geburtstag einer x-beliebigen Person. Stattdessen ist damit gemeinhin das Fest zur Geburt des Propheten Muhammads (al-Mawlid an-nabawi) – Gott segne ihn und schenke ihm Heil – gemeint.

Nach islamischer Überlieferung wurde der Prophet am 12. Rabi’a al-Awwal (dem dritten Monat des islamischen Kalenders) des so genannten „Elefantenjahres“ (570 n. Chr.) in der Stadt Mekka geboren. Ähnlich wie in der Weihnachtsgeschichte, war auch die Geburt Muhammads von allerlei wundersamen Zeichen begleitet. So soll in Persien das „ewige Feuer“ im Tempel Zarathustras erloschen, ein See ausgetrocknet und die Nacht von einem besonderen Licht erhellt worden sein.

Zum Gedenken an dieses Ereignis begehen traditionell ausgerichtete Muslime noch heute alljährlich das Mawlid-Fest. Es werden Kerzen und Laternen entzündet, Häuser und Wohnungen herausgeputzt und besondere Speisen zubereitet. So isst man in Marokko zu diesem Anlass eine Art Grießbrei namens Assida, in Tunesien gibt es den aus gemahlenen Pinienkernen bestehenden Pudding Zgougou und in Ägypten stellt man kleine Figuren aus gefärbtem Zucker her. Symbolisch bereitet man sich so auf den Empfang des Propheten, „dem besten aller Geschöpfe“ wie es im berühmten Gedicht Qasida al-Burda heißt, vor. Am Tag und in der Nacht des Festes gibt es dann vielerorts Umzüge, Musik und religiöse Gedenksitzungen, in denen die Geburts- und Lebensgeschichte des Propheten erzählt werden (auch diese werden Mawlid genannt). Es herrscht eine lockere und ausgelassene Stimmung, was dem Mawlid  geradezu Volksfestcharakter verleiht und ihm die Kritik puritanisch eingestellter Kreise eingebracht hat.

In Deutschland ist Mawlid leider noch wenig bekannt, doch kommen auch hierzulande alljährlich (in diesem Jahr am 18. und 19. Oktober) Familien und Freunde zusammen, um diesem besonderen Ereignis zu gedenken. Wer weiß; vielleicht werden in 100 Jahren auch hierzulande neben Weihnachts- auch Mawlid-Lieder gesungen. Die Plätzchen gibt es schon…

Auch wenn Mawlid an-nabawi kein zentraler muslimischer Feiertag ist, wird die Nacht der Geburt des Propheten doch in vielen muslimischen Ländern festlich begangen.

Gesprächspartner: Der Islam- und Politikwissenschaftler Ramzi Ghandour promoviert an der Universität Osnabrück am Institut für Islamische Theologie und ist seit 2021 Geschäftsführer des Bündnis Malikitische Gemeinde Deutschland e.V. in Düsseldorf.

L3: Kompetenzzentrum Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Interkultureller Dialog
Dr. Philipp W. Hildmann
Leiter