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Heilige Zeiten – Welche religiösen Feste feiern Menschen in Deutschland?
Teil XIX: Das jüdische Chanukka-Fest

Das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlichen Glaubens gelingt umso besser, je mehr wir voneinander wissen. In einer kleinen Reihe wollen wir Unwissen mit Wissen begegnen und neugierig machen auf verschiedene Feste, die in Deutschland gefeiert werden. Heute: Das jüdische Chanukka-Fest.

Am Abend des 28. November beginnt in diesem Jahr das jüdische Chanukka-Fest, das Jüdinnen und Juden in aller Welt acht Tage lang bis zum Abend des 6. Dezember feiern. Der Name des Festes kommt vom hebräischen Wort für „widmen“. Dies deutet auf die Wiedereinweihung des Zweiten Tempels in Jerusalem hin, auf die auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, hinweist, der uns im Folgenden erläutert, was genau gefeiert wird und wie sich das Fest gestaltet:

Dr. Josef Schuster ist seit 2014 Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und zugleich Vizepräsident des World Jewish Congress und des European Jewish Congress.

Dr. Josef Schuster ist seit 2014 Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und zugleich Vizepräsident des World Jewish Congress und des European Jewish Congress.

Zentralrat der Juden

Chanukka fällt als Lichterfest in die dunkle Jahreszeit – gefeiert wird es im jüdischen Wintermonat Kislew. Nach dem gregorianischen Kalender beginnt Chanukka dieses Jahr am Abend des 28. November. In diesen grauen Tagen sind die fröhlichen Feiertage geradezu Balsam für die Seele, und besonders für Kinder ist es eines der schönsten jüdischen Feste überhaupt. Man zündet die Chanukka-Kerzen an, sitzt mit der Familie zusammen, isst gut und feiert den Fortbestand der jüdischen Tradition.

Es hat sich in Deutschland und anderen Ländern längst eingebürgert, den Kindern Chanukkageschenke zu machen – auch als Gegengewicht zu den Weihnachtsgeschenken, die in christlichen Familien am 24. Dezember unter dem Tannenbaum liegen. Ich selbst feiere – wenn Corona es zulässt – Chanukka jedes Jahr in der jüdischen Gemeinde Würzburg und gerne auch im kleinen Kreis mit meinen Kindern und Enkeln.

Man kann Chanukka als Fest der Religionsfreiheit verstehen, denn wir Juden gedenken mit diesem Fest der Wiedereinweihung des Zweiten Tempels in Jerusalem im Jahre 164 vor der Zeitrechnung. Die hellenistischen Seleukiden, die damals im Land herrschten, wollten die Ausübung der jüdischen Religion behindern. Es gipfelte im Bestreben des Seleukidenherrschers Antiochus IV., im jüdischen Tempel solle der Gott Zeus verehrt werden. Dies führte zu großer Empörung und zum Aufstand der jüdischen Makkabäer. Der Talmud beschreibt in diesem Zusammenhang ein Wunder: Nach dem Sieg der Makkabäer wurde ein Krug mit Öl im Tempel gefunden, das fürs Ewige Licht nur für einen Tag gereicht hätte -  aber es brannte trotzdem acht Tage lang.

Deshalb zünden wir acht Tage lang die Kerzen am Chanukkaleuchter an: jeden Tag eine Kerze mehr. Und daher kommt wohl auch der Brauch, an Chanukka „ölige“ Speisen zu essen: also Latkes (Kartoffelpuffer) und Sufganiot (Krapfen). Ebenfalls ein schöner Brauch ist das Spiel mit dem Chanukka-Kreisel, der mit hebräischen Buchstaben verziert ist.

Für mich hat Chanukka, obwohl es ein fröhliches Fest ist, in der heutigen Zeit auch eine ernste Bedeutung, denn immer wieder ist es in Europa - wie auch weltweit - notwendig, die freie Ausübung unserer Religion zu verteidigen. Wenn Schächten und/oder Beschneidung infrage gestellt werden, bedeutet dies eine Einschränkung der Religionsfreiheit, die wir nicht hinnehmen können. Ebenso wichtig ist es, dass wir in der Öffentlichkeit ohne Angst als Juden auftreten können, ohne die Kippa oder jüdische Symbole zu verstecken. Chanukka ist deshalb nicht zuletzt ein Fest, an dem wir den Stolz auf unsere Tradition offen zeigen – etwa, indem wir den Leuchter mit den Kerzen ins Fenster stellen.

Das Chanukka-Fest wird weltweit von rund 15 Millionen Menschen gefeiert.

Gesprächspartner: Dr. Josef Schuster.